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Brandenburg Darum fährt Apple mit Kamera-Autos durch Brandenburg
Brandenburg Darum fährt Apple mit Kamera-Autos durch Brandenburg
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08:24 11.09.2019
Ein Kamerafahrzeug von Apple, das Aufnahmen für den Kartendienst des iPhone-Konzerns macht, ist im Straßenverkehr unterwegs (Archivbild aus den USA). Quelle: Andrej Sokolow/dpa
Potsdam

Der iPhone-Hersteller Apple hat Deutschland fest im Blick. Bis Ende September werden in Brandenburg Kamera-Autos mit der Aufschrift „Apple Maps“ des US-Unternehmens unterwegs sein. „Die Fahrten der Kamera-Autos in Deutschland dienen in erster Linie der Verbesserung der sogenannten Grundfunktionen in Apple Maps“, teilte Apple Deutschland auf Anfrage mit.

Ab Mittwoch sind die Autos in Brandenburg unterwegs. Einzelheiten der Touren erläutert der Konzern nicht. Apple sagt zum Beispiel nicht, wie dicht Brandenburg befahren wird und welche Orte und Straßen genau aufgenommen werden sollen. Von der deutschen Vertretung der Firma ist auch nicht zu erfahren, mit wie vielen und welchen Autos man in Brandenburg unterwegs sein werde.

Beginn in Cottbus und Frankfurt (Oder)

Am 11. September werden zunächst die kreisfreien Städte Cottbus und Frankfurt (Oder) angesteuert. Die Fahrzeuge fahren dort eine Woche lang umher. Am 15. September beginnen zeitgleich Fahrten durch die Landkreise Dahme-Spreewald, Märkisch-Oderland, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße. Wann genau die Autos in den übrigen Kreisen und kreisfreien Städten unterwegs ist, teilt der Konzern nicht mit.

Unmittelbares Ziel der Kamerafahrten sei es nicht, eine 360-Grad-Ansicht der entsprechenden Standorte zu liefern, betont Apple. Die Fahrten hätten zwar auch den Zweck, die angestrebte sogenannte Look Around-Funktion („sich umschauen“) der iPhones zu unterstützen. Über eine solche Erweiterung von Apple Maps, das Google Street View ähneln würde, werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Google Street View erlaubt virtuelle Fahrten durch ausgewählte Städte. In Brandenburg wurden bislang aber keine Orte systematisch von Google erfasst. Berlin ist dagegen vollständig fotografiert.

Apple sammelt Infos für die Navigation

Apple beteuert, dass die bei den Fahrten gesammelten Standbilder als „äußerst effektives“ Werkzeug gedacht seien, um Verkehrsteilnehmern via GPS weitere Informationen zu bieten, etwa über über Stoppschilder, Abbiegebeschränkungen, Fahrspurmarkierungen und Tempolimits. „Dies alles sind Details, die die Maps-Datenbank zu einer hoch akkuraten Darstellung des Straßennetzes machen und den Verbrauchern ein zuverlässiges Navigationserlebnis ermöglichen“, so ein Apple-Sprecher.

Der Konzern verspricht auf seiner Webseite, dass die Privatsphäre von Passanten und Autofahrern geschützt werde, während die Daten erfasst werden. Gesichter und Autokennzeichen würden auf den Bildern vor der Veröffentlichung in der künftigen Look around-Funktion unkenntlich gemacht –ähnlich wie bei Google Street View.

Gesichter und Kennzeichen werden verpixelt

Die für die deutschen Kamerafahrten zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Dieses teilt mit, die Aufnahmen würden stark verschlüsselt und danach auf Festplatten gespeichert. Die verschlüsselten Daten werden erst bei Apple in den USA wieder entschlüsselt und weiterverarbeitet. Vor der Weiterverarbeitung der Daten durch Apple würden Gesichter und KFZ-Kennzeichen verpixelt.

Sven Müller, Sprecher der Brandenburger Datenschutzbeauftragten, sieht keinen Anlass, an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens von Apple zu zweifeln. „Apple darf Kamerafahrten vornehmen“, sagt Müller. Schließlich würden ja Gesichter oder Auto-Kennzeichen verpixelt und damit der Datenschutz-Grundverordnung Rechnung getragen. „Zudem hat Apple gegenüber dem Bayerischen Landesamt erklärt, dass für den Fall einer späteren Veröffentlichung der Aufnahmen jeder Bürger die Möglichkeit hat, bei Apple eine Verpixelung der eigenen Häuserfront zu verlangen“, so Müller. So war auch das Vorgehen bei der Einführung von Street View.

Digitalisierungsexperte übt scharfe Kritik

Key Pousttchi, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Universität Potsdam, findet das Vorgehen von Apple keineswegs unbedenklich. Es sei im Grunde klar, dass Apple mit der Kampagne ein Äquivalent zu Google Street View anstrebe – und mit seiner Taktik des Stillschweigens eventuellen Widerständen aus dem Weg gehen wolle. Den Umgang des Konzerns mit der Öffentlichkeit nennt er in diesem Zusammenhang „selbstherrlich“.

„Hier fällt uns – wie bei der Mobilfunk-Netzabdeckung und vielen anderen Dingen – das vollständige Versagen der Bundesregierungen der letzten zehn Jahre beim Thema Digitalisierung auf die Füße“, so Pousttchi. Der Staat gehe mit einem tief in die Privatsphäre eingreifenden Vorhaben viel zu nachsichtig um. Es sei „völlig unverständlich“, dass die Politik die Machtposition, die sich aus dem Besitz von Smartphone-Betriebssystemen ergebe, nicht erkenne und ignoriere. „Aber das Ergebnis, dass diese Unternehmen nämlich völlig intransparent tun, was sie wollen, ist folgerichtig“, so Pousttchi.

Es werde schwierig, die „Büchse der Pandora“ wieder zu schließen. Die Verbraucher seien durch die Endgeräte und ihre Vorzüge erpressbar: „Im Zweifel werden sie alles unterschreiben, um es weiter nutzen zu können.“

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Von Rüdiger Braun

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