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Brandenburg Sonderausstellung zu 75 Jahre Potsdamer Konferenz
Brandenburg Sonderausstellung zu 75 Jahre Potsdamer Konferenz
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13:14 06.03.2019
Das berühmte Korbsessel-Foto mit Churchill, Truman und Stalin im Garten von Schloss Cecilienhof
Das berühmte Korbsessel-Foto mit Churchill, Truman und Stalin im Garten von Schloss Cecilienhof Quelle: imago stock&people
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Berlin

 Das Plakat zur Ausstellung „Die Neuordnung der Welt“ ist eine Collage: unten sitzen die Weltenlenker Winston Churchill, Harry Truman und Josef Stalin einträchtig nebeneinander im Garten von Schloss Cecilienhof. Doch über das weltbekannte Korbsessel-Foto von der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) haben die Ausstellungsmacher einen Atompilz montiert.

Während der Zweite Weltkkrieg in Europa schon zu Ende war, wurde im Sommer 1945 im fernen Osten noch gekämpft – deshalb der Pilz auf dem Plakat. Wenige Tage nach der Potsdamer Konferenz warf die amerikanische Luftwaffe zwei Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Vorangegangen war ein Ultimatum, mit dem US-Präsident Truman während der Potsdamer Konferenz die bedingungslose Kapitulation der Japaner verlangt hatte.

Für einen kurzen Zeitraum war Potsdam im Sommer des Jahres 1945 der Mittelpunkt der politischen Welt. Im angelsächsischen Raum hieß das Treffen zwar „Berlin Conference“ genannt, weil die Hautpstadt in Trümern lag, tagten die Delegationen der alliierten Siegermächte USA, Großbritanniens und der Sojwetunion aber im unzerstörten Schloss Cecilienhof.

Auftakt des Kalten Krieges

Kurator Matthias Simmich von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg stellte auf der Reisemesse ITB erstmals in Grundzügen das Konzept der Ausstellung vor, die vom 1. Mai bis 1. November 2020 in Schloss Cecilienhof gezeigt wird. Nach seinen Worten will die Ausstellung jenen „Bruchpunkt der Geschichte“, der den Auftakt des Kalten Krieges markierte (und damit auch die spätere Teilung Deutschlands), für ein breites Publikum multiperspektivisch aufbereiten.

Die sachliche Präsentation der geopolitischen Beschlüsse wird eher emotionalen Zeitzeugen-Interviews gegenüber gestellt – etwa von Menschen, die infolge der in Potsdam verabedeten Verschiebung der polnischen Westgrenze zu Flüchtlingen und Vertriebenen wurden. Oder von Überlebenden der Atombombenabwürfe.

„Die Neuordnung der Welt“ schaut nicht nur auf die drei Herrren in den Korbsesseln (Churchill wurde im Laufe der Konferernz in Großbritannien abgewählt und durch Clemence Atlee ersetzt) in den Blick nehmen, sondern auch auf die zweite und dritte Reihe in den jeweiligen Delegationen. Einige Teilnehmer haben später Weltgeschichte geschrieben, Andrej Gromyko etwa. Er wurde 1957 Außenminister der UdSSR und blieb es 28 Jahre lang.

Ein „besonderer Schatz“ der geplanten Ausstellung sind die detaillierten Tagebücher der damaligen Sekretärin von Winston Churchill, damals 19, inzwischen 93. Joy Hunter hat ihre Aufzeichnungen für die Potsdamer Schau zur Verfügung gestellt und ein ausführliches Interview gegeben. „Ihre Erinnerungen werden die Zuschauer wie ein roter Faden durch die Schau lotsen“, sagt Kurator Simmich. Auch die Gartenterrasse, wo damals das Korbsessel-Fotos entstand, wird in die Aussstellung integriert.

„Die Neuordnung der Welt“, Schloss Cecilienhof, 1. Mai bis 1. November 2020. Geöffnet täglich außer Montag. Karten 14 Euro (ermäßigt 10). Vorverkauf ab Februar 2020.

Von Thorsten Keller