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Brandenburg Berliner Weltzeituhr stammt aus Rathenow
Brandenburg Berliner Weltzeituhr stammt aus Rathenow
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21:57 22.02.2013
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RATHENOW

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Begonnen hat der Lebensweg von Erich John alles andere als hoffnungsvoll. Nationalsozialismus und Krieg machten aus dem nord-böhmischen Bauernjungen einen mittellosen Flüchtling. Sein Zeichentalent wurde in der Berufsschule entdeckt. Der Schulleiter war es dann, der John an eine in Mecklenburg neu gegründete Fachschule für angewandte Kunst empfahl. John bestand die Aufnahmeprüfung, und so wurde der Besuch dieser Schule zur Chance seines Lebens – seine künstlerische Begabung wurde gefördert und konnte sich voll entfalten. Seine Bewerbung an die Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Weißensee folgte und erwies sich als richtungsweisende Entscheidung. John war einer der ersten Absolventen des neu eingerichteten Studiengangs „Formgebung für die Industrie“. Rasch konnte er erste Erfolge verzeichnen. Nach seinem Berufseinstieg sammelte John zunächst acht Jahre Erfahrungen in der Industrie – bevor er als Dozent an seine alte Hochschule ging.

Frühsommer 1968: Als Formgestalter wurde er dazu aufgerufen, am Wettbewerb um die Urania-Säule am Alexanderplatz teilzunehmen. Gern nahm er die Herausforderung an, mit dem Ziel, wieder einen zentralen Treffpunkt für die Berliner zu schaffen. Sein Entwurf der Weltzeituhr erregte Aufsehen und gewann die Goldmedaille für Formgestaltung. Problematisch war nur, diesen auch Realität werden zu lassen – keine leichte Übung in der Planwirtschaft der DDR. Darüber hinaus war die Maßgabe, die Uhr in neun Monaten, bis zum 20. Jahrestag der DDR fertigzustellen. Zahlreiche Helfer und Unterstützer wurden mobilisiert und sogar staatlich genehmigte Feierabendbrigaden gegründet. Begonnen wurde der Bau in den Rathenower Optischen Werken, und mehrmals sah es so aus, als würde das Unternehmen scheitern. Materialmangel und Wettereinbrüche galt es zu meistern. Am 30. September 1969 wurde der Schlüssel zur Weltzeituhr dem damaligen Berliner Oberbürgermeister Fechner übergeben. Seit Jahrzehnten läuft das Uhrwerk reibungslos. Erich Johns Autobiografie lässt den Leser immer wieder neue Seiten seiner Persönlichkeit entdecken. So hat er es zu Wege gebracht, als Gastprofessor an die Ohio-State-University zu gehen, mitten in der Zeit des Kalten Krieges. Auch diese Episode ist nur eine von vielen Facetten. In Erich Johns Aufzeichnungen spiegelt ein Stück (ost)deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts wider.

Der 1932 geborene Autor war nach seiner Emeritierung freischaffend als Innenarchitekt tätig, ehe er fotografierend und malend durch die Welt reiste. 2009 wurde er Botschafter der Stadt Berlin. In dieser Funktion besuchte er im vergangenen Jahr mehrmals Rathenow – die Stadt, wo die Weltzeituhr gebaut wurde.

Erich John: Ikarusflüge. Erinnerungen eines DDR-Designers, 176 Seiten, 11,90 Euro (MAZ/wil)

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