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Brandenburg 75 Jahre Potsdamer Konferenz: Wie ein amerikanischer Soldat den Zorn Stalins auf sich zog
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75 Jahre Potsdamer Konferenz: Wie ein amerikanischer Soldat den Zorn Stalins auf sich zog

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11:04 16.07.2020
Potsdamer Konferenz: US-Präsident Harry S. Truman sitzt im Vordergrund (Rücken zur Kamera), der sowjetische Premierminister Josef Stalin rechts, der britische Premierminister Winston Churchill links. Quelle: Us National Archives / Handout
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Potsdam

Elf Waggons, rund 900 Bodyguards, 1923 Kilometer Strecke und etwa 19.000 Soldaten entlang der Bahnschienen von Moskau bis Potsdam – mit viel Aufsehen und Stunden Verspätung erreicht der gepanzerte Sonderzug von Josef Stalin im Juli 1945 Potsdam. „Ich denke, die Verspätung war ein psychologischer Trick Stalins, um seine Machtposition zu demonstrieren“, sagt der Potsdamer Historiker Manfred Görtemaker.

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 ist das Potsdamer Schloss Cecilienhof Zentrum der Weltpolitik. Im Kampf gegen den nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler waren Stalin, US-Präsident Harry S. Truman und der britische Premierminister Winston Churchill Verbündete. Nun wollen sie gemeinsam den Frieden gestalten.

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Stalin fühlte sich überlegen

Truman ist zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate als US-Präsident im Amt. Churchill erleidet noch während des Treffens eine Wahlniederlage und wird durch Clement Attlee ersetzt. „Stalin hingegen war der starke Mann. Die Konstante“, erklärt der emeritierte Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Der sowjetische Machthaber habe sich seinen Kollegen daher weitaus überlegen gefühlt.

Das kreisrunde Beet mit dem „Roten Stern“ aus Geranien sollte im Innenhof des Schlosses unmissverständlich klarmachen, wer der Gastgeber der Konferenz zur Nachkriegsordnung war. Ursprünglich sei eine Berliner Konferenz geplant gewesen, „aber in der zerstörten Reichshauptstadt waren weder Unterkünfte noch Konferenzräume vorhanden“, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf ihrer Internetseite.

Churchill unternahm Ausflüge ins zerstörte Berlin

Während Stalin seine Freizeit vor allem in einer Villa am Griebnitzsee verbrachte, unternahm Churchill laut Görtemaker gern Ausflüge ins zerstörte Berlin. Truman spielte im „Little White House“ in Babelsberg, seiner Residenz, ab und an Töne am Klavier.

Auch Stalin habe beim US-Präsidenten eines Nachmittags ein Privatkonzert erlebt, berichtet Görtemaker. „Bleiben die Jungs zum Abendessen?“, soll ein amerikanischer Soldat da plötzlich gefragt und auf den sowjetischen Machthaber und seine Männer gezeigt haben. „Diese Respektlosigkeit gegenüber einem blutrünstigen Diktator wie Stalin war schon bemerkenswert“, sagt der Historiker.

Teilung Deutschlands war nicht Thema

Im Gegensatz zu den vorherigen Konferenzen in Teheran 1943 und 1945 in Jalta berieten „die großen Drei“ in Potsdam nicht über die Teilung Deutschlands. Sie war laut bpb erst die Folge des Kalten Krieges. Die Ergebnisse der Potsdamer Konferenz, niedergeschrieben im „Potsdamer Abkommen“, seien andere gewesen: Die Festlegung der polnischen Westgrenze, das Offenhalten der deutschen Frage sowie die Resolution, dass Deutschland als wirtschaftliche Einheit erhalten bleiben müsse.

Für Görtemaker sind diese Entscheidungen Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung Jahrzehnte später. Vor allem der Beschluss, das Land als wirtschaftliche Einheit zu sehen, sei zentral gewesen. „Die Wiedervereinigung wäre nicht möglich gewesen, wenn man sich in Potsdam anders entschieden hätte“, sagt der Wissenschaftler.

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Von MAZonline/dpa