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Brandenburg Erst pusten, dann fahren
Brandenburg Erst pusten, dann fahren
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00:37 16.03.2015
Die Alkohol-Wegfahrsperre soll Promillefahrten unterbinden. Quelle: Volvo
Potsdam

Die Dunkelziffer ist hoch, befürchtet Brandenburgs amtierender Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Jeden Tag ziehen seine Beamten im Durchschnitt zwölf Alkoholfahrer aus dem Verkehr. Die Zahl der Verstöße stieg 2014 um sieben Prozent auf 4331 an – ganz zu schweigen von den 1165 Unfällen, die 2014 auf Promille im Blut zurückzuführen waren, und bei denen zehn Menschen ihr Leben verloren. Als Ende Februar die Jahresunfallbilanz vorgestellt wird, lässt Mörke keinen Zweifel am Alkoholproblem im märkischen Straßenverkehr: „Wir haben nicht so gute Zahlen.“ Nicht zu reden von den ungezählten Promillefahrten, die der Polizei durchs Raster gehen.

Technik wird bereits in einigen Ländern eingesetzt

Notorischen Trunkenheitsfahrern hat die Bundespolitik jetzt den Kampf angesagt. Wer im Suff am Steuer auffällt, könnte schon bald durch teure Technik ausgebremst werden, nämlich durch sogenannte Alkohol-Interlocks – also Wegfahrsperren für Trunkenheitsfahrer. Verkehrspolitiker setzten darin fraktionsübergreifend große Hoffnungen, schließlich, so lauten die Argumente, seien die volkswirtschaftlichen Schäden infolge der vielen Unfälle beträchtlich.

Kostspielige Sonderausstattung

Alkohol-Interlock-Systeme sind Wegfahrsperren für Trunkenheitsfahrer. Bevor der Motor startet, muss der Fahrer pusten. Überschreitet die Atemluft eine bestimmte Promillegrenze, wird die Zündung blockiert.

Die schwedischen Hersteller Volvo und Scania bieten Alkoholsperren schon ab Werk als mögliche Ausstattung an. Für alle weiteren Fahrzeuge lassen sich die Systeme gegen einen niedrigen vierstelligen Eurobetrag nachrüsten.

Kritikpunkte sind die möglichen Manipulationen der technischen Geräte. Zwar verweisen die Hersteller auf die empfindliche Sensorik der Geräte, die je nach Bauart die Menge und Temperatur der zugeführten Luft misst. Trotzdem kann die Atemprobe etwa auch durch den Beifahrer abgegeben werden.

Macht Deutschland das System für notorische Alkoholsünder zur Pflicht? In Schweden, Finnland und den Niederlanden ist das längst so. „Das Auto kann dann nur starten, wenn der Fahrer vorher pustet“, sagt Martin Burkert (SPD). Der Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag preist die guten Erfahrungen im Ausland. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) scheint von den Wegfahrsperren für alkoholauffällige Fahrer überzeugt. Jetzt soll die Technik in einem auf fünf Jahre angelegten Modellversuch erprobt werden. Dobrindt erhofft sich, Wiederholungstäter zur Räson zu bringen – ihnen könne geholfen werden, wieder verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen. In Brandenburg, wo Alkoholfahrten an der Tagesordnung sind, stößt die geplante Technikoffensive auf verhaltene Reaktionen. Solange die rechtlichen Details einer möglichen Einführung der Sperrsysteme nicht feststünden, wolle man sich nicht äußern, heißt es im Potsdamer Verkehrsministerium.

Experten sehen Technik skeptisch

Deutlicher wird Michael Jungclaus, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag. Er macht keinen Hehl daraus, dass er wenig von Dobrindts Versuchsreihe hält. Schließlich, argumentiert Jungclaus, würden die technischen Sperren mögliche Wiederholungstäter aus der persönlichen Verantwortung nehmen. „Das käme einer Entmündigung gleich“, sagt der grüne Verkehrsexperte, der bezweifelt, dass Alkohol am Steuer dadurch wirksam bekämpft würde. Erstverstößen sei mit der auf notorische Trunkenheitsfahrer ausgelegten Technik ohnehin nicht beizukommen.

Dafür, meint Jungclaus, wäre schon ein grundlegendes Umdenken nötig. „Wenn der Gesellschaft die Bekämpfung von Alkohol im Straßenverkehr ein ernsthaftes Anliegen ist, müsste das Ergebnis sein, die Null-Promille-Grenze einzuführen.“ Ähnlich argumentiert auch der Auto Club Europa.

Bei der Konkurrenz vom ADAC wiederum ist man überzeugt, dass der Einbau der Geräte einerseits erhebliche Eingriffe in die Freiheitsrechte der Betroffenen bedeuten würde. Andererseits, heißt es beim größten Autofahrerklub, würden Alkoholfahrten dadurch lediglich erschwert, aber kaum verhindert. Stattdessen sei es nötig, das Problembewusstsein der Trunkenheitsfahrer zu ändern – etwa durch schärfere Kontrollen durch die Polizei. Das würde auch mehr Licht ins Dunkel der märkischen Verkehrssünder- und Unfallstatistik bringen.

Von Bastian Pauly

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