Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg „Mit den Dübeln gibt es aus technischer Sicht kein Problem“
Brandenburg „Mit den Dübeln gibt es aus technischer Sicht kein Problem“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 13.05.2019
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Quelle: Detlev Scheerbarth
Schönefeld

Die Pannenmeldungen zum Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) reißen nicht ab. Vor wenigen Wochen wurde eine TÜV-Liste mit Tausenden Mängeln bekannt. So wurden Dübel verbaut, für die es keinen Brandschutznachweis gibt. Steht die Eröffnung im Herbst 2020 nun auf der Kippe?

Herr Lütke Daldrup, die ganze Welt schaut auf die BER-Baustelle, die Ansprüche an die Sicherheit sind entsprechend hoch. Jetzt sorgen offenbar handelsübliche Plastikdübel für Aufregung, die an den Kabeltrassen verbaut worden sein sollen. Wie kann so etwas passieren?

Engelbert Lütke Daldrup: Dass es sich bei der Erwähnung von Dübeln im 23. Fortschrittsbericht des TÜV um handelsübliche Plastikdübel handelt, haben Journalisten in die Welt gesetzt. Grundsätzlich wurden Metalldübel verbaut. Es geht im Kern um die Frage, inwieweit für diese Dübel die entsprechenden Verwendbarkeitsnachweise für bestimmte Bauarten vorliegen, je nachdem, ob sie in einer Beton-, einer Poroton- oder Kalksandsteinwand stecken. Und dazu werden derzeit Nachweisverfahren durchgeführt.

Warum nimmt man nicht von vorneherein Dübel, die die Zulassung haben?

Mit den Dübeln selbst gibt es aus technischer Sicht gar kein Problem. Für die im BER konkret von den Errichterfirmen verbauten Befestigungslösungen brauchen wir aber zum Teil noch sogenannte vorhabenbezogene Bauartgenehmigungen. Derartige Zulassungsverfahren sind bei Großprojekten mit einer überdurchschnittlichen Komplexität in der Gebäudetechnik üblich und auch von uns mit dem Landesamt für Bauen und Verkehr in Cottbus schon oft durchgeführt. Insgesamt ist das Dübelthema also eher eine mediale Aufregung, die der Sache nicht gerecht wird.

Der TÜV-Bericht weist allein bei der Verkabelung mehr als 11.000 Mängel auf. Im Herbst soll der Bau beim Bauordnungsamt als fertig gemeldet werden. Wie soll das gehen?

Die Hälfte der Mängel sind bereits abgearbeitet. Wir fokussieren uns aktuell auf die Mängel, die für die Wirkprinzipprüfung entscheidend sind, mit der wir im Sommer beginnen werden.

Bei der Wirkprinzipprüfung wird das Zusammenspiel der technischen Anlagen getestet. Was, wenn das Ergebnis negativ ausfällt?

Davon gehen wir nicht aus, weil wir und der TÜV durch sehr viele Tests die einzelnen Komponenten und deren Schnittstellen zu anderen Anlagen überprüft haben. Insofern erwarten wir da keine großen Überraschungen.

Wie kam es, dass die Flughafengesellschaft schon 2015 erklärt hatte, dass das Kabelproblem gelöst ist?

Das müssen Sie meine Vorgänger fragen. Es gab ja einen Grund, warum ich mir 2017 zunächst ein sehr genaues Bild von der Lage der Baustelle gemacht habe.

Sie haben Ende 2017 den Eröffnungstermin auf Oktober 2020 gelegt. Wie jetzt bekannt wurde, haben Sie damals einen internen Zeitplan vorgestellt, der in weiten Teilen dem heutigen Baustand entspricht. Öffentlich haben Sie aber einen viel ehrgeizigeren Zeitplan vertreten. Warum?

Eine große Baustelle braucht einen straffen Terminplan, um die Leistung aller Beteiligten hoch zu halten. Wenn Sie eine komplizierte Baustelle vernünftig steuern wollen und ihren Auftragnehmern von vorneherein alle Zeitpuffer zugestehen, werden Sie niemals fertig. Als Bauherr ist man aber auch gut beraten, eine vernünftige Risikoabschätzung vorzunehmen. Das haben wir selber getan und uns mehrere externe Expertisen geholt, auch durch den TÜV. All das ist in die Entscheidung für den Eröffnungstermin eingeflossen. Wir haben also ausreichende Reserven eingeplant. Deswegen ist der Terminplan auch verlässlich.

Als kritisches Gewerk gilt aber weiter die Verkabelung. Was wird da gerade gemacht?

