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Brandenburg Brandenburg: Der einäugige Windkraftkönig
Brandenburg Brandenburg: Der einäugige Windkraftkönig
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16:36 12.01.2020
08.01.2020, Sachsen, Leipzig: Vögel fliegen im Morgenlicht an drei Windrädern vorbei. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/ZB
Potsdam

Die Befürchtungen der Windkraftbranche bestätigen sich: 2019 ist der Ausbau der Windenergie in Deutschland eingebrochen. Wie aus vorläufigen Zahlen des Windenergieverbands und der Fachagentur Windenergie an Land hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr in ganz Deutschland nur 276 neue Anlagen errichtet (2018: 743 neue Anlagen). Sie hatten eine Gesamtleistung von rund 940 Megawatt. Damit sind die Ausbauziele für 2019 klar verfehlt.

Im Vergleich zum Vorjahr ist dies bei der Leistung ein Rückgang von mehr als 60 Prozent, im Vergleich zum Durchschnitt des Zubaus der vergangenen fünf Jahre ein Minus von 77 Prozent.

Jedes fünfte Windrad in Brandenburg

In Brandenburg wurden demzufolge 57 neue Windkraftanlagen gebaut, die eine Gesamtleistung von 194 Megawatt haben. Damit liegt Brandenburg beim Ausbau an der Spitze knapp vor Niedersachsen mit 54 Anlagen.

Etwa jedes fünfte neue Windrad wurde auf märkischem Boden errichtet. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Ausbau aber deutlich ins Stocken geraten. 2018 waren 92 neue Anlagen gebaut worden. 2017 waren es sogar mehr als 170. Das war jedoch auch ein starkes Jahr für die hiesige Windkraftbranche.

„Dieser Spitzenplatz ist für uns kein Grund zum Jubeln“, sagte Jan-Hinrich Glahr, Vorsitzender des Landesverbands. „Wenn man so will, sind wir der Einäugige unter den Blinden. Um es klar zu sagen: 2019 war ein fatales Jahr.“ Die Klimaschutzziele seien unter diesen Umständen kaum zu erreichen. In Bayern gingen sogar nur sechs neue Anlagen ans Netz.

Genehmigungszahlen ebenfalls mau

Auch die nahe Zukunft sieht für seine Branche nicht besser aus, wie sich an den 2019 erteilten Genehmigungen ablesen lasse. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr rund 490 Anlagen genehmigt. Darunter sind gut 120 Anlagen in Brandenburg. Auch hier liegt Brandenburg also in der Spitzengruppe.

Hauptgründe für den Einbruch, der sich vor Monaten schon abgezeichnet hatte, sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen. Vor Ort haben sich viele Bürgerinitiativen gegen den Bau von Windrädern gebildet. „Es gibt heute eine ganze Reihe von Projekten, die beklagt werden“, sagt Glahr. Auch die zum Teil von Gerichten als unwirksam erklärten Regionalpläne in Brandenburg erschweren den Bau.

Spanne zwischen Genehmigung und Bau wächst

Selbst wenn die Genehmigung für eine neue Windkraftanlage erteilt ist, dauert es zum Teil noch Jahre, bis sie tatsächlich realisiert wird. Im Vergleich zu früher habe sich die Spanne zwischen Genehmigung und Inbetriebnahme nahezu verdoppelt, sagte Glahr. 20 Monate dauere das im Schnitt inzwischen. Das liege auch an dem komplizierten Verfahren. Denn nach der Genehmigung müssen sich die Betreiber von Windkraftanlagen an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur beteiligen. Erst wenn sie dort den Zuschlag erhalten, könnten sie die Finanzierung mit einer Bank klären, so Glahr.

Der Landesvorsitzende des Windenergieverbandes forderte die Bundesregierung dazu auf, stärker für jene Menschen zu sprechen, „die die Energiewende wollten und nicht nur für jene, die sie zu verhindern versuchen“. „Die Energiewende ist Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Willens“, sagte Glahr. Außerdem müsse es den Kommunen ermöglicht werden, selbst Windkraftanlagen zu bauen und zu betreiben, um an der Wertschöpfung teilzuhaben.

Tragende Säule der Energiewende

Strom aus Windkraft ist neben Solarstrom eine tragende Säule der erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil von Ökostrom in Deutschland am Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent zu steigern. 2019 waren es nach Zahlen des Energieverbandes BDEW 43 Prozent. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz, bis spätestens 2038 soll mit dem Strom aus Kohle Schluss sein.

In der schwarz-roten Koalition gibt es seit Wochen Streit über den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung für Windparks erhöht werden kann. Eine eingerichtete Arbeitsgruppe soll Vorschläge zur Akzeptanzerhöhung machen. Sie hat bislang aber noch keine greifbaren Ergebnisse erzielt. Im März werden von ihr Vorschläge erwartet.

Umstrittener Mindestabstand

Im ursprünglichen Entwurf des Kohleausstiegsgesetz enthalten war eine Regelung für einen Mindestabstand von 1000 Metern von Windrädern zur Wohnbebauung – umstritten ist in der Koalition vor allem, dass der Mindestabstand schon bei mehr als fünf Häusern greifen soll. Auch in Brandenburg hat sich die rot-schwarz-grüne Landesregierung auf einen solchen Mindestabstand geeinigt. Das Projekt liegt aber vorerst auf Eis, weil man abwarten will, wie die Bundesregelung ausfällt.

Von Torsten Gellner und Andreas Hoenig

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