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Brandenburg Augenärztin: „Vor allem Kinder werden durch Knaller verletzt“
Brandenburg Augenärztin: „Vor allem Kinder werden durch Knaller verletzt“
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00:19 30.12.2018
Knaller gehören für viele an Silvester einfach dazu - wer zu unvorsichtig ist, kann sich aber verletzen. Um das Risiko gering zu halten, sollten Verbraucher nur geprüftes Feuerwerk kaufen. Quelle: dpa
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Potsdam

Eine Umfrage des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums im Auftrag der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft hat ergeben, dass zum Jahreswechsel 2017 an 49 Kliniken insgesamt 518 Patienten mit Augenverletzung behandelt werden mussten, davon 17 Patienten in Brandenburg. Im Jahr zuvor waren es 350 Patienten an deutschlandweit 41 Kliniken. Über die Ergebnisse spricht Ameli Gabel-Pfisterer, Fachärztin für Augenheilkunde und Mit-Initiatorin der Umfrage, im MAZ-Interview.

Frau Gabel-Pfisterer, Sie mahnen vor Silvester zu besonderer Vorsicht beim Umgang mit Feuerwerkskörpern an. Zu welchen schweren Verletzungen kann es dabei kommen?

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Ameli Gabel-Pfisterer: Wenn Feuerwerkskörper unkontrolliert explodieren, kann es zu allen möglichen Augenverletzungen kommen, angefangen bei oberflächlichen Haut- oder Bindehautverletzungen über Fremdkörpern im Auge bis hin zum geplatzten Auge.

In Ihrer Umfrage dokumentieren Sie das Ausmaß von Augenverletzungen durch Feuerwerks- und Knallkörper in der Silvesternacht 2017. Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?

Besonders dramatisch ist, dass von den 518 betroffenen Patienten, über die uns die Kliniken anonymisiert berichtet haben, rund 40 Prozent Kinder und Jugendliche sind. 60 Prozent aller Verletzten waren 25 Jahre oder jünger. Auch das hohe Risiko, von Passanten oder Zuschauern bereitet uns Sorgen. Rund die Hälfte aller Verletzungen betrafen solche Unbeteiligten. Außerdem wurde berichtet, dass Patienten mutwillig mit Böllern oder Feuerwerkskörpern beworfen wurden. Ein Ziel unserer Studie ist es, den Leuten das Gefahrenpotenzial bewusst zu machen.

Sie arbeiten seit fast 20 Jahren in der Augenheilkunde. Was haben Sie in den Silvesternächten in der Klinik erlebt?

Ich habe Patienten mit schwersten Augenverletzungen, etwa zerfetzten Augen operiert. Hinzu kommen zudem oft Wunden an den Händen, Ohren und im Gesicht. Dramatisch ist vor allem, wenn junge Leute betroffen sind, die dann lebenslang unter den Spätfolgen, wie Sehverschlechterung oder Erblindung leiden. Doch die Augenverletzungen sind nur die Spitze des Eisbergs und betreffen etwa 15 Prozent aller Verletzungen. Im vergangenen Jahr sind zwei Menschen in Brandenburg durch Feuerwerksverletzungen ums Leben gekommen.

Das sind gute Argumente für ein Verbot. Wie stehen Sie dazu?

Weil viele nicht auf Raketen und Knallerei verzichten wollen, befürworten wir öffentliche Feuerwerke aus der Hand von Profis. Ich finde, dass Kinder und Unbeteiligte besser geschützt werden müssen.

Zollbeamte in Brandenburg beklagen einen Trend zu immer stärker werdenden Sprengsätzen. Macht sich auch das zu Silvester in der Notaufnahme bemerkbar?

In Brandenburg und Berlin war das letzte Silvesterfeuerwerk besonders heftig und hatte für 95 Patienten eine Augenverletzung zur Folge, sieben Patienten mussten mit schwersten offenen Augenverletzungen operiert werden und haben eine eingeschränkte Prognose für das Sehen. In unserer Umfrage haben wir auch abgefragt, welche Feuerwerkskörper zu den Verletzungen am Auge führten. Dabei kam heraus, dass Kinder vor allem durch Knallkörper verletzt wurden. Sehr häufig treten dann begleitende Handverletzungen mit auf.

Von Diana Bade

26.12.2018
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