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Brandenburg Auf der Spur der Blümchendecke
Brandenburg Auf der Spur der Blümchendecke
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13:52 08.10.2013
Foto: dpa
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Potsdam

In Konferenzraum 310 des Polizeipräsidiums in Potsdam stapeln sich 23 Kartons. 58.500 Blatt Papier in 251 Bänden sind dort aufgetürmt. Der beeindruckende Berg an Ermittlungsakten soll wohl zeigen, wie akribisch die „Soko Imker“ gearbeitet, deutlich machen, warum es so lange gedauert hat, bis die Polizei den mutmaßlichen Täter in zwei der spektakulärsten Kriminalfälle Berlin-Brandenburgs schnappen konnte.

Dienstagabend, 17.30 Uhr am Forum Köpenick. Kunden schleppen Plastiktüten aus dem Berliner Einkaufszentrum. Dann: Zugriff! Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) überwältigten Mario K. Der 46-jährige, durchtrainierte Mann leistet keinen Widerstand.

Die Tatorte des Entführers von Storkow

Vorangegangen war monatelange Ermittlungsarbeit. Insgesamt 1040 Spuren hatten die Beamten nach der Entführung des Geschäftsmannes Stefan T. in Storkow (Oder-Spree) gesichert. 529 Hinweisen waren die Polizisten nachgegangen, hatten ausgesiebt „wo nur einer seinen Nachbarn anschwärzen wollte“, wie Soko-Chef Siegbert Klapsch erklärt. Zeitweise 200 Polizisten waren im Einsatz, durchkämmten das Waldgebiet bei Wendisch Rietz, wohin T. geflüchtet war. Doch dann wurde es ruhig am Storkower See. Lange schien es, als würde die 60-köpfige Soko „Imker“ im Dunkeln tappen, keine heiße Spur verfolgen. „Genau so sollte es aussehen“, sagt Polizeipräsident Arne Feuring – um den Täter in Sicherheit zu wiegen.

Auf die Spur des mutmaßlichen Maskenmannes waren die Spezialisten schon kurz nach der Entführung gekommen. Insgesamt 40 Personen waren ins Visier geraten – darunter der inzwischen verhaftete Mario K. Auch moderne Technik hatte dazu beigetragen, dass sich das Netz um den Berliner immer enger zog. Kriminaltechniker hatten DNA an einer bunten Decke gesichert, die im Versteck des Entführers gefunden wurde. Die DNA führte die Ermittler zum Vorbesitzer der Decke. Diese habe mit dem Fall nichts zu tun, betont die Polizei, doch nun sei klar gewesen, woher die Decke stammt: Von einem Industriegebiet unweit K.s früherem Wohnort. Ein weiteres Teil im Puzzlespiel.

Ein halbes Jahr lang heften sich die Observierer schließlich an die Fersen des Verdächtigen. Er arbeite seit über 20 Jahren beim mobilen Einsatzkommando, sagt dessen Leiter Klemens Passler. „Einen Einsatz wie diesen, mit so viel personellem, materiellen und zeitlichem Aufwand habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Bis zu 130 Kilometer am Tag sei der sportliche Mann geradelt. „Man kann sich vorstellen, dass man da nicht mit dem Auto hinterherfahren kann“, sagt Passler. Noch schwieriger wird es, als K. seinen Wohnsitz aufgibt und wohl aus Angst vor Entdeckung in Wäldern in der Hauptsadtregion haust. Dennoch gelingt es den Ermittlern, seine Spur nie zu verlieren. Dass es trotzdem so lange gedauert habe, den Verdächtigen dingfest zu machen, erklärt Soko-Leiter Klapsch so: Die Indizien hätten zuvor nicht ausgereicht.
„Es ist nur ein Etappensieg“, sagt er auch jetzt. Es seinen weiter gründliche Ermittlungen nötig. So auch gestern: Polizisten mit Hunden durchsuchten ein Waldstück im Norden Berlins. Dort soll K. ein Lager gehabt haben.

Von Marion Kaufmann

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