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Brandenburg B.A.R.O.C.K – vier Frauen mischen Schloss Caputh auf
Brandenburg B.A.R.O.C.K – vier Frauen mischen Schloss Caputh auf
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01:16 06.05.2019
Insignien der Macht: Margret Eichers barocker Wandteppich „Heroes 1“. Quelle: Foto: Margret Eicher
Caputh

Es war eine Zeit des Umbruchs. Im Zeitalter des Barocks veränderte sich die Welt radikal. Galileis hatte die Erde aus der Mitte des Weltalls geschoben. Mit der Entdeckung Amerikas war ein neuer Kontinent aufgetaucht. Europa wurde zum Zentrum kolonialer Welt Ausbeutung und Unterdrückung des Fremden und Exotischen.

Die barocke Welt des Scheins und der ungehemmten Darstellung politischer Macht sollte von der Aufklärung, dem Triumph der Wissenschaften abgelöst und von den bürgerlichen Revolutionen überrannt werden. Barock also, eine längst vergangene Welt, die sich heute nur noch in Museen und Schlössern betrachten lässt?

Seit Freitag ist im Schloss Caputh alles anders

Brandenburg hat davon Üppiges zu bieten. In Schloss Caputh (Potsdam-Mittelmark) befindet sich ein ganzes Arsenal davon. Rund 300 Werke, überwiegend niederländischer und italienischer Meister jener Zeit, befinden sich in der dortigen Gemäldesammlung. Seit Freitag sind noch ein paar Kunstwerke dazugekommen: 20 Werke zeitgenössischer Künstlerinnen, die sich mit dem barocken Ambiente und zugleich mit der Gegenwart auseinandersetzen.

Zeitgenössisches mitten im Barock. Vier Künstlerinnen haben sich im Schloss Caputh unter die traditionellen Werke gemischt. Ihnen ist eine erstaunliche Aktualiserung gelungen.

„B.A.R.O.C.K – Künstlerische Interventionen im Schloss Caputh“ ist die Schau überschrieben, in der vier Künstlerinnen aus Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Brasilien sich zwischen die Klassiker geschoben haben, um dem Barock eine ungeahnte Aktualität zu verleihen.

Eine Aktualität, die nicht zuletzt darin besteht, dass auch die derzeitige Welt im Begriff ist, sich politisch wie ökonomisch radikal zu verändern. Die Globalisierung hat die Perspektiven auf die Welt verändert. Neben Europa und den USA sind weitere potente Akteure auf den Plan getreten. Zugleich flammen neue Formen von Religionskriegen auf – das 17. Jahrhundert lässt grüßen.

Warum Barock superaktuell ist

„Das sind absolut barocke Themen“, sagt Samuel Wittwer, der Direktor der Abteilung Schlösser und Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, der die Schau gemeinsam mit der Künstlerin Margret Eicher und dem Kurator Marc Gisborne konzipiert hat.

Gisborne ist kein unbekannter in Brandenburg. Regelmäßig zeichnet er verantwortlich für die seit Jahren in märkischen Schlössern stattfindenden Ausstellungen von Rohkunstbau – einem Aushängeschild zeitgenössischer Kunst in Brandenburg. Es waren seine internationalen Kontakte, die die Ausstellung in Caputh möglich machten. Und es war auch Gisborne, der 2013 Eicher in die Rohkunstbauausstellung „Moral“ ins Schloss Roskow (Potsdam-Mittelmark) geholt hatte.

Zwei der nun in Caputh hängenden Arbeiten waren schon damals zu sehen. Wandteppiche aus der Serie „Heroes“ von 2012, die sich der barocken Formsprache bedienen, um die Gegenwart zu illustrieren.

Eichner transportiert dort die Inszenierung von Macht aus dem Barockzeitalter in die Welt der halbpornografischer Videospiele, indem sie Lara Croft zusammen mit nackten Frauen einen unbekleideten Mann umgarnen lässt. Oder, indem sie neben Schlachtenbilder aus dem 17. Jahrhundert einen Wandteppich hängt, auf dem Jagdbomber Schiffe angreifen und Flüchtlinge in Rettungsbooten um ihr Leben paddeln.

Vertauschte Perspektiven

Bestechend aktuell auch die Wachsskulpturen der Britin Rebecca Stevenson, die neben betörend schönen Tierfiguren barocke Porträts von weißen und schwarzen Menschen modelliert – und dabei die Perspektiven vertauscht, indem sie afrikanische Physiognomien weiß und europäische mit schwarzer Haut versieht.

Doppelausstellung in Caputh und Berlin

B.A.R.O.C.K. ist eine Doppelausstellung. Weitere Arbeiten der vier Künstlerinnen sind in der ME Collectors Room in Berlin zu sehen. (Auguststr. 68, Mi-Mo 12-18 Uhr, bis 18.8.)

B.A.R.O.C.K. Künstlerische Interventionen im Schloss Caputh. Mi-Mo, 10-17 Uhr, bis 31. 10.

Die in einer kolonialen Kultur aufgewachsene Brasilianerin Luzia Simons bringt das barocke Blumenmotiv zurück nach Europa. Ihre Laserdrucke in prallen Farben sind zwischen der barocken Blütenpracht im Schloss auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden.

Und Myriam Thyes? Die Schweizerin konterkariert in einem Raum die Porträtreihe der römischen Cäsaren und Kaiser im Vorgemach des Kurfürsten mit einer Galerie der Starken Frauen: Filmstils auf Aluminium mit Sigourney Weaver, Franka Potente, Linda Hamilton, Jennifer Lawrence und neun weiteren Heldinnen aus der Welt des Kinos. Denn auch das Verhältnis der Geschlechter ist im Umbruch.

Von Mathias Richter

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