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Brandenburg In Brandenburger Apