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Brandenburg Außerhalb des Speckgürtels stehen tausende Wohnungen leer
Brandenburg Außerhalb des Speckgürtels stehen tausende Wohnungen leer
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16:33 17.07.2019
Leerstehende Gebäude gibt es vor allem fern des Berliner Speckgürtels. Quelle: Stefan Sauer/dpa (Symbolfoto)
Potsdam

In Brandenburg stehen etwa 27.000 Wohnungen leer –1000 mehr als vor einem Jahr. Diese Zahl nannte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch in Potsdam. Die BBU-Mitgliedsunternehmen vermieten in Brandenburg etwa 400.000 Wohnungen, das ist die Hälfte des landesweiten Bestands.

Leerstand um 3 Prozent gilt als normal

Die Leerstandsquote bei den BBU-Unternehmen betrug im vergangenen Jahr 7,9 Prozent. Laut Vorstand Maren Kern hat diese Durchschnittszahl für ganz Brandenburg aber keine große Aussagekraft. Bemerkenswert sei vielmehr, dass der Leerstand im Berliner Umland nur 2,4 Prozent beträgt und im erweiterten Metropolenraum mehr als viermal so hoch ist (10,4 Prozent).

Nach Angaben des BBU bedeutet ein Leerstand von drei Prozent eine „normale Fluktuationsreserve“ und kennzeichnet einen ausgeglichenen Mietmarkt. Alles, was langfristig über sechs bis acht Prozent Leerstand hinausgehe, führe zu einer „wirtschaftlichen Auszehrung“ der Unternehmen, sagte Kern.

Besonders dramatisch ist der Leerstand mit 18 beziehungsweise 18,3 Prozent in den Landkreisen Prignitz und Spree-Neiße, am geringsten in Potsdam-Mittelmark (2,1 Prozent) und Dahme-Spreewald (2,5). Beim Blick auf einzelne Städte ist die Spreizung noch extremer, von fast keinem Leerstand in Bernau und Wildau (jeweils 0,7 Prozent) bis hin zu 28 und 30 Prozent in der Lausitz (Forst und Lauchhammer). „Wir sehen diese Entwicklung mit größter Sorge“, erklärte Kern.

Wohnungen, die niemand haben will

Sie wies darauf hin, dass in Brandenburg noch viel mehr Wohnungen leerstünden, wenn die BBU-Mitgliedsunternehmen seit 2002 nicht schon 62.000 Wohnungen abgerissen hätten – und damit mehr als ein Drittel ihres ursprünglichen Bestands. Die meisten Wohnungen, zusammen mehr als 20.000, sind in Frankfurt (Oder) und Cottbus verschwunden.

Laut Wolfgang Schönfelder, Leiter der BBU-Geschäftsstelle in Potsdam, vollführen die Wohnungsunternehmen in Regionen mit hohem Leerstand einen Spagat: „Sie müssen einerseits Wohnungen vom Markt nehmen, die niemand mehr haben will, parallel aber auch in besserer Qualität neu bauen.“ Beides ist teuer. Von der Politik fördert der BBU eine bessere Landesförderung, wenn abgerissen wird. Derzeit gibt es 70 Euro Zuschuss pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Summe müsse verdoppelt werden, hieß es.

„Gut und günstig“

Mit Blick auf die aktuellen Kontroversen in Berlin sagte Kern, die Diskussionen um Mietendeckel oder Wohnungsnot hätten in Brandenburg „keine sachliche Grundlage. Die meisten Menschen im Land wohnen gut und günstig. Die Herausforderungen liegen woanders: Es geht darum, das Wachstum gleichmäßig zu verteilen.“ Den BBU-Zahlen zufolge zahlten Mieter 2018 in Brandenburg im Schnitt 5,07 Euro pro Quadratmeter – wobei die Preise im Speckgürtel mit 5,58 Euro um einiges höher liegen als in den Berlin-fernen Regionen (4,82 Euro, jeweils Nettokaltmiete).

Damit wohnt es sich im Berliner Umland im Schnitt aber immer noch günstiger als in der Hauptstadt (laut Mietspiegel durchschnittlich 6,72 Euro). Auch in Potsdam lagen die Durchschnittsmieten mit 5,84 Euro/Quadratmeter) niedriger. Eine 60-Quadratmeter-Wohnung kostete in Brandenburg vergangenes Jahr im Schnitt 450 Euro Warmmiete – am teuersten war es in Falkensee (514 Euro), am billigsten in Elsterwerda (390 Euro).

Insgesamt sind die Haushaltseinkommen in Brandenburg seit 2012 laut BBU-Berechnungen stärker gestiegen als die Mieten, nämlich um 4,2 Prozent pro Jahr (Mieten: 1,3 Prozent). Ein Zwei-Personen-Haushalt muss demnach aktuell 17,3 Prozent seines Haushaltseinkommen für die Miete aufbringen, vor fünf Jahren waren es noch gut 20 Prozent.

Im vergangenen Jahr investierten die etwa 200 BBU-Mitgliedsunternehmen in Brandenburg 624 Millionen Euro – jeweils etwa die Hälfte im Berliner Umland und im erweiterten Metropolenraum. In den 1990er-Jahren war das ganz anders: Da machten die Investitionen in den Berlin-fernen Landesteilen noch mehr als drei Viertel der Gesamtsumme aus.

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Von Thorsten Keller

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