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Brandenburg Linken-Verkehrspolitikerin Tack schreibt Buch über Pleite-Flughafen
Brandenburg Linken-Verkehrspolitikerin Tack schreibt Buch über Pleite-Flughafen
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12:19 10.07.2019
Potsdam

Das unvollendete Flughafen-Projekt in Schönefeld hat Anita Tack zeit ihres Politiker-Daseins begleitet. Und auch nach ihrem Abschied aus der Landespolitik nach 25 Jahren ist für die 68-jährige Potsdamerin das Thema noch längst nicht abgehakt: Sie schreibt darüber ein Buch, wie sie jetzt überraschend verkündete.

Einen gängigen Titel dafür hat sie zwar noch nicht, aber dafür viele Ideen. Alles, was sie an Besonderem und Unerhörten über den Flughafen weiß und erlebt hat, soll einfließen – als Abgeordnete im Landtag, als Verkehrspolitikerin ihrer Partei und als Ministerin. Tack kann auch nach so vielen Jahren immer noch sehr wütend sein, wenn sie über den Flughafen redet. „Viele wissen gar nicht, was da wirklich abgegangen ist“, sagt sie.

Folge unglaublicher Fehlentscheidungen

Die Pleite des Flughafens sei eine Folge unglaublicher Fehlentscheidungen gewesen. So hätten lange die Betriebe auf dem Gelände ohne Generalauftragnehmer und damit ohne jede Abstimmung nebeneinander her gearbeitet. Als im Flughafen-Sonderausschuss des Potsdamer Landtag Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup kurz nach seiner Übernahme des Postens 2017 den Abgeordneten gesagt habe, ’Sie müssen mal Vertrauen zu uns haben’, da wäre ihr fast der Kragen geplatzt.

„Dem habe ich ’was erzählt“, so Tack, die als einen wesentlichen Fehler bei der Kontrolle die Besetzung des Aufsichtsrats mit Ministern und Staatssekretären sieht. Davor habe sie früh gewarnt, sagt sie. Doch konnte sie sich damit offensichtlich in ihrer eigenen Partei nicht durchsetzen, die auch Minister dorthin geschickt hatte.

Flughafen-Akten gehen an die Rosa-Luxemburg-Stiftung

Mit ihrer Partei und Fraktion ist Tack im Großen und Ganzen im Reinen. In diesen Tagen räumt sie im Landtag ihr kleines Abgeordnetenbüro auf, das voll mit Papier und Akten ist. Offiziell ist sie noch bis zur Konstituierung des neuen Landtags Abgeordnete, der am 1. September neu gewählt wird. Einen Teil ihres „Nachlasses“, wie sie es nennt, gab sie bereits an die linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung nach Berlin, einschließlich ihrer Flughafen-Akten.

Und sie sieht der politische Ruhestand von Anita Tack aus? „Ja, wenn ich das so genau wüsste“, sagt sie. „Ich will mich auf jeden Fall nicht mehr so fest binden lassen.“ Es habe bereits Anfragen gegeben, sie habe aber erst einmal abgelehnt, sagt sie und freut sich besonders auf ein „hohes Maß an Selbstbestimmung“. Schließlich habe sie mehrere Enkelkinder, um die sie sich nun intensiver kümmern wolle.

Zwei Jahre lang Landesvorsitzende der PDS

Tack ist in diversen Fördervereinen tätig, wie im Kunst- und Kreativquartier „Rechenzentrum“ in Potsdam, im Filmmuseum und im Hans-Otto-Theater. Und das soll zunächst auch so bleiben, wie sie sagt. In Weimar hatte Tack in den 70er Jahren an der Hochschule für Architektur und Bauwesen studiert.

Anschließend war sie im Bezirk Potsdam mit für die Territorialplanung zuständig und wurde 1987, drei Jahre vor der „Wende“, Vize-Vorsitzende der Bezirksplankommission. Nach der Wiedergründung der Länder wurde sie in der ersten Wahlperiode des Landtags Brandenburg Mitarbeiterin der PDS-Fraktion. Bei der Landtagswahl 1994 errang sie in Potsdam ein Mandat. Sie wurde Abgeordnete und blieb das bis heute.

Einer ihrer Höhepunkte war Wahl zur Landesvorsitzenden der PDS 1999. Doch sie blieb nur zwei Jahre im Amt. Dann übernahm Ralf Christoffers das Ruder, der bis heute einer ihrer Gegenspieler in der Partei ist. Beide lieferten sich intern heftige Auseinandersetzungen, bei denen es auch um die inhaltliche Ausrichtung der Linken ging.

Pläne wurden nie in die Tat umgesetzt

Tack erinnert sich vor allem an drei Themen, bei denen sie mit Christoffers, der heute Fraktionschef ist, über Kreuz lag: die Abbaggerung Hornos in der Lausitz, die Länderfusion mit Berlin und den Bau des Flughafens in Schönefeld. Sie war stets dagegen. Beide saßen sogar fünf Jahre lang ab 2009 gemeinsam als Minister im ersten rot-roten Kabinett von Matthias Platzeck (SPD). Tack war für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zuständig; Christoffers für Wirtschaft und Europa.

Diese Zeit hat sie heute selbst in keiner schlechten Erinnerung. Auch wenn sie die SPD, aber auch Teile ihrer Partei immer wieder gegen sich aufbrachte und mit ihrem Dauerthema, die „Nachhaltigkeit“, nervte. Die erarbeitete Strategie wurde später nie umgesetzt. Sie habe damals nicht mehr als 20 Minuten Zeit gehabt, sich zu entscheiden, erinnert sie sich. Das Ministerium sei damals neu zusammengesetzt worden. „Es wollte keiner machen. Aber ich wollte.“ Dabei war Tack eigentlich die Expertin für Wohnen, Mieten, Bauen und Mobilität. Doch dieses Ressort ging an die SPD.

„Autofahrer-, Raucher- und Männerpartei“

Heute bereitet Tack die Sorge, wer künftig diese Themen besetzen soll. „Da ist meine Partei nicht so gut aufgestellt.“ Einen Grund hat sie auch gefunden, warum diese Themen keiner gern macht. Lange Zeit sei die PDS „eine Autofahrer-, Raucher- und Männerpartei“ gewesen. „Und das hat sich wenig geändert.“ Auch wenn die Linke heute zwei Frauen als Landesvorsitzende hat.

Ihrer Partei rät sie, künftig konsequenter zu sein und sich nicht auf „faule Kompromisse“ in Koalitionen einzulassen. Wie zuletzt im Landtag beim Verfassungsschutzgesetz, wie sie hervorhob. Tack stimmte im Juni als eine der ganz wenigen in ihrer Fraktion dem Gesetz nicht zu, das am Ende aber trotzdem eine rot-rote Mehrheit bekam. Nach der Wahl hofft sie auf eine Koalition ihrer Partei mit SPD und Grünen. Und die einstige Umweltministerin hätte auch nichts dagegen, wenn dieses Bündnis von den Grünen angeführt würde, wie sie anmerkte.

Von Igor Göldner

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