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Brandenburg Blitz-Marathon: Ausreden, Kurioses, eine Bilanz
Brandenburg Blitz-Marathon: Ausreden, Kurioses, eine Bilanz
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18:59 16.04.2015
In Brandenburg hat es am Donnerstag ziemlich oft geblitzt. Quelle: dpa
Potsdam

Am Donnerstagmorgen um 6 Uhr ist der europaweite Blitz-Marathon angelaufen. Schon früh zeigte sich, dass längst nicht alle Autofahrer im Bilde waren. Zur Mittagszeit sind der Polizei in Brandenburg viele Autofahrer in die Falle gegangen. Einer hatte besonders eilig. Er wurde auf der A9 mit 173 km/h statt der erlaubten 100 km/h geblitzt. Ihn erwarten jetzt ein mehrmonatiges Fahrverbot, Punkte in Flensburg und ein empfindliches Bußgeld.

Die MAZ zieht eine Bilanz der Polizei-Aktion. Außerdem sagen wir, wo es mit dem Blitzen nicht so gut geklappt hat und welche Ausreden die erwischten Autofahrer hatten.

Hier geht es zur Karte mit allen Blitzern in Brandenburg

Hier klappt es nicht mit Blitzen

In Rheinsberg machte die Technik schlapp

In der Polizeiwache Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) ist dem Blitzer vor dem Start des Marathon die Puste ausgegangen. Als die Streifenwagenbesatzung vor der Abfahrt zur Kontrollstelle in Lindow die Ausrüstung überprüften, stellten sie fest, dass der Akku der Laserpistole schlapp gemacht hatte. Nichts ging mehr. Statt Temposünder zu jagen, mussten sie sich um ihre Technik kümmern.

Ob der Blitzerwagen später noch starten konnte, konnte die Polizeipressestelle in Neuruppin am Donnerstagnachmittag nicht sagen.

Im Havelland hieß es Demo statt Blitzer

Auch im Landkreis Havelland wurde am Donnerstag weniger als anderswo geblitzt. Grund: Die Polizisten haben schlicht anderes zu tun. Am Abend hat die NPD dort einen Aufmarsch angekündigt. Die rechtsextreme Partei will gegen ein geplantes Flüchtlingsheim demonstrieren. Das ruft auch viele Gegendemonstranten auf den Plan.

Um den Einsatz zu koordinieren und die Kräfte entsprechende einsetzen zu können wurde der Blitz-Marathon auf Sparflamme gefahren.

Die kuriosen Ausreden der Autofahrer

“Ich wollte mal sehen, ob ihr mich erwischt.“

Beim dritten Blitz-Marathon hat die Berliner Polizei viele zu schnelle Autofahrer erwischt. Unter den Temposündern waren Soldaten, Kollegen und Fahrer mit überraschenden Erklärungen:

Gegen 11 Uhr stoppte die Polizei auf der Grunerstraße nahe dem Alexanderplatz ein Auto der Bundeswehr mit einem Y-Kennzeichen, wie eine Polizeisprecherin einen Bericht des “Tagesspiegel“-Livetickers bestätigte. Die beiden Männer fuhren 63 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer und entschuldigten sich mit einem dringenden Termin.

Bei einem anderen Autofahrer wurden 87 Stundenkilometer gemessen. Der Mann behauptete, er sei absichtlich so schnell gefahren, hieß es bei der Polizei. Er habe gesagt: “Ich wollte mal sehen, ob ihr mich erwischt.“

Der ’Tagesspiegel’ berichtete zudem von einem Motorradfahrer, der 60 statt des erlaubten Tempos 50 fuhr. Bei der Ermahnung stellte sich heraus, dass es sich um einen Polizisten in Zivil handelte. “Macht doch mal eine Ausnahme, wir sind doch Kollegen“, sagte er demnach zu seinen uniformierten Kollegen. Die Bitte war vergeblich.

Ausgerechnet vor einer Grundschule in der Danziger Straße in Prenzlauer Berg wurde ein Autofahrer mit 60 Stundenkilometern gemessen. Erlaubt war dort nur Tempo 30.

