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Brandenburg 1129 Kinder in Brandenburg verunglückt
Brandenburg 1129 Kinder in Brandenburg verunglückt
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18:43 14.08.2019
Laut Dekra die schwächsten Verkehrsteilnehmer: Kinder mit dem Fahrrad unterwegs zur Schule. Quelle: ZB
Potsdam

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen in Brandenburg verunglückten Kinder ist 2018 zum zweiten Mal in Folge gestiegen. 2018 verunglückten 1129 Kinder, 1128 wurden dabei verletzt, ein Kind kam ums Leben. 2016 waren 991 Kinder verunglückt, 2017 waren es 1067. Dies geht aus dem Verkehrssicherheitsreport der Dekra 2018 mit dem Schwerpunkt „Kinder im Straßenverkehr“ hervor. Insgesamt zeigen die Zahlen der Dekra, dass die Gefahren für Kinder im brandenburgischen Straßenverkehr seit 2013 tendenziell steigen. So verunglückten 2013 noch 958 Kinder, von denen 954 verletzt wurden, allerdings aber auch vier starben.

Kinder motorisch nicht voll entwickelt

„Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer“, sagt Jens-Peter Schultze, Leiter der Dekra-Niederlassung Oranienburg (Oberhavel). Das gelte weltweit. Er weist darauf hin, dass sogar bei Kindern bis zu 14 Jahren nicht alle physischen Kompetenzen voll entwickelt sind. Zum Beispiel ist ihre Wahrnehmungsgeschwindigkeit noch nicht vollständig ebenso wenig ihr peripheres Sehen. Hinzu kommen bei jüngeren Kinder Defizite in der Motorik und Unachtsamkeit, die sie unvermittelt auf die Straße laufen lässt.

„Wir dürfen es nicht einfach so hinnehmen, dass die Zahl der verunglückten Kinder in Brandenburg das zweite Jahr in Folge angestiegen ist“, sagt Dirk Benndorf, Leiter der Dekra-Niederlassung in Potsdam. Er fordert auch gesetzliche Maßnahmen wie eine Helmpflicht für fahrradfahrende Kinder. Außerdem müssten Mobilitäts- und Verkehrserziehung möglichst schon im frühen Kindesalter beginnen.

Verhängnisvolle Elterntaxis

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang von beiden Dekra-Leitern der Trend zu sogenannten Elterntaxis. Laut Dekra fahren 23 Prozent der Eltern in Deutschland ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – meist weil diese auf dem Weg zur Arbeit liegt und weit entfernt ist. Das führe vor den Schulen zu chaotischen Zuständen und nicht selten zu Unfällen. „Wir plädieren dafür, dass die Kinder möglichst laufen oder Fahrrad fahren“, so Benndorf.

Insgesamt waren in Brandenburg im vergangenen Jahr bei 82 281 Verkehrsunfällen 11 660 Menschen verletzt worden. Auf Brandenburgs Straßen hatte es 143  Verkehrstote gegeben. Mit dieser Zahl stand Brandenburg im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl bundesweit an zweiter Stelle. Nur in Sachsen-Anhalt gab es 2018 im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch mehr Verkehrstote. Pro einer Million Einwohner starben dort 63  Menschen, in Brandenburg waren es 57. Allerdings ist die Zahl der Verkehrstoten in Brandenburg stetig gesunken. 2013 waren auf märkischen Straßen noch 170 Menschen umgekommen.

Auch Senioren gefährdet – wegen E-Bikes

Bei Toten und Verletzten sind nicht nur Kinder unter 15 Jahren stark gefährdet, auch Senioren kommen häufiger zu Schaden. Auf Unfälle mit Senioren hatte Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) schon im Mai hingewiesen. Demnach ist die Zahl der Unfälle mit Älteren seit 2012 um 68 Prozent gestiegen. Laut dem Dekra-Report nahm zum Beispiel die Zahl der Unfälle mit E-Bikes von 2017 auf 2018 um 21 Prozent zu. „Senioren können damit viel weitere Strecken zurücklegen“, erläutert Dekra-Leiter Benndorf. Zugleich entspreche ihre Reaktionsfähigkeit nicht der hohen Geschwindigkeit der Pedelecs. „Das ist ein Thema der heutigen Zeit“, sagt Benndorf. Die Politik müsse sich Gedanken machen, wie man dem Trend begegnen könne.

Generell für mehr Sicherheit der Verkehrsteilnehmer sorgen die automatischen Sicherheitssysteme in den Fahrzeugen und eine bessere Infrastruktur, die zum Beispiel den Transport ins Krankenhaus erleichtern. Mit automatischen Bremssystemen ausgestatteten Fahrzeugen gelingt auch noch ein Halten, wo Menschen scheitern. Die Dekra plädiert daher für eine gesetzliche Pflicht, solche Systeme einzubauen.

Gesetzliche Einschränkungen helfen

Enormen Einfluss auf den Schutz der Kinder hatten besonders in der Vergangenheit gesetzliche Vorschriften. So ließ auch die Einführung eines Tempolimits auf Landstraßen 1972 die Zahl der in Deutschland getöteten Kinder von 2000 auf 1200 im Jahr 1980 sinken. Ebenso sorgten verkehrsberuhigte Bereiche für weniger Unfälle mit Kindern. Versuche auf dem Dekra-Lausitzring bei Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) zeigen, dass bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometer noch rechtzeitig gebremst werden kann, bei allein schon 50 Stundenkilometern prallen die Fahrzeuge dagegen mit voller Wucht und Geschwindigkeit auf Hindernisse auf. Entsprechend fordert der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Michael Jungclaus, mit Blick auf die immer noch hohen Unfallzahlen die Ausweitung von Tempo-30-Zonen.

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