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Brandenburg Brandenburger zahlen immer häufiger mit Karte
Brandenburg Brandenburger zahlen immer häufiger mit Karte
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16:33 17.02.2020
ILLUSTRATION - 08.02.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Eine EC-Karte mit integrierter NFC-Technik zum bargeldlosen Bezahlen liegt zusammen mit Euro-Münzen und -Banknoten auf einem Tisch. Am 12.02.2019 stellt die Bundesbank die Studie «Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel» vor. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa
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Potsdam

Die Abschaffung des Bargelds steht zwar noch nicht unmittelbar bevor, aber das bargeldlose Zahlen ist auch in Brandenburg auf dem Vormarsch. Das zeigen Zahlen der größten Brandenburger Bank, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS). Die rund 700.000 Kunden greifen an der Kasse häufiger zur Plastikkarte. Zögerlich entdecken die märkischen Sparer in Zeiten von Nullzinsen auch den Wertpapierhandel für sich. Ein Überblick.

Bargeldloses Zahlen

31 Millionen mal zückten Kunden der MBS im vergangenen Jahr an der Kasse ihre Girocard. Dabei nutzten sie in 13 Millionen Fällen das kontaktlose Bezahlen via NFC-Chip, wie aus der Bilanz der MBS für das Jahr 2019 hervorgeht. Zur Einführung des kontaktlosen Zahlens im September 2018 waren es nur 350.000 Transaktionen. Noch keine Daten liegen dazu vor, wie sehr das erst im November eingeführte Bezahlen via Smartphone und dem Bezahldienst Apple Pay angenommen wird.

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Kunden bunkern Milliarden

Brandenburger vertrauen ihr Geld weiterhin vor allem dem Spar- und Girokonto an, auch wenn es keine Zinsen gibt und das Geld an Wert verliert. Im vergangenen Jahr stiegen die Einlagen der rund 700.000 Kunden auf den Rekordwert von 11,7 Milliarden Euro. Das waren 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Einlagenplus führt MBS-Chef Andreas Schulz vor allem auf Renten-und Lohnerhöhungen zurück.

Verhaltene Flucht in Aktien

Brandenburg sei ein sehr konservatives Land, was das Sparen und den Vermögensaufbau angehe, sagt MBS-Chef Schulz. Die Aktienquote liege bei gerade einmal 2,8 Prozent. In Zeiten ohne Zinsen hat die Sparkasse ihr Beratungsangebot in diesem Bereich deutlich ausgebaut. Das sei auch bitter nötig, so Schulz. „Wer nur auf das Kontensparen setzt, verliert Geld“, sagt er. Die Zahl der Aktiendepots stieg von 58.000 auf 60.150, die angelegte Summe kletterte auf 387 Millionen Euro. 2016 hatten die MBS-Kunden gerade einmal 55 Millionen ein Wertpapiere investiert.

Kein Weltsparen

Die Sparkasse Vorpommern in Greifswald bietet als erste inzwischen ein sogenanntes Weltsparen an, um ihren Kunden wieder eine Verzinsung zu ermöglichen. Dabei kooperiert die Kasse mit dem Fintech-Unternehmen Raisin, das das Geld auf ausländischen Festnetzkonten anlegt, wo es mitunter eben noch Mini-Zinsen gibt. Für die MBS ist eine solche Kooperation kein Thema. „Das planen wir im Moment nicht“, sagte Schulz. Vor allem die Frage des Einlagenschutzes ist aus seiner Sicht nur unzureichend geklärt.

MBS muss Strafzinsen zahlen

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) von den Kreditinstituten Strafzinsen für Einlagen verlangt, belastet auch die MBS. Im vergangenen Jahr musste die Sparkasse vier Millionen Euro „Verwahrentgelt“ an die EZB entrichten. Das sei äußerst unerfreulich, aber ließe sich eben nicht umgehen, so MBS-Chef Schulz. Minuszinsen verlangt die Sparkasse ihrerseits bislang nur bei Geschäftskunden und ab einer Einlagensumme von 500.000 Euro. Für Privatkunden sei das weiter kein Thema, so Schulz. „Diese Karte wollen wir nicht ziehen“, sagte Schulz. Allerdings beobachtet die MBS genau, was andere Banken unternehmen.

Prämiensparverträge auf dem Prüfstand

Nachdem mehrere Brandenburger Sparkassen teure Prämiensparverträge gekündigt haben, prüft auch die MBS, wie sie aus den unbefristeten Verträgen herauskommen kann. „Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir mit unseren Kunden ins Gespräch kommen können. Wir lassen uns hier aber nicht treiben und werden das im Laufe des Jahres entscheiden“, sagte Schulz. Betroffen wären mehrere Tausend Kunden. Die Verträge mit einer Laufzeit von 25 Jahren sehen gestaffelte Prämienzahlungen vor. Das hat sich zu einem erheblichen Kostenfaktor bei Sparkassen entwickelt.

Keine Filialschließungen

Filialschließungen sind laut MBS-Chef Schulz kein Thema. „Unser Ziel ist es, mit dem vorhanden Netz die nächsten Jahre zu bestreiten.“ Acht Geschäftsstellen hatte die MBS im vergangenen Jahr geschlossen. Sie unterhält damit noch 142. Bereits beschlossen ist die Schließung einer Filiale in der Altstadt von Brandenburg/Havel.

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Von Torsten Gellner