An einige Kontrollstellen kam die Polizei mit den Ermahnungen der gestoppten Raser kaum nach. Es gab Wartezeiten, twitterte die Polizei. “Das Gespräch mit unseren Kollegen dauert manchem zu lange.“ Als Fazit hieß es: „Langsamer wäre er schon am Ziel.“

Der auffälligste Autofahrer fuhr auf der Grunerstraße am Alexanderplatz 90 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer. In Tempelhof-Schöneberg wurde ein 17-Jähriger mit seinem Kleinkraftrad mit 85 Stundenkilometer gemessen. Beide Männer müssen mit einem Monat Fahrverbot rechnen und mindestens 160 Euro Strafe zahlen.

Die Bilanz

In Brandenburg waren am Donnerstag etwa 450 Polizisten an 225 Kontrollstellen vor Ort. Auch Kommunen beteiligten sich an der Aktion.

Insgesamt wurden in Brandenburg bis zum Nachmittag rund 40.000 Kraftfahrer gemessen. Die meisten hielten sich an die Geschwindigkeit. Nur 927 waren laut Polizei zu schnell unterwegs.

„In vielen Landesteilen ist heute die Tendenz zu spüren, dass deutlich langsamer gefahren wird. Ich hoffe auf eine nachhaltige Wirkung der polizeilichen Maßnahmen. Jedes Opfer von Raserei im Straßenverkehr ist eines zu viel“, sagte Ingolf Niesler, Leiter der Verkehrspolizei im Polizeipräsidium am Mittag in Potsdam.

Kritik

Während die Polizei die Aktion als gelungen lobt, gibt es von der Polizeigewerkschaft scharfe Kritik am Blitz-Marathon. Sie bezeichnet ihn als „mediale Showeinlage“. Die Gewerkschaft hat Zweifel, ob die Aktion das Verhalten der Autofahrer langfristig ändert. Außerdem könne der Blitz-Marathon nicht den Personalmangel bei der Polizei kaschieren.

Was tun, wenn es blitzt?

Für jeden Bußgeldbescheid gibt es eine sogenannte Einspruchsfrist. Innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Bescheids kann man Einspruch einlegen – auch vorsorglich, wenn man vielleicht noch überlegt, ob man den Bescheid akzeptieren möchte oder nicht, heißt es seitens der ARAG-Versicherung.

Wenn die Frist verpasst wird, dann gilt

a) das Bußgeld, es drohen

b) Punkte oder

c) gar ein Fahrverbot.

Ein einmal eingelegter Einspruch kann bis zum Beginn der mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht jederzeit zurückgenommen werden.

Wie Raser geblitzt werden

Ende der 1950er Jahre begann eine neue Ära im Straßenverkehr: Im Regierungsbezirk Düsseldorf kam erstmals ein mobiles Radargerät zur Geschwindigkeitskontrolle zum Einsatz. Mittlerweile gibt es eine Reihe unterschiedlicher Techniken.

Beispiele:

RADARANLAGEN: Die Geräte senden Radarstrahlen aus, die das Auto reflektiert. Wird die Messschwelle überschritten, wird ein Fotoapparat ausgelöst - eine der am weitesten verbreiteten Techniken.

LICHTSCHRANKEN: Mehrere Lichtschranken stehen nacheinander quer zur Straße. Beim Unterbrechen jeder Lichtschranke liefert das Auto ein elektrisches Signal. Das Gerät misst die Zeitabstände und errechnet so das Tempo.

DRUCKSENSOREN: Mehrere Sensoren werden in bestimmten Abständen in die Fahrbahn eingelassen. Beim Überfahren werden Signale ausgelöst, mit denen das Tempo errechnet werden kann.

LASERGERÄTE: Sie senden eine Folge von Lichtimpulsen aus und empfangen den vom Fahrzeug reflektierten Anteil. Die Geräte messen die Zeit bis zum Wiedereintreffen des Signals und errechnen so die Entfernung des Fahrzeugs. Aus deren Veränderung ergibt sich die Geschwindigkeit. Neben Handmessgeräten, die einzelne Autos anvisieren, gibt es am Fahrbahnrand aufgestellte Laserscanner, die mehrere Fahrstreifen zugleich überwachen.

VIDEO: Geschwindigkeitsmessungen in Kombination mit Videoanlagen nehmen meist zivile Polizeifahrzeuge auf Autobahnen vor. Das eingebaute Gerät misst eine Wegstrecke und die Zeit, die das verfolgte Auto dafür braucht, und berechnet dessen durchschnittliche Geschwindigkeit. Die Daten und die Fahrt werden per Video festgehalten. Das Messen der Geschwindigkeit mit einer Stoppuhr wird kaum noch angewendet.

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Von MAZonline

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