Das ist ganz unterschiedlich. Es geht zum einen um viel Büroarbeit, um Dokumentationen. Jedes Kabel muss erfasst, dokumentiert und beschriftet sein. Weiter geht es um Handwerkliches: Es müssen Kabel sortiert und Trennstege zwischen die Stränge gelegt oder noch zusätzliche Halterungen angebracht werden. Es ist eine mühselige, sehr kleinteilige Arbeit. Aber es muss gemacht werden.

Anderes Thema: Die Lufthansa-Technik verlagert die sogenannte Rohrwerkstatt, in der Triebwerke repariert werden, von Schönefeld nach Ungarn. Das weitere Engagement der Lufthansa-Tochter am BER ist offen. Warum bekennt sich das Unternehmen nicht zum BER?

Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Lufthansa die Verlagerung der Werkstatt in ein Niedriglohnland beschlossen hat. Wir haben der Lufthansa exklusiv zwei Flächen mit Erbbaurechtsvertrag über zwei Jahre vorgehalten, aber sie hat diese Chance leider nicht ergriffen. Offenbar hat das Unternehmen strategische Überlegungen, die noch nicht abschließend geklärt sind.

Deutet die Zögerlichkeit darauf hin, dass die Lufthansa generell noch nicht weiß, wie stark sie sich am BER engagieren wird?

Das muss man trennen. Eine solche Rohrwerkstatt beispielsweise kann überall auf der Welt stehen, während die sogenannte Line Maintenance für die tägliche Wartung am Flughafen angesiedelt werden muss. Da wir im Oktober 2020 eröffnen und auch andere Interessenten für die Instandhaltung haben, werden wir die Flächen für Hangars in Bieterverfahren an den Markt bringen. Wir sind in einem wachsenden Markt tätig, und ich habe keine Zweifel daran, dass wir auch im Bereich Instandhaltung und Wartung wachsen werden – entweder mit einem Engagement von Lufthansa oder mit dem Engagement anderer Anbieter.

Ist die Zurückhaltung der Lufthansa eine Retourkutsche für die verschobenen BER-Eröffnungen?

Nein, offenbar hat sich Lufthansa-Technik schon vor längerer Zeit entschieden, die Rohrwerkstatt in ein Land mit niedrigeren Löhnen zu verlagern. Das darf man nicht mit dem Engagement der Airline Lufthansa in der Hauptstadtregion vermengen.

War Herr Scheuer in jüngster Zeit schon auf der BER-Baustelle?

Nein, der Bundesverkehrsminister war seit seinem Antrittsbesuch vor einem Jahr nicht wieder hier. Allerdings hat sein Staatssekretär Michael Güntner um einen Termin gebeten. Ich habe ihn eingeladen, aber für einen Besuch des BER fehlt ihm die Zeit. Wir treffen uns nun im Ministerium.

Was werden Sie ihm sagen können?

Ich werde ihm sagen, was ich den Gesellschaftern, zu denen ja der Bund gehört, schon am 2. April zum Baufortschritt gesagt habe – natürlich in aktualisierter Fassung. Und dass die Eröffnung des BER weiterhin für Oktober 2020 geplant ist.

Der Flughafen soll bis 2040 auf 55 Millionen Passagiere im Jahr ausgebaut werden. Momentan wird über eine CO2-Steuer diskutiert, manche fordern eine Begrenzung der Flüge. Ist das nicht ein ziemlicher Unsicherheitsfaktor für Ihre Wachstumsprognose?

Wachstum ist kein Wert an sich, das sage ich auch als Flughafenchef. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er mit der Bahn fahren kann oder ob er einen Flug für erforderlich hält. Aber: Vieles, was wir an Wohlstand, Einkommen und Jobs haben, verdanken wir der internationalen Vernetzung und der guten Erreichbarkeit. Berlin und Brandenburg profitieren davon im Besonderen. Und dafür ist der BER die zentrale Infrastrukturplattform.

Von Torsten Gellner

Verhängt das Potsdamer Landgericht gegen den Mörder der Kinder Elias (6) und Mohamed (4) zusätzlich zur lebenslangen Haft eine Sicherungsverwahrung? In zwei Wochen soll ein Urteil fallen.

13.05.2019

Im Fall der Frankfurter Affäre um zerstörte Wahlplakate und Ermittlungen gegen die Grünen hat sich die Polizeiführung hinter ihre Beamten gestellt. Es gebe keine „Betriebsgruppe der AfD“ bei der Polizei, sagte Polizeivizepräsident Höppner.

09.05.2019

Die Hoffnungen der Altanschließer ruhen auf dem Bundesgerichtshof. Dort wird geprüft, ob Betroffene den Staat zur Rechenschaft ziehen können. Der Fall ist für die Karlsruher Richter äußerst außergewöhnlich. Die Entscheidung wurde vorerst vertagt.

09.05.2019