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Brandenburg „Mutmacherin für die Ostdeutschen“: Zum 20. Todestag von Regine Hildebrandt
Brandenburg

„Berliner Schnauze“ und unerschöpfliche Energie: Zum 20. Todestag von Regine Hildebrandt 

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14:49 25.11.2021
Vor 15 Jahren, am 26. November 2001, ist Regine Hildebrandt an Krebs gestorben (Foto vom 05.11.1995 waehrend der EKD-Synodaltagung in Friedrichshafen).
Vor 15 Jahren, am 26. November 2001, ist Regine Hildebrandt an Krebs gestorben (Foto vom 05.11.1995 waehrend der EKD-Synodaltagung in Friedrichshafen). Quelle: Norbert Neetz
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Potsdam

„Beruf, Familie, Freunde, Domkantorei“ hat die promovierte Biologin aus der DDR einmal als Säulen ihres Lebens bezeichnet. Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 in Berlin-Mitte geboren. Bis zum Mauerbau 1961 hat sie an der Bernauer Straße im Grenzgebiet zu West-Berlin gelebt. Die Junge Gemeinde der evangelischen Kirche war ihre Heimat, Junge Pioniere und FDJ lehnte sie ab.

Nach dem Abitur 1959 durfte sie dennoch ein Studium an der Ost-Berliner Humboldt-Universität beginnen. Fünf Jahre später ging es in die Produktion, Regine Hildebrandt wurde stellvertretende Leiterin der pharmakologischen Abteilung des VEB Berlin-Chemie. 1968 folgte eine Promotion über „phenylsubstituierte Carbaminsäureester“, später hatte sie eine Führungsposition in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten inne.

Im Herbst 1990 in den SPD-Bundesvorstand gewählt

1989 begann auch Regine Hildebrandt, sich in der DDR-Opposition zu engagieren und beteiligte sich an der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“. Nach Gründung der Ost-SPD im Herbst trat sie der neuen sozialdemokratischen Partei bei, wurde bei den ersten freien Volkskammerwahlen im März 1990 ins DDR-Parlament gewählt und war von April bis August Sozialministerin im Kabinett von Lothar de Maizière (CDU).

Sozialpolitikerin zum 20. Todestag gewürdigt

Die vor 20 Jahren verstorbene Sozialdemokratin Regine Hildebrandt ist anlässlich ihres Todestages am Freitag als herausragende Politikerin gewürdigt worden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nannte die frühere Landessozial- und Gesundheitsministerin am Donnerstag in Potsdam eine der „prägenden Persönlichkeiten“ seines Bundeslandes.

Die als „Mutter Courage des Ostens“ bezeichnete Politikerin gehöre zur Identität Brandenburgs, sagte Regierungschef Woidke. Gemeinsam mit dem 2019 verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) präge sie das Land bis heute. „Ihre Offenheit für die Sorgen und Nöte der Menschen, ihre für jeden verständliche und schnörkellose Sprache und ihr unstillbarer Tatendrang sind uns in lebhafter Erinnerung“, fügte Woidke hinzu.

Im Herbst 1990 wurde Regine Hildebrandt nach der Wiedervereinigung in den SPD-Bundesvorstand und den brandenburgischen Landtag gewählt, im November wurde sie in Potsdam Sozialministerin. Mit respektloser „Berliner Schnauze“ und unerschöpflicher Energie stritt die resolute Frau dort für Arbeitsplätze im Osten, die Förderung berufstätiger Frauen, den Erhalt von Kindergartenplätzen.

Beliebteste Politikerin Ostdeutschlands

„Weichgespülte Sprechblasen waren ihr ein Gräuel“, charakterisierte sie Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) einmal: „Regine konnte so direkt sein, weil ihr innerer Kompass unanfechtbar war.“ Damit avancierte die Sozialdemokratin zur beliebtesten Politikerin Ostdeutschlands, auch wenn ihr unbürokratischer Umgang mit Haushaltsmitteln sogar schließlich die Potsdamer Staatsanwaltschaft beschäftigte.

Dass sie an der hohen Arbeitslosigkeit der 90er Jahre nicht viel ändern konnte, hat Regine Hildebrandt zu schaffen gemacht. Als persönlichen Misserfolg hat sie es nicht gesehen. „Unter so bescheuerten Bedingungen arbeite ich schon die ganze Zeit, die ich als Ministerin tätig bin“, hat sie dazu forsch in einem Interview gesagt. Der Gang in die Politik sei nicht die „Erfüllung eines sehnlichen Wunsches“ gewesen, sondern „Einsicht in die Notwendigkeit“, so hat sie es gesehen: „Man kann nicht 40 Jahre lang meckern, und dann hat man zufällig gerade keine Zeit.“

Ihr letztes Engagement galt sterbenden Menschen

1996 wurde ihre Brustkrebs-Erkrankung bekannt. Trotz Chemotherapie und Operation hat die Ministerin ohne große Unterbrechungen weitergearbeitet. Erst die Entscheidung der brandenburgischen SPD für eine Koalition mit der CDU brachte 1999 das landespolitische Aus. Regine Hildebrandt wollte nach dem Verlust der absoluten SPD-Mehrheit lieber mit der damaligen PDS regieren, legte ihr Mandat nieder und schied aus dem Kabinett aus. Zehn Jahre später fiel dann in Brandenburg doch noch die Entscheidung für Rot-Rot.

Ihr letztes Engagement galt Sterbenden und todkranken Menschen, sie setzte sich für die Hospizbewegung, aber auch für aktive Sterbehilfe ein. „Mutmacherin für die Ostdeutschen“ hat Brandenburgs 2019 verstorbener Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) seine volksnahe Ex-Ministerin im Frühjahr 2001 bei der posthumen Verleihung des Bundesverdienstkreuzes genannt. Als Stimme „vieler, die sich unverstanden und mitunter ohnmächtig fühlen“, hat sie der damalige Bundespräsident Johannes Rau gewürdigt.

Wenige Tage vor ihrem Tod am 26. November 2001 wurde Regine Hildebrandt noch einmal in den SPD-Bundesvorstand gewählt.

Von RND/epd/Yvonne Jennerjahn