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Brandenburg Arbeitslosenzahl in Brandenburg nur minimal gestiegen
Brandenburg

Arbeitslosenzahl in Brandenburg ist im Juli nur minimal gestiegen 

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13:36 30.07.2020
Auf dem Bau gibt es noch genug Jobs... Quelle: Robert Michael/dpa
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Potsdam

Trotz Corona-Krise und eines dramatischen Einbruchs der Wirtschaftsleistung in Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli in Brandenburg nur leicht gestiegen. 87.304 Menschen hatten in dem Bundesland in diesem Monat keinen Job, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Das waren 1078 mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Vormonat nicht verändert und beträgt weiterhin 6,5 Prozent.

Deutlicher fällt der Anstieg hingegen im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. Im Juli 2019 waren 11.318 weniger Frauen und Männer ohne Job. Jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Brandenburg befindet sich in Kurzarbeit.

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Heftiger als Brandenburg trifft die Krise den Berliner Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in der Bundeshauptstadt liegt nun bei 10,8 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Juni. Vor einem Jahr hatte die Quote noch bei 8 Prozent gelegen. Ohne die Kurzarbeit wären die Zahlen vermutlich noch schlechter.

Zweite Welle wäre fatal für den Arbeitsmarkt

Der Berlin-Brandenburger Agenturleiter Bernd Becking sagte: „Wenngleich die Arbeitslosenzahlen nicht mehr so stark gestiegen sind wie im April und Mai, zeigt die Entwicklung, dass wir noch lange nicht durch sind.“ Man werde „noch für längere Zeit erheblich mehr Kurzarbeit sehen als vor der Corona-Krise“, so Becking. Für eine Erholung sei es wichtig, dass es keine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie gebe.

In der Hauptstadt haben im Juli fast 6000 Menschen ihren Job verloren. Die Zahl der Arbeitslosen stieg aber etwas langsamer als in den Vormonaten: auf 215. 305. Das waren knapp 59.000 mehr als vor einem Jahr. Besonders in Dienstleistungen, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerwirtschaft gingen Arbeitsplätze verloren.

Berlin im Corona-Schock

„Die Pandemie hinterlässt immer tiefere Spuren auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. „Die Beschäftigung in Brandenburg ist weitaus robuster als in Berlin.“ Einige Branchen wie Information und Kommunikation oder Logistik sendeten sogar schon wieder „leicht positive Signale“. Die Kurzarbeit bleibe ein wichtiges Instrument, um die Folgen der Krise für den Arbeitsmarkt abzufedern, sagte Amsinck.

In Berlin allerdings sei die Lage kritischer, die Arbeitslosenquote habe den höchsten Stand seit März 2015 erreicht, so Amsinck. „Wann sich die Unternehmen insbesondere aus Gastronomie, Tourismus- und Messewirtschaft von dem Pandemie-Schock erholen werden, ist derzeit nicht abzusehen. Auch die Industrie tut sich weiterhin schwer“, sagte der Verbands-Chef.

Der Brandenburger Linken-Fraktions-Chef Sebastian Walter erwartet für den Herbst eine Pleitewelle, da Ende September die wegen der Pandemie eingeräumten Ausnahmen vom Insolvenzrecht ausliefen. Das „ganze Ausmaß der Coronapandemie wird sich erst in den kommenden Monaten in den Statistiken niederschlagen“, vermutet Walter.

Bundesweit waren 2,91 Millionen Menschen ohne Job, 57.000 mehr als im Juni und 635.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

Historischer Einbruch der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hat auf dem Höhepunkt der Corona-Krise einen noch nie da gewesenen Einbruch erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung am Donnerstag mitteilte. Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970. Der Deutsche Aktienindex Dax gab nach Veröffentlichung der Verlustmeldung bis zum Mittag um gut zwei Prozent in die Knie.

„Die Wirtschaft ist in bespielloser Weise abgestürzt. Sie hat sich aber im Coronatal gefangen und klettert nun wieder aufwärts, ohne bislang die alte Höhe erreicht zu haben“, kommentiert Timo Wollmershäuser vom Münchner ifo-Institut die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Lockerungen ab Mai hätten Wirkung gezeigt. „Aufs Gesamtjahr gerechnet wird es zu einem Minus der Wirtschaftsleistung in der Größenordnung von fünf Prozent kommen.“ Die Entwicklung hänge „vom weiteren Verlauf der Epidemie und den politischen Reaktionen darauf“ ab.

Von Ulrich Wangemann und Burkhard Fraune