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Brandenburg Auf diesen Seen dürfen kleine Elektroboote fahren
Brandenburg Auf diesen Seen dürfen kleine Elektroboote fahren
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00:17 27.12.2018
Auf dem Wasser hatten die Angler ihren Spaß. Quelle: Foto: Gina Wiesner
Potsdam

Das Land Brandenburg gibt den märkischen Anglern größere Freiheiten. Seit Ende Dezember dürfen sie bisher „nicht schiffbare“ Seen des Landes mit motorisierten Booten befahren.

Erlaubt sind aber nach der neuen Brandenburgischen Elektro-Motorbootverordnung Elektromotoren mit einer Leistung von bis zu einem Kilowatt pro Stunde, also nur relativ kleine Geräte. Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagt, dass dank der Verordnung nun auch Menschen, „die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, die großartige Seenlandschaft Brandenburgs „unbeschwerter genießen“ könnten.

Von den rund 3000 Seen des Landes waren bisher nur insgesamt rund 80 sogenannte „schiffbare Gewässer“. Nur auf ihnen konnte man bisher ohne Bedenken auch mit Motorbooten fahren. Auf der weit überwiegenden Zahl der märkischen Seen durfte man sich höchstens mit Ruderbooten bewegen, es sei dann man hatte eine Einzelgenehmigung von der Wasserbehörde.

Jetzt sind im Prinzip fast alle Seen zumindest für kleine Elektroboote offen. Diese neue Verordnung gibt es laut dem Abteilungsleiter Wasser- und Bodenschutz im Umweltministerium, Kurt Augustin, in dieser Form nur in Brandenburg.

Brandenburgs Seen sind zum Teil sehr groß

Die neue Verordnung sei vor allem für Angler gedacht, damit diese leichter auf Seen hinausfahren könnten. Bei ihrer Formulierung sei es wichtig gewesen, dass die natürlichen Bedingungen der Seen nicht gestört würden. „Wir wollen auf keinen Fall, dass große Schiffe durchfahren“, so Augustin. Zuständig für die Kontrolle sei die Wasserschutzpolizei.

Der Vizepräsident des Landesanglerverbandes Brandenburg, Klaus Piesker, sagt, der in Brandenburg und Berlin 76000 Mitglieder zählende Verband bemühe sich schon lange um eine Erlaubnis. „Viele unserer Mitglieder sind schon älter“, sagt er. Für diese Angler sei es außerordentlich schwierig, mit dem Ruderboot oder mit Staken in die tieferen Bereiche von Seen zu gelangen. Manche Seen in Brandenburg seien sehr groß. Da sei ein E-Motor eine Erleichterung.

Große Zander meiden seichte Gewässer

Ob man vom Ufer aus oder in der Mitte eines Sees angeln wolle, hänge auch von der gewünschten Fischart ab. Einen großen Hecht oder einen Zander zum Beispiel fange man eher in der Mitte eines Sees als in Ufernähe. Darüber hinaus seien viele Uferbereiche bereits zugebaut, so dass die Angler gezwungen seien, Boote zu nehmen. Dass die Verordnung missbraucht werde und Leute mit Benzinmotoren über den See fahren, glaubt Piesker nicht. „Wenn wir so etwas mitbekämen, würden wir sofort dagegen angehen“, sagt Piesker.

Sascha Maier, Mitglied des Arbeitskreises Wasser beim Umweltverband BUND Brandenburg ist trotzdem nicht ganz glücklich über die neuen Freiheiten der Angler. Ein kleiner Elektrobootsmotor mit einer Leistung von einem Kilowatt pro Stunde sei zwar an sich „nicht so dramatisch“, aber allein die neue Möglichkeit erhöhe sicher den Druck auf die Gewässerlandschaft Brandenburgs.

BUND fürchtet Unruhe im Tierreich

„Ich gehe davon aus, dass bisher recht ruhige Gewässer es künftig nicht mehr sein werden, weil sie jetzt leichter erreichbar sind“, sagt Maier. Das könne Vögel beeinträchtigen, die im Uferbereich lebten und Ruhe für Nist- und Brutzeiten bräuchten. Diese Phasen könnten sich „bis in den Sommer erstrecken“, so Maier. Natürlich würden durch die neuen Angelmöglichkeiten die Ruhezonen für die Fische selbst eingeengt. Seine Bedenken würden sicher von anderen Naturschutzberbänden des Landes geteilt, sagte Maier.

Das Umweltministerium dagegen verspricht sich von der neuen Regelung, dass die Angler jetzt ihrer „Hegepflicht“ leichter nachkommen können. Außerdem werde das seenreiche Brandenburg durch die neue Fahrerlaubnis auch für andere Freizeitsportler und Erholungssuchende viel attraktiver – davon könnte der Tourismus profitieren.

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Der Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) organisiert in Brandenburg und Berlin rund 76 000 Mitglieder in 1400 Vereinen. Er nimmt auf rund 13 % der Wasserfläche Brandenburgs die Hegepflicht wahr. Das entspricht etwa 14.500 Hektar Gewässer, in denen nach Angaben des LAVB 20 Hauptfischarten zu finden sind.

Elektromotoren für Boote gibt es inzwischen in allen Größen und Preislagen. Das reicht von 250 Euro für kleinere Boote bis zu 10000 Euro als Gelegenheitsantrieb für Segelboote. Die jetzt erlaubten Elektromotoren sind sehr kleine Motoren, die zumeist speziell für den Angelbedarf entwickelt wurden.

Von Rüdiger Braun

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