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Brandenburg Führungen im „Enterhaken“: Geschichte pur in früherem Stasi-Bunker in Berlin
Brandenburg

Berlin: Geschichte pur in früherem Stasi-Bunker

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09:37 31.07.2020
Blick in die Küche eines Bunkers vom Typ V2C. Ein früherer Stasi-Bunker in der Nähe von Berlin ist heute ein Lernort der Geschichte. In der unterirdischen Anlage werden nun wieder neue Einblicke und Erkenntnisse präsentiert. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
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Berlin

In einem früheren Bunker der DDR-Staatssicherheit in der Nähe von Berlin informieren Experten an diesem Wochenende über das Entschlüsseln geheimer Nachrichten im Kalten Krieg. Bei Führungen könnten sich Interessierte am 1. und 2. August Einblicke in das einst höchst geheime Bauwerk unter der Erde verschaffen, wie der Verein Bunker-Dokumentationsstätten mitteilte. Erst seit 2019 ist der einst getarnte Bunker der DDR-Auslandsspionage bei Führungen öffentlich zugänglich.

Am Rande der brandenburgischen Gemeinde Gosen-Neu Zittau hatte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 1984 einen massiven Betonbunker fertiggestellt, abgeschirmt durch mehrere Sperrkreise in dem Waldstück am Seddinsee. Von dieser „Ausweichführungsstelle“ aus sollte Spionagechef Markus Wolf bei einem Krisenfall wie etwa einem Atomschlag das Stasi-Agentennetz im Westen weiter führen.

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Papiere werden nun im Bunker ausgestellt

Der Stasi-General führte Regie über etwa 4000 Auslandsagenten. 1986 schied er auf eigenen Wunsch aus dem MfS-Dienst aus.

Laut Verein bekam das Bunkersystem der Ausweichstellen Rufnamen und Zifferncodes. Der Gosener Bunker sei als „Enterhaken“ geführt worden. Das Gerät, mit dem im Mittelalter gegnerische Schiffe für eine Erstürmung an den Haken genommen wurden, werde in MfS-Dokumenten genannt, erläuterte Jörg Diester vom Verein. Die Papiere werden nun im Bunker ausgestellt. Bislang seien noch nicht alle Zahlencodes und Rufnamen „enttarnt“ worden.

Am Sonntag (ab 14 Uhr) werden laut Verein zwei DDR-Krypto-Experten über ihre Arbeit und die Chiffriertechnik im Kalten Krieg berichten. Sie hätten Verschlüsselungstechnik für den Osten entwickelt und seien für das Knacken gegnerischer Codes zuständig gewesen. Von Gosen aus sei auch in den 600 Kilometer entfernten westdeutschen Regierungsbunker „hineingehorcht“ worden. Gezeigt werde auch eine „Elcrotel“-Maschine der Nato - das sei der technische Gegenspieler des Westens gewesen.

Von RND/dpa