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Brandenburg Warum sich das begleitete Fahren mit 16 verzögert
Brandenburg Warum sich das begleitete Fahren mit 16 verzögert
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06:16 17.12.2018
Könnte das begleitete Fahren mit 16 die Unfallzahlen bei Fahranfängern weiter reduzieren? Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Sollen Jugendliche bereits mit 16 Jahren in Begleitung Autofahren? Eine breite Mehrheit im Brandenburger Landtag sprach sich im Dezember 2017 dafür aus, das begleitete Fahren mit 16 möglichst schon in diesem Jahr gemeinsam mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu starten – doch passiert ist seitdem wenig. Der Modellversuch verzögert sich auf unbestimmte Zeit.

„Das Vorhaben konnte bisher nicht gestartet werden, da uns weiterhin die europarechtliche Genehmigung fehlt, um den Modellversuch für das begleitete Fahren mit 16 zu ermöglichen“, sagt Steffen Streu, Sprecher des Verkehrsministeriums Brandenburg. Da das EU-Recht ein Mindestalter von 17 Jahren bei Autofahrern vorsieht, muss es erst geändert werden, wenn Bundesländer wie das Land Brandenburg das Fahren mit 16 testen wollen.

Verkehrswacht ist skeptisch

Das Verkehrsministerium Brandenburg ist unverändert bestrebt, den Modellversuch zu starten, für den sich auch Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt einsetzen. „Wir haben das Bundesverkehrsministerium aufgefordert, für eine Genehmigung bei der EU zu werben“, so Streu weiter. Das gesamte Genehmigungsverfahren läuft über das Bundesverkehrsministerium. Hier lägen dem Land Brandenburg keine aktuellen Informationen zum begleiteten Fahren mit 16 vor.

Wann der Testlauf überhaupt starten kann, ist unklar. Irina Günther, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Brandenburg, ist skeptisch, was die Umsetzung betrifft: „Ich glaube nicht, dass der Modellversuch im Land Brandenburg oder in einem anderen Bundesland kommt. Mir ist kein positives Zeichen bekannt, was für den Start in 2019 spricht.“

Führerschein mit 17 hat sich bewährt

Die Verkehrsminister der Länder sprachen sich im April diesen Jahres für den Modellversuch aus und wollen die Erfolgsgeschichte des Führerscheins mit 17 und des begleiteten Autofahrens fortschreiben. Auch für das Verkehrsministerium von Brandenburg der Hauptgrund, sich für das Vorhaben einzusetzen: „Durch den früheren Beginn der Fahrausbildung und das frühere Ablegen der Fahrprüfung würde sich die Zeit des begleiteten Fahrens verlängern. Dadurch könnten Fahranfänger mehr Übungsfahrten machen und eine umfassendere Fahrpraxis sammeln“, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums Brandenburg. Ziel sei es, das Unfallrisiko junger Autofahrer weiter zu senken.

Unfallforscher hat bedenken

Unabhängig vom EU-Recht stellt sich die Frage, ob das begleitete Fahren mit 16 sinnvoll ist, um die Unfallzahlen bei Fahranfängern weiter zu reduzieren. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer in Berlin, ist da anderer Meinung: „Weil sich der Führerschein mit 17 zu einem bundesweiten Erfolgsmodell entwickelt hat, heißt das nicht, dass beim Führerschein mit 16 dasselbe passiert.“

Die Fahrpraxis der Fahranfänger variiert, da viele nicht genau mit 16,5 Jahren ihre Fahrausbildung beginnen. Einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen zufolge beginnen Jugendliche die Ausbildung zum Führerschein mit 17 durchschnittlich 1,8 Monate vor dem 17. Geburtstag. Sie benötigen unterschiedlich lange, um sie abzuschließen. Dadurch kann es vorkommen, dass Fahranfänger nach dem Bestehen der Prüfungen zum Teil nur wenige Monate in Begleitung fahren.

„Der Autoführerschein mit 16 geht zu weit“

„Die Frage ist: Sind 15- oder 16-Jährige reif genug, um Fahrzeuge von einer Tonne und mehr über die Straße zu bewegen“, fragt Unfallforscher Brockmann. „Da habe ich meine Zweifel. Der Autoführerschein ab 16 geht zu weit.“ Ähnlich argumentiert Irina Günther von der Landesverkehrswacht: „Es mag verantwortungsbewusste Jugendliche geben, die die nötige Reife mitbringen. Doch stellen diese die Minderheit oder die Mehrheit dar? Bei mir überwiegen die Sorgen, da unklar ist, ab wann Fahranfänger für den Autoführerschein bereit sind.“

Der Führerschein mit 17 wurde als Modellversuch am 1. Februar 2006 in Brandenburg eingeführt. Seit Januar 2011 ist das begleitete Fahren mit 17 dauerhaft im Bundesrecht verankert. Von Fahranfängern geht laut des Statistischen Bundesamts weiterhin das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr aus. Auf Brandenburgs Straßen kamen im vergangenen Jahr einwohnerbezogen die meisten 18- bis 24-Jährigen in ganz Deutschland ums Leben: Es waren 118 getötete Fahranfänger auf eine Million Einwohner in dieser Altersgruppe.

Von Fabian Lamster

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