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Brandenburg Ausbildung ohne Studium hat seine Vorzüge
Brandenburg Ausbildung ohne Studium hat seine Vorzüge
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15:35 05.06.2019
Im Handwerk ist der Aufstieg bis zum Meister möglich. Quelle: dpa
Potsdam

Der Drang zu studieren ist bei Schulabgängern ungebrochen. Aufstiegschancen und das Erklimmen höherer Gehaltsstufen werden nach wie vor mit Hochschulbildung in Verbindung gebracht, während die Unternehmen weiter über fehlenden Fachkräftenachwuchs klagen. Wir sprachen mit Wolfgang Spieß, dem Geschäftsführer Bildung der Industrie- und Handelskammer Potsdam und Vorstand des Netzwerks Zukunft, Schule und Wirtschaft für Brandenburg zur Berufs- und Studienorientierung über den möglichen beruflichen Aufstieg auch ohne Studium.

Was spricht eigentlich gegen ein Studium als Einstieg in das Berufsleben?

Wolfgang Spieß: Studierende erhalten anders als Auszubildende keine Vergütung, erlangen keine berufliche Praxis und Fortbildung und verpassen die Chance, schon von Beginn an im Kontakt mit einem Unternehmen zu sein. Zudem gibt es eine steigende Zahl von Studienabbrechern, die bundesweit schon bei mehr als einem Viertel liegt.

Wird das Studium nach wie vor gesellschaftlich zu hoch eingeschätzt?

Immerhin wählt noch mehr als ein Drittel der Abiturienten eine berufliche Ausbildung. Beim Image der verschiedenen Berufseinstiegswege gibt es verschiedene Faktoren zu bedenken. Da spielen Schulen eine entscheidende Rolle. 80 Prozent der Berufsentscheidungen finden andererseits im familiären Umfeld statt. Die Darstellung in den Medien ist von Bedeutung. Unter Jugendlichen gelten Werktätigkeiten insgesamt als nicht so schick. Aber laut Studien sind beruflich gebildete Fachkräfte seltener von befristeten Arbeitsverhältnissen betroffen als Studienabsolventen. Absolventen von Fortbildungsmaßnahmen sind seltener arbeitslos als Hochschulabgänger. Aufstiegsqualifizierungen führen in drei Viertel aller Fälle auch wirklich zu beruflichen Aufstiegen.

Werden in den Schulen die verschiedenen Varianten eines Berufseinstiegs richtig dargestellt?

Die Rahmenbedingungen dafür wurden in jedem Fall geschaffen. Wir haben eine Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung, die eine entsprechende Darstellung an den Schulen und einen frühzeitigen umfassenden Überblick für die Schüler erleichtert. Es gibt entsprechende Wettbewerbe für die Schulen, die sich schon allein für ihre eigene Imagepflege hier engagieren. Zudem sind viele Bildungseinrichtungen mit Unternehmen Kooperationen etwa zu Praktika für Schüler eingegangen, um das Wissen über einzelne Berufsbilder zu fördern.

Die duale Ausbildung in Deutschland ist international geachtet. Wird ihr Wert im eigenen Land verkannt?

In der Tat haben wir immer zahlreiche Anfragen von Partnerorganisationen aus dem Ausland, um diese Ausbildungsorganisation besser vor Ort in der Praxis kennenlernen zu können. Viele Länder wollen vergleichbare Abschlüsse übernehmen. Hier wird dagegen gelegentlich gemäkelt. Aber trotz Kritik können wir eine exzellente Fachkräfteausbildung gewährleisten.

Hat der grassierende Fachkräftemangel für den beruflichen Start bereits neue Wege eröffnet?

Jugendliche haben inzwischen viel größere Chancen. Um sie wird geworben und sie können auswählen. Manchmal wird ihnen fast ein roter Teppich ausgelegt.

Ist die berufliche Karriereleiter ohne ein Studium nicht dennoch schnell am Ende?

Wir haben eine Gleichrangigkeit von Bachelor- und Masterabschlüssen bereits in den Zugangsvoraussetzungen für gewisse Positionen mit dem Bachelor und Master Professionell für Fachwirte und Meister. Im beruflichen Alltag kann ich nach meinen Erfahrungen nicht bestätigen, dass ohne einen Hochschulabschluss keine Karriere möglich wäre.

Wie sieht es mit den Gehaltsstufen aus?

Da kann die berufliche Bildung durchaus mithalten. Laut unseren Umfragen etwa geben rund drei Viertel der Teilnehmer an, dass sich Weiterqualifikationen lohnen, sich also positiv auf den Job und die Bezahlung ausgewirkt haben.

Viele Schulabgänger haben noch den Wunsch, irgendwann einen eigenen Betrieb zu haben. Reicht da die Meisterqualifikation?

Die ist geradezu dafür geschaffen, ein Unternehmen zu führen. Aber wir müssen heutzutage auch weiterdenken. Wir haben zunehmend Probleme mit der Unternehmensnachfolge, also Nachfolger für Betriebsleiter zu finden, die in den Ruhestand gehen. Auch hierfür sind Meister und Fachwirte bestens geeignet, weil sie in aller Regel auch noch Berufserfahrung mitbringen.

Was sollten Auszubildende außer Interesse für den gewählten Beruf mitbringen, um nach ihren eigenen Vorstellungen Karriere zu machen?

Man sollte Interesse haben, selbst etwas in die Hand zu nehmen, teamfähig sein und mit Menschen umgehen können, Verantwortung übernehmen wollen und auch über Selbstdisziplin verfügen. Darüber hinaus sollte der Berufsanfänger sich über die Wertigkeit angestrebter Abschlüsse und die angebotenen Unterstützungsmöglichkeiten für Qualifikationen gut informieren.

Erfolg mit Weiterbildung

Aufstiegschancen und eine höhere Gehaltsstufe in klassischen Ausbildungsberufen basieren weitgehend auf der Bereitschaft zur Weiterbildung. Die Industrie- und Handelskammern, die jährlich 60 000 Prüfungen in Deutschland in der höheren Berufsbildung abnehmen, haben im Rahmen einer Studie zwischen 2012 und 2017 17 000 Absolventen zu ihren Motiven befragt.

Demnach zielten rund 60 Prozent der Weiterbildungsmaßnahmen auf Qualifizierungen mit dem Ziel einer Meister- oder einer gleichrangigen Fachwirt-Prüfung ab. Etwa 62 Prozent der Absolventen kamen aus Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten meist aus der Industrie.

Bei zwei Dritteln der Befragten fußte die Weiterbildung vor allem auf dem Willen, beruflich weiter aufzusteigen. 46 Prozent wollten so ein höheres Einkommen erzielen. 27 Prozent gaben an, den persönlichen Horizont erweitern zu wollen.

Knapp zwei Drittel berichteten von positiven Effekten der Weiterbildung auf ihre berufliche Entwicklung. 85 Prozent sahen sich persönlich weitergebracht.

Von Gerald Dietz

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