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Brandenburg 50 Millionen Tonnen weniger CO2: So hoch ist der Anteil von Jänschwalde
Brandenburg 50 Millionen Tonnen weniger CO2: So hoch ist der Anteil von Jänschwalde
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17:49 07.01.2020
ARCHIV - 30.11.2019, Brandenburg, Jänschwalde: Wasserdampf steigt am frühen Morgen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitzer Energie Bergbau AG (LEAG). (zu "Börse mit gutem Gewissen - Nachhaltige Geldanlage breitet sich aus") Foto: Patrick Pleul/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Patrick Pleul/zb/dpa
Potsdam

Allen Problemen beim Ausbau der Windkraft zum Trotz: Der Ausstoß von Treibhausgasen ging im vergangenen Jahr in Deutschland deutlich zurück. Er sank 2019 um mehr als 50 Millionen Tonnen und lag damit etwa 35 Prozent unter dem Niveau von 1990.

Experten zufolge ist damit das Klimaschutzziel für 2020 doch wieder in greifbare Nähe gerückt. Es sieht eine Reduktion klimaschädlicher Gase um 40 Prozent gegenüber 1990 vor. Das geht aus der Jahresauswertung der grünen Denkfabrik „Agora Energiewende“ hervor.

Nur im Stromsektor eingespart

Der Rückgang ging laut Agora ausschließlich auf den Stromsektor zurück, während der Verbrauch von Diesel, Benzin und Heizöl gestiegen ist. Die Erneuerbaren Energien – wie Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Biomasse – haben demnach einen Rekordanteil von 42,6 Prozent des Bruttostromverbrauchs gedeckt. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent gewesen.

Hauptgrund für den Rückgang: Der gestiegene CO2-Preis der EU für die Energiewirtschaft hat laut Agora die Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle weniger rentabel gemacht. Demgegenüber stieg die Stromproduktion von Erdgas. Das ist zwar auch ein fossiler Brennstoff, der aber im Vergleich zur Kohle weniger klimaschädlich ist.

Stichwort Bruttostromverbrauch

Brutto und netto gibt es auch beim Stromverbrauch: Als Bruttostromverbrauch wird die gesamte Strommenge bezeichnet, die in Deutschland verbraucht wird. Beim Transport von Strom über Leitungen treten sogenannte Netzverluste auf, weil sich die Leitungen erwärmen. Außerdem benötigen Kraftwerke zur Stromerzeugung selbst Energie. Der Nettostromverbrauch (auch Endenergieverbrauch) bezeichnet die Stommenge abzüglich dieser Verluste.

Für Ottmar Edenhofer, Chef des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), ist die Entwicklung ein Beleg dafür, dass eine Abgabe auf CO2 sinnvoll ist. „In diesem Ergebnis spielt der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel die Hauptrolle. Man sieht hier deutlich, dass schon minimale Anstiege beim CO2 -Preis sehr kraftvolle Wirkungen entfalten“, sagte er der MAZ.

Laut dem Lausitzer Braunkohle-Konzern Leag hat das Unternehmen im Jahr 2019 allein durch die Stilllegung von zwei Kraftwerksblöcken in Jänschwalde 5,2 Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Das würde also rund zehn Prozent der gesamtdeutschen Einsparungen bedeuten. Die Blöcke mit jeweils 500 Megawatt Leistung waren im September 2018 und September 2019 in Sicherheitsbereitschaft gegangen. Sie können also bei Bedarf wieder hochgefahren werden.

Die noch in Betrieb befindlichen Kraftwerksblöcke seien zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, hieß es von der Leag. „Strom aus erneuerbaren Energien hat immer Vorrang bei der Einspeisung“, erklärte Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. Jeden Tag werde vom Netzbetreiber festgelegt, wie viel Strom die Leag zu liefern habe. Das heißt: Wenn der Wind kräftig und regelmäßig bläst, liefern die Windräder mehr Strom – dann wird weniger Elektrizität aus Braunkohlekraftwerken eingespeist. 2019 war ein gutes Windjahr.

Umweltschützer sehen Ende von Jänschwalde

„Der Einbruch der Braunkohleverstromung zeigt, wie schnell Braunkohle auch ohne Ausstiegsgesetz unwirtschaftlich werden kann“, sagte René Schuster von der Umweltorganisation „Grüne Liga“. Die Lausitz müsse sich jetzt auf ein Ende des Kraftwerksstandortes Jänschwalde vorbereiten. Dazu sei ein klarer Ausstiegsfahrplan nötig. Schuster äußerte die Befürchtung, dass die tschechischen Betreiber hinter der Leag bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung hohe Entschädigungen herauszuschlagen versuchen. „Dabei zocken die Oligarchen auf Kosten der Region, weil genau diese Verhandlungen letztlich das Inkrafttreten des Strukturstärkungsgesetzes blockieren“, sagte Schuster.

Dass die Treibhausgase im Verkehr gestiegen sind, hängt laut Agora auch mit dem SUV-Trend zusammen. Das kritisierte auch René Schuster. „Im Verkehrssektor passiert noch immer zu wenig“, sagte er.

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