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Brandenburg Berlin und Brandenburg: Fünf Krankenhäuser operieren zu selten
Brandenburg Berlin und Brandenburg: Fünf Krankenhäuser operieren zu selten
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10:57 11.11.2019
Wer eine Niere transplantiert, sollte es häufiger tun: In Brandenburg und Berlin erreichen einige Kliniken die vorgegebenen Fallzahlen nicht. Quelle: dpa/Waltraud Grubitzsch
Potsdam

In Brandenburg und Berlin dürfen fünf Krankenhäuser komplexe Operationen durchführen, obwohl sie nur wenig Erfahrung damit haben. Das geht aus einem Bericht der Krankenkasse AOK Nordost hervor, über den zuerst der RBB berichtet hat.

In der sogenannten Mindestmengen-Transparenzliste für das kommende Jahr sind die Krankenhäuser beider Bundesländer aufgeführt, die sieben außergewöhnlich komplizierte Eingriffe vornehmen, bei denen das Risiko der Patienten für mögliche Komplikationen besonders hoch ist. Darunter fällt die Implantation von künstlichen Kniegelenken oder die Versorgung von Früh- und Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm.

Fünf Kliniken verfehlen Mindestzahl der Operationen

Im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen (47 Operationen) und in der Asklepios Klinik Uckermark (42) werden dabei aktuell weniger als die vorgeschriebenen 50 Implantationen neuer Kniegelenke pro Jahr vorgenommen. Auch die Berliner Schlosspark-Klinik (38) liegt unter der Mindestmenge. Das Carl-Thiem Klinikum in Cottbus (12) und das Klinikum Frankfurt (Oder) (9) haben dagegen bei der Behandlung von Frühgeborenen nicht die benötigten zehn Operationen pro Jahr erreicht.

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Alle fünf haben allerdings auch für das kommende Jahr die Erlaubnis, die jeweilige Behandlung durchzuführen. Dafür mussten sie ihre Fallzahlen vor den Brandenburger Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen erklären: „Unterschreiten Krankenhäuser die vorgegebenen Mindestmengen, müssen sie glaubhaft darlegen, welche Umstände dazu geführt haben und dass diese für die Zukunft ausgeräumt werden“, erklärt Dagmar Schmidt von der Krankenkasse AOK Nordost. Sie prüft die Argumente der Krankenhäuser für den Landesverband, der im Zweifel die Erlaubnis entziehen kann, den jeweiligen Eingriff abzurechnen.

Klinikum Frankfurt (Oder) operiert mit Sondererlaubnis

Das Klinikum Frankfurt (Oder) operiert dabei im kommenden Jahr mit einer Sondererlaubnis der Landesbehörde. Dies ist möglich, wenn die „Mindestmengen-Regelung eine flächendeckende stationäre Versorgung der Bevölkerung gefährden würde“, heißt es im AOK-Bericht. Für Kliniken, die Operationen erst seit kurzem anbieten, gelten zudem Sonderregeln. Sie müssen nur die Hälfte der gesetzlich vorgeschriebenen Operationen nachweisen.

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Welchen Kliniken in der Region die Abrechnungserlaubnis entsprechender Eingriffe für das kommende Jahr entzogen wurde, wollte die AOK Nordost auf Anfrage nicht mitteilen. Nach MAZ-Informationen liegen aber schon jetzt einzelne Brandenburger Krankenhäuser in dieser Frage im Rechtsstreit mit den Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen.

Ohne Mindestmenge ist Risiko deutlich höher

Mindestmengen von hochkomplexen Operationen sollen dafür sorgen, gesundheitliche Risiken für den Patienten zu verringern. In Krankenhäusern, die die Mindestmengen nicht erfüllen, ist laut Studien die Gefahr, an den entsprechenden Operationen zu sterben, deutlich höher. Neben der Implantation von Kniegelenken und der Behandlung von Frühgeburten sind auch die Transplantation von Leber, Niere und Stammzellen sowie komplexe Operationen an Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse von der Mindestmenge eingeschlossen. „Wir begrüßen die Regelung“, sagt Dagmar Schmidt von der AOK. „Sie sind ein guter und wichtiger Schritt“.

* * * Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Artikel hieß es, das Klinikum Dahme Spreewald liege bei den Implantationen neuer Kniegelenke unter der geforderten Mindestzahl. Richtig ist, dass nur eines der Krankenhäuser des Klinikums, das Achenbach Krankenhaus in Königs-Wusterhausen knapp unter den geforderten 50 Operationen liegt. Der Fehler wurde behoben. Wir bitten ihn zu entschuldigen.

Von Ansgar Nehls

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