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Brandenburg Autonome Busse für die Prignitz
Brandenburg Autonome Busse für die Prignitz
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22:18 26.10.2017
Im bayerischen Bad Birnbach rollen die autonomen Busse schon jetzt.
Im bayerischen Bad Birnbach rollen die autonomen Busse schon jetzt. Quelle: dpa
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Potsdam

Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin werden von 2018 an Kleinbusse für den öffentlichen Nahverkehr durch die Straßen rollen – und der Fahrer ist ein Computer! Die Technische Universität (TU) Berlin, die TU Dresden und die Ostprignitz-Ruppiner Nahverkehrsgesellschaft und die Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg wollen bis zum 30. Juni 2020 testen, ob autonome Kleinbusse im ländlichen Raum eingesetzt werden können. Erprobt werden Fahrzeugtypen, die im Ausland schon genutzt werden. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt das Forschungsprojekt mit zwei Millionen Euro.

Die Busse haben acht bis elf Plätze. Sie fahren zunächst nur höchstens 40 bis 50 Stundenkilometer und werden elektrisch betrieben. Zumindest in der ersten Zeit des Probebetriebes wird eine Art „Liftboy“ an Bord der Fahrzeuge aufpassen. Er kann, wenn das nötig werden sollte, während der Fahrt auch eingreifen oder den Fahrgästen behilflich sein.

Ulrich Steffen, Geschäftsführer der Ostprignitz-Ruppiner Nahverkehrsgesellschaft, sagt, die Verkehrsgesellschaft beweise mit diesem Versuch, „dass es im ländlichen Raum Brandenburgs ausgesprochen innovationsfreudige Akteure gibt“. Nicola Krettek, Referentin für Regionalentwicklung bei der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg, erklärt, dass die konkreten Forschungsfragen sich aus den Gegebenheiten der Region entwickelt hätten.

„Die Bedürfnisse älterer Nutzerinnen und Nutzer, die mitunter auf Unterstützung angewiesen sind, sind gerade auch auf dem Land besonders zu berücksichtigen“, sagt dazu Jens Schade vom Lehrstuhl Verkehrspsychologie an der TU Dresden. In der Testphase wollen die Forscher auch untersuchen, wie die Fahrzeuge und die Bedientechnik gestaltet sein müssen, damit sich alle Menschen eine Fahrt in einem Fahrzeug ohne Fahrer zutrauen. Die Forscher gehen davon aus, dass ein Bus ohne menschlichen Fahrer zunächst einmal auf Skepsis stößt.

Im Probebetrieb werden die schlauen Minibusse als Zubringer zu regulären Bus- und Bahnlinien, aber auch im Verbindungsverkehr zwischen kleinen Orten eingesetzt werden. Sie können auch Zubringer für touristische Attraktionen oder gar „Stadtbus“ in kleineren Orten sein. In der Landesregierung ist man jedenfalls sehr begeistert von dem Projekt. Das Verkehrsministerium begleitet die zwei Testjahre beratend. Mit an Bord sind auch der ADAC Berlin-Brandenburg und der Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen.

Von Rüdiger Braun