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Brandenburg Bei Havelberg beginnt die Flut erst jetzt
Brandenburg Bei Havelberg beginnt die Flut erst jetzt
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14:20 14.06.2013
Per Hubschrauber brachte die Bundeswehr Flutopfer weg. Quelle: dpa
HAVELBERG/KAMERN

Die Einheimischen nennen sie Seekurve, und nie war ein Spitzname treffender: Die Landstraße, die in Sachsen-Anhalt Wulkau und Kamern verbindet, ist zur Hälfte überströmt. Während Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks versuchen, den Ort Kamern mit Deichen zu sichern, fahren etwa zwei Kilometer weiter Pionierpanzer der Bundeswehr im Akkord. Sie zerstören planmäßig die Fahrbahn, reißen den Straßendamm regelrecht ein, um das Elbewasser an dieser Stelle in die Havelpolder umzulenken. Doch der Anstieg der Fluten, die seit dem Deichbruch von Fischbeck in das Gebiet südlich der Stadt Havelberg fließen, ist enorm. „Das Wasser steigt gegenwärtig um 15 Zentimeter pro Stunde“, erläutert Daniel Decker vom Landesverbindungskommando Sachsen-Anhalt der Bundeswehr. Die Pioniere aus der Havelberger Kaserne ziehen noch eine Art Flutmulde, um dem Wasser die beabsichtigte Richtung zu geben, dann rücken sie ab – zu gefährlich.

Auf dem Rückweg ist die „Seekurve“ bereits völlig überschwemmt. Das Wasser stürzt glucksend die Straßenböschung in den Kiefernwald hinunter. Es kommt aus dem Kamernschen See, einer Art Ausbuchtung des Trübengrabens. Normalerweise liegt der See mehrere hundert Meter von der Straße entfernt. Er führt jetzt nur noch Elbewasser. Der Fluss liegt eigentlich sechs bis acht Kilometer von hier entfernt.

In Warnau haben Susan und Remo Genz alles getan, was sie tun konnten, um das 250-Einwohner-Dorf zu sichern. „Vor der Havel haben wir keine Angst, aber vor dem Elbewasser aus dem Trüben“, sag Susann Genz. Sie und ihr Mann haben bei einem Busunternehmen im völlig überfluteten Schönhausen gearbeitet. Bis zum Montag hielten sie die Verbindung zu Kollegen und Bekannten noch per Smartphone. Inzwischen wissen sie nicht, wie es den Freunden dort geht. Die Ungewissheit ist groß in diesen Tagen. Auch Sabine Husung aus Warnau weiß nicht, wie sie es richtig machen soll. „Ich war schon bei Bekannten in Havelberg untergekommen, aber dann hieß es, so schlimm wird es doch nicht, und ich bin zurückgekommen“, sagt die Frau und blickt auf die überschwemmten Wiesen und den sandsackbewehrten Deich davor.
Auf der Havelbrücke, die bei Strodehne Sachsen-Anhalt mit Brandenburg verbindet, halten sich Ralf Wellig und Markus Arenz bereit, eine Funkstation aufzubauen. Die Malteser-Helfer aus Leverkusen sollen die Kommunikation der Rettungskräfte für den Fall sichern, dass das Umspannwerk im knapp 20 Kilometer entfernten Sandau überschwemmt wird und ausfällt. Es geht das Gerücht, dass das Werk abgeschaltet werden muss, um es zu sichern. Sollte das geschehen, wäre der gesamte Elbe-Havel-Winkel einschließlich der Stadt Havelberg ohne Energieversorgung.

Für diesen Fall haben Jürgen Christmann und seine 140 Mitarbeiter von der DRK-Landesverstärkung Hessen vorgesorgt. Zumindest die Notaufnahme in der Grundschule „Am Eichenwald“ in Havelberg kann so weiter versorgt werden. Vom DRK-Bundesverband hat Christmann vorsorglich weitere Aggregate geordert. Sie werden von Berlin-Schönefeld aus nach Havelberg gebracht. 3000 Portionen Essen können die hessischen Freiwilligen pro Tag zubereiten. „Jetzt geht’s grad’“, sagt Christmann. „Aber heut’ Nacht, als die Hubschrauber die Evakuierten brachten, ging’s hier zu, wie aufm Frankfurter Flughafen.“

Inzwischen ist für 8000 Menschen die Zwangsevakuierung angeordnet worden. 3500 wollen laut Krisenstab in Magdeburg in den Orten bleiben. Sprecherin Anke Reppin sagt, das Wasser fließt bei Kamern noch nicht, wie es soll, aber das Umspannwerk sei sicher. Zuverlässige Aussagen sind in diesen Tagen Mangelware.

Von Andreas König

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