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Brandenburg Alltag in Altenheimen: Zurück in die Normalität
Brandenburg

Altenheime in Brandenburg: Zurück in die Normalität dank sinkender Corona-Zahlen

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11:16 05.06.2021
Bewohnerin Johanna Muschel (hinten, l) blickt während eines Bingo-Turniers im ASB-Seniorenheim in Neuruppin zu Marion Wodetzki (r), Betreuerin, die eine Bingo Karte hochhält.
Bewohnerin Johanna Muschel (hinten, l) blickt während eines Bingo-Turniers im ASB-Seniorenheim in Neuruppin zu Marion Wodetzki (r), Betreuerin, die eine Bingo Karte hochhält. Quelle: dpa/Fabian Sommer
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Neuruppin

Johanna Muschel rätselt gern. Auf ihren Spaziergängen kauft sie sich häufig ein neues Rätselheft. Die 94-Jährige lebt im Seniorenhaus „Am Schulplatz“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Neuruppin, direkt am Marktplatz. In der Einrichtung kann sie ihrem Hobby auch in der Gruppe nachgehen. „Gedächtnistraining, mache ich gern, raten“, erzählt die muntere Dame.

Die Corona-Pandemie hat den Alltag in Brandenburgs Pflegeheimen stark verändert. Gruppenaktivitäten wurden abgesagt, Quarantänen galten vorübergehend, Spaziergänge waren teils nicht möglich. „Es war nicht ganz so schön“, sagt Muschel nachdenklich. Aber jetzt sei es wieder besser geworden.

In den Heimen kehrt mit den sinkenden Corona-Infektionszahlen und geimpften Bewohnern langsam der normale Alltag wieder ein. Nach einer Umfrage der dpa bei einigen Trägern sind fast alle Bewohner inzwischen geimpft. „Man versucht, ein Stück weit Normalität zu erreichen. Darüber freuen sich vor allem die Bewohner“, erzählt ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht. „Es ist ein leichtes Aufatmen“.

Besuchsregeln werden gelockert

In den meisten Heimen des Trägers wurden die Besuchsregeln weitestgehend gelockert. Besucher können ohne Anmeldung kommen und so lange bleiben, wie sie möchten. Sie können mit den Bewohnern wieder nach draußen gehen oder sich in den Gemeinschaftszimmern der Einrichtungen treffen.

Wenn Besucher noch nicht geimpft sind, müssen sie einen maximal 48 Stunden alten negativen Corona-Test nachweisen. Andernfalls testet sie jemand in der Einrichtung.

Die 94-jährige Johanna Muschel, Bewohnerin des ASB-Seniorenheimes in Neuruppin, blättert durch ihr Malbuch. Quelle: dpa/Fabian Sommer

Auch in den Heimen des AWO-Landesverbandes Brandenburg seien Gruppenangebote und Aktivitäten langsam und unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen wieder aufgenommen worden. Mit der seit Donnerstag geltenden neuen Eindämmungsverordnung werde auch im Außenbereich das Tragen einer FFP2-Maske aufgehoben, wenn der Abstand zu Dritten, also beispielsweise Reinigungskräften, eingehalten werden könne, so Geschäftsführerin Anne Baaske.

Im DRK-Seniorenwohnpark in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) können die Bewohner wieder gemeinsam Kochen und Backen. Auch Gartenarbeit, Betreuungsangebote und weitere Gruppenaktivitäten sind laut dem Träger wieder möglich. Zur großen Freude der Seniorinnen und Senioren dürften auch wieder Kita-Kinder in die Einrichtung kommen, so Einrichtungsleiter Christian Raum. „Im Großen und Ganzen ist das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner in Sachen Betreuung und Aktivitäten wieder auf dem Stand vor der Pandemie.“

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Kontakte werden in den Heimen aber weiterhin erfasst und verfolgt. Neue Bewohner, die noch nicht geimpft sind, müssen weiterhin in eine mehrtägige Quarantäne. „Das, was man erlebt hat, vergisst man nicht so leicht“, sagt Schönknecht. Die Sorge sei weiterhin da. Daher liefen die Lockerungen langsam, Schritt für Schritt.

Tests und Kontaktverfolgung bleiben

Die Kontaktverfolgungen und Tests können auch aus Sicht von Angela Brunnemann, Leiterin des Neuruppiner Heims, verhindern, was vor einigen Monaten in der Einrichtung geschah. Mehr als die Hälfte der Bewohner erkrankte an Corona, ein Teil davon starb. Wie das Virus in das Haus am Marktplatz gekommen ist, blieb unklar. „Damals war man ja noch nicht so weit mit Kontaktnachverfolgung und Tests“, bedauert Brunnemann. Erst durch tägliche Tests habe man mehr Sicherheit schaffen können.

Vor der Pandemie war das Heim mit seinen 49 Plätzen voll belegt. Das sei nun anders - nicht nur wegen der Verstorbenen, von denen einige auch ohne das Virus starben. Denn die Nachbelegung gestalte sich aktuell schwierig. Das Heim habe wenig Anfragen. Normalerweise sei die Nachbelegung immer gesichert gewesen. „Wir hatten Wartelisten“, berichtet Brunnemann, die bereits seit 40 Jahren in der Pflege tätig ist. „Das sind die Folgen der Corona-Pandemie, die Menschen haben Angst, sich im Heim anzustecken.“

Beschäftigungstherapie im Lockdown

Während der strengen Beschränkungen hatten einige Heime ihren Bewohnern alternative Beschäftigungen angeboten. In Brunnemanns Einrichtung hätten Beschäftigungstherapeuten beispielsweise kleine Mai-Bäume mit den Bewohnern gestaltet, Gläser bemalt und das Kräuterbeet hergerichtet. „Das waren die kleinen Höhepunkte“, erinnert sie sich.

Zudem hätten die Helferinnen und Helfer mit den Bewohnern gemalt. Viele haben Mappen mit ihren eigenen gemalten Bildern. Das Ausleben der Emotionen durch das Malen in der schwierigen Zeit habe den Bewohnern gut getan“, sagt Brunnemann.

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Auch Johanna Muschel malt. Allerdings tat sie das auch schon vor der Corona-Pandemie. Im Heim habe sie ihr neues Hobby neben dem Rätseln entdeckt, berichtet Tochter Karin Hoffmann. Die 77-Jährige besucht ihre Mutter häufig in ihrem neuen Zuhause. „Ich male viel, lese, Rätsel raten“, so hat Johanna Muschel die besonders schweren Zeiten der Pandemie im Heim hinter sich gebracht.

Von Anna Kristina Bückmann (dpa)