Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Auslandsstudenten geben Workshops zu ihrer Heimat
Brandenburg Auslandsstudenten geben Workshops zu ihrer Heimat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:06 13.11.2018
Mariam Chakhvadze (30) studiert an der Universität Potsdam. Sie kommt aus Georgien und bietet im Rahmen des Projektes „Grenzenlos“ an beruflichen Schulen Workshops zum Thema „Nachhaltige Wirtschaft am Beispiel Georgiens“ an. Quelle: Rüdiger Braun
Potsdam

Die Studentin Mariam Chakhvadze freut sich riesig. Zusammen mit neun weiteren Kommilitonen aus Afrika, Asien und Lateinamerika hat sie am Sonnabend in der Jugendherberge Potsdam ihre Prüfung bestanden. Vor Vertretern des brandenburgischen Ministeriums für Justiz und Europaangelegenheiten sowie vor Lehrern hatten die zehn in Berlin und Brandenburg studierenden Kandidaten gezeigt, wie gut sie sich bei wirtschaftspolitischen und ökologischen Themen ihrer Heimat auskennen und außerdem ihre Fähigkeit zur Lehre demonstriert. Das mehrsprachige Zertifikat, das sie als „Facilitator for Global and Intercultural Education“, also als Fachkraft für globale und interkulturelle Bildung ausweist, hielten sie am frühen Nachmittag in der Hand. Sie können jetzt als zertifizierte Lehrkraft ihr Wissen in den Unterricht brandenburgischer Berufsschulen tragen.

Wissen über Globalisierung aus erster Hand

„Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ heißt das auch vom Land Brandenburg geförderte Projekt des Vereins World University Service (WUS). 2016 startete der sich für das Menschenrecht auf Bildung einsetzende Verein seine neue Initiative. „Das Projekt hat das Ziel, jungen Auszubildenden in Deutschland mit möglichst einfachen Mitteln die Themen Nachhaltigkeit und Globalisierung näher zu bringen“, sagt Leiterin Julia Boger. Das Besondere: In diesen Workshops wird den Azubis das Wissen über fremde Länder aus erster Hand geliefert. „Grenzenlos“ bildet Auslandsstudenten zu Referenten aus, die dann über Gegebenheiten in ihrer Heimat berichten. Knapp 50 Referenten in ganz Deutschland hat die Initiative schon. Mit den erfolgreichen Prüflingen aus Potsdam sind es jetzt 60.

Eine von ihnen ist Mariam Chakhvadze. Die 30-Jährige kommt aus Georgien und belegt seit 2016 an der Universität Potsdam den Master-Studiengang „Nationale und internationale Verwaltung und Politik“. Chakhvadze bekommt als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung immer mal wieder Tipps per Mail und erfuhr so 2017 von „Grenzenlos“. „Ich habe mich entschieden, mich dafür zu bewerben, weil ich die Beschreibung sehr interessant fand.“

Wein als Beispiel für nachhaltige Wirtschaft

Chakhvadze hat sich auf das Thema „Nachhaltige Wirtschaft am Beispiel Georgiens“ und dabei besonders auf den georgischen Weinexport spezialisiert. In der Prüfung am Sonnabend hat sie den Zusammenhang zwischen georgischem Weinexport und Nachhaltigkeit dargestellt. Unter anderem weil es seit 2014 ein Assoziierungsabkommen zwischen Georgien und der EU gibt, ist das Land auch an neue Technologien gekommen und konnte sich so Märkte im Westen erschließen. Das wirkt sich durchaus nachhaltig auf die heimische Wirtschaft aus.

Aufgeregt war die junge Frau schon ein bisschen. „Aber es war nicht so dramatisch.“ Schließlich stellte sie den Prüfern nur vor, was für sie inzwischen schon Alltag ist. „Ich hatte seit 2017 schon fünf Einsätze an Schulen und etwa alle zwei Monate Schulung bei Mentoren“, sagt sie. Besonders das Methodentraining habe ihr viel gebracht. Und an den Oberstufenzentren in Potsdam und in Oranienburg (Oberhavel) machte sie bisher nur die besten Erfahrungen. „Es macht mir schon Spaß, über Georgien, Wein und Europa zu reden.“

Obwohl die meisten der 16- bis 21-jährigen Berufsschüler kaum etwas über das östlich der Türkei zwischen Kaspischem und schwarzem Meer gelegenen Land wissen, hatte die fließend Deutsch sprechende Chakhvadze bislang keine Schwierigkeit, die jungen Leute für Ihre Heimat zu begeistern. „Am Anfang waren sie schon skeptisch“, sagt Chakhvadze. „Sie haben sich gefragt: Wo ist das überhaupt, Georgien, und wieso sollen wir etwas über die Weinwirtschaft dort erfahren?“

Fasziniert von der alten Kultur

Wenn Sie dann aber von Chakhvadze hören, dass Archäologen in ihrem Land Belege für Weinanbau seit 8000 Jahren gefunden haben, dass die Georgier ihre Weine in in der Erde eingelassenen Tongefäßen namens Quevri keltern und ihn in ganz besonderen Trinkritualen zu sich nehmen –und dies alles inzwischen auch noch Unesco-Weltkulturerbe ist, spitzen sie ganz schnell die Ohren.

