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Brandenburg BER-Machtkampf "nicht mehr tolerabel"
Brandenburg BER-Machtkampf "nicht mehr tolerabel"
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22:43 25.09.2013
Die Chemie stimmt nicht: Horst Amann (l.) und Hartmut Mehdorn. Quelle: dpa
Potsdam

Kommt es an diesem Freitag zum Showdown? Entscheidet sich, wer sich im Führungsstreit am Flughafen BER durchsetzt – Technikchef Horst Amann (60) oder Geschäftsführer Hartmut Mehdorn (71)? Seit Wochen tobt zwischen den beiden Alphatieren ein Machtkampf, der den Flughafen-Aufsichtsrat vor massive Probleme stellt. Am Freitag kommt das Gremium zu einer Sondersitzung zusammen. Eigentlich geht es um einen weiteren Millionenzuschuss für das Schönefelder Krisenprojekt. Doch an den lähmenden Querelen um Mehdorn und Amann wird das Gremium kaum herumkommen. Ein entsprechender Antrag, dass die Führungskrise bei der Sondersitzung diskutiert werden soll, liegt beim kommissarischen Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD). Ob er das Thema offiziell auf die Tagesordnung setzen wird, ist noch offen.

Der Aufsichtsrat reagiert zunehmend fassungslos auf den Streit zwischen den beiden BER-Bossen. „Was die beiden abliefern, ist nicht mehr tolerabel“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied gegenüber der MAZ. „Das ist so überflüssig wie ein Kropf.“ Bisheriger Höhepunkt: Amann beschwerte sich in einem Brief an den Aufsichtsrat über Mehdorn, warf ihm darin vor, ihn von allen wichtigen Informationen abzuschneiden und gegenüber dem Aufsichtsrat zu diskreditieren. Darin schreibt Amann, Mehdorn habe intern bereits den Eröffnungstermin Juni 2015 propagiert. Nicht nur Amann hält das angesichts der vielen Probleme für unrealistisch. Mehdorn wolle durch diese Frist offenbar Druck aufbauen, um das Projekt voranzubringen, heißt es in Aufsichtsratskreisen. „Aber die Probleme beim Brandschutz sind nach wie vor nicht gelöst.“

Eine einvernehmliche Bei legung des Konflikts wird immer unwahrscheinlicher. Eine Kündigung Amanns wird in Aufsichtsrats- und Gesellschafterkreisen nicht mehr ausgeschlossen. Offiziell bestätigt werden Ablöseverhandlungen mit Amann indessen nicht. „Das wird teuer, er hat einen laufenden Vertrag. Aber da muss man wahrscheinlich durch“, heißt es. Amanns Vertrag, der rund 1,7 Millionen Euro wert ist, läuft noch bis 2017.

Nach MAZ-Informationen diskutierte das Gremium bei seiner jüngsten Sitzung sogar darüber, im Zweifel beide Geschäftsführer abzulösen. Doch dieser Gedanke wurde rasch verworfen. „Das wäre nach außen nicht darstellbar und würde das Projekt weiter zurückwerfen“, hieß es. „Am Ende wird sich Mehdorn wohl durchsetzen.“

Der Machtkampf zwischen den beiden schwelt schon seit Monaten. Amann war im August 2012 nach Schönefeld (Dahme-Spreewald) als Retter des Kreisprojekts geholt worden und hatte über Monate das Bauchaos durch eine umfangreiche Bestandsaufnahme dokumentiert. Hartmut Mehdorn wurde im März als Geschäftsführer berufen und drängte rasch auf schnelle Entscheidungen. In seinen Augen ist Amann ein Bedenkenträger, der verhindert hat, dass sich auf der Baustelle etwas tut. Amann wiederum wirft Mehdorn vor, das Projekt durch unausgegorene Ideen zu gefährden.

Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte Mehdorn begonnen, die mittlere Führungsebene nach eigenen Vorstellungen umzubauen, Amanns Leute zu entlassen und ein eigenes Team zu installieren. Er holte unter anderem den einstigen Technikleiter Joachim Korkhaus zurück. Ein Affront für Amann, der Korkhaus zuvor gefeuert hatte.

Unlängst stritten die beiden Kontrahenten im Aufsichtsrat um die Teileröffnung des BER. Am Ende setzte sich Mehdorn mit seinem Plan durch, den Nordpier im Frühjahr 2014 mit wenigen Jets in Betrieb zu nehmen. Doch auch dieser Termin wackelt inzwischen.

Morgen soll der Aufsichtsrat weitere rund 20 Millionen Euro für das Projekt freimachen. Damit soll unter anderem das Datennetz am BER aufgerüstet werden. Mehdorn hatte zunächst versucht, die Freigabe des Geldes per Umlaufverfahren zu sichern – also durch schriftliche Zustimmung aller Aufsichtsratsmitglieder. Das scheiterte am Widerstand von Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke).

Von Torsten Gellner

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