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Brandenburg Hey, Joe!
Brandenburg Hey, Joe!
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15:01 28.02.2014
Quelle: Volkmar Klein
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Berlin

Nein, man muss sich nicht fürchten angesichts der Abenddämmerung im Olymp der Gitarrengötter. Gerade hat Al Di Meola sein Instrument mit auf die andere Seite genommen, und Riffkönig Keith Richards ist auch schon 70. Aber Joe Bonamassa zeigte am Donnerstagabend im Berliner Tempodrom, dass das Erbe aller sechs- und zwölfsaitigen Weltmusiken von Rock bis Flamenco in leidenschaftlich kundiger Hand liegt.

Der ausgewiesene Bluesrocker kreuzte die Stile gleich zum Auftakt bei Woke Up Dreaming _ es war der solistische Beginn einer stromlosen Mahagonirunde. Umgeben von einem Wald kostbarer Akustik-Gitarren brachte der Amerikaner den lange vor Weihnachten ausverkauften Saal in dezente Wallung.

Das Unplugged-Set bewies dann auch deutlich die Perfektion und Dynamik des Anschlags bei unglaublicher Schnelligkeit. Keine Kompressoren oder sonstigen elektronischen Helferlein hätten da etwas verwischen können. Der 36-Jährige, der schon mit zwölf neben B.B. King musizieren durfte, spielt hier auf Augenhöhe mit dem anderen großen Weißen des Blues: Eric Clapton. Beide sind sie Harmoniesucher, und in den Improvisationen beider wiederholt sich kein Melodiebogen. 

Erst in Runde zwei mit der brillanten Band im verstärkten Modus zeigt Bonamassa den Unterschied. Wo Clapton im knittrigen T-Shirt häufig wie der bescheiden-freundliche Begleiter seiner Band wirkt, setzt Bonamassa _   im edlen Anzug und mit pinkfarbenen Schnürsenkeln  _ auf die Bombastikorgie. Mal weint und wimmert die Klampfe herzzerreißend, mal schneiden sich die Obertöne schmerzhaft ins Trommelfell. Stets aber wabert ein Keyboardteppich, der etwa im poetischen Sloe Gin nervt.

Der Unterschied liegt schon im Charakter der Lieblingsinstrumente: Der Brite schwört auf den Glockenklang seiner Stratocaster, der Ami auf den fetten Sound aus den Doppelspulen der Gibson Les Paul.

Berlin hat beide Gitarrengranden aber im Elend vereint. So wie zuletzt Clapton in der Arena am Ostbahnhof musste auch Bonamassa vor Zwangsbestuhlten spielen. Wenn aber der Blues im Sessel sitzen muss, kann der Rhythmus der Baumwollplantage nicht zünden. Unser Herz war daher bei dem einen älteren Fan im Nato-Parker, der am Bühnerand einen unschuldigen Bärentanz mit seinem Bierbecher versuchte. Dreimal. Nach jeweils 30 Sekunden wurde er von einem bulligen Ordner mit weißem Rockerbart zurück in seine Reihe expediert. Bis zu den Zugaben wagte das Publikum nicht mehr als ein Oberkörperwippen. Schade.

Von Volkmar Klein

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