Bei einem Workshop hatten die Schüler zum Beispiel gleich gefragt, wie man denn den georgischen Wein bekommen könne. „Sie haben dann selbst bei Google nachgesehen und auch gleich etwas gefunden. Das war eine schöne Geschichte“, so Chakhvadze. Die junge Frau findet das Programm nicht nur eine gute Möglichkeit mit Schülern und gleichgesinnten Kommilitonen in Kontakt zu treten, sie hat auch die einmalige Chance für ihr Land zu werben.

„Die Politiker Georgiens haben 2006 angefangen, intensive Schritte in Richtung Europa zu gehen“, sagt Mariam Chakhvadze. Europas Fahnen wehen inzwischen auch vor vielen öffentlichen Gebäuden. „Ich finde es toll, dass ich durch dieses Programm etwas Werbung für unser Land machen und einen kleinen Beitrag für unsere Zukunft leisten kann“, sagt Chakhvadze.

Die Schulen loben das Programm

Zwei ebenfalls an der Universität Potsdam studierenden Kollegen der Initiative Grenzenlos geht es da nicht viel anders. Der Doktorand Johan Chandra kann anhand seines Themas „Abzocke mit Palmöl“ über die Umwelt- und Wirtschaftsproblematik seiner Heimat Indonesien informieren, die Studentin Adriana Yee Meyberg demonstriert am Beispiel von Kohleabbau, wie die Umwelt in ihrer Heimat Kolumbien belastet wird und welche Fortschritte sie sich von einer Energiewende verspricht.

An Beschäftigung wird es den zertifizierten Referenten nicht fehlen. Am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg (Havelland) findet der nächste Workshop schon am Dienstag statt. „Es ist eine gute Initiative. Vor allem unsere Schüler finden das Projekt gut“, sagt Leiter Dieter Starke. Die kaufmännisch orientierten Schüler der Berufsschule fänden es viel authentischer, wenn Menschen aus Entwicklungsregionen selbst über wirtschaftliche Verhältnisse vor Ort berichteten. Auch am OSZ II Wirtschaft in Potsdam ist man überzeugt.

Im Oktober 2018 gab die dortige Lehrerin für Deutsch und Englisch, Stefanie Zimmermann, den „Grenzenlos“-Referenten selbst einen Methoden-Workshop. Zimmermanns erste Erfahrungen mit dem anschließenden Einsatz etwa von Mariam Chakhvadze sind sehr gut: „Es ist eine tolle Atmosphäre, wenn über die ausländischen Studierenden die Welt in unsere Klassenzimmer kommt“, sagt sie. Aufmerksamkeit und Interesse seien groß. Andere Sichtweisen, andere Lösungsansätze für globale Probleme und andere Lebensentwürfe erweiterten den Horizont der Berufsschüler. „Natürlich planen wir als Grenzenlos-Schule weiterhin Einsätze der Studierenden an unserer Schule, vielleicht zukünftig auch auf Englisch“, sagt Zimmermann.

info www.wusgermany.de/de/auslaenderstudium/grenzenlos

Von Rüdiger Braun

Ohne Seiteneinsteiger ist der Lehrerbedarf in Brandenburg nicht mehr zu decken. Wie aus neuesten Zahlen des Bildungsministeriums hervorgeht, ist mehr als jeder zehnte Lehrer ein Quereinsteiger. Und sie werden bevorzugt an Grund-, Ober- und Förderschulen geschickt, nicht aber ans Gymnasium.

13.11.2018

Fraktionschefin Ursula Nonnemacher gab ihre erneute Spitzenkandidatur bekannt. Der Platz 2 an ihrer Seite ist aber vakant. Co-Fraktionschef Axel Vogel will nicht wieder zum Spitzen-Duo gehören und kündigte den Rückzug in die zweite Reihe an.

13.11.2018
Brandenburg Für Rückkehrer, Berlin-Pendler und Familien - Kostenlos Wohnen? In Eberswalde ist es möglich

Tausche Großstadt gegen brandenburgisches Kleinstadtidyll. In Eberswalde (Barnim) ist das seit diesem Jahr problemlos möglich. Die Stadt verlost je für eine Woche eine kostenlose Wohnung. Was steckt dahinter?

16.11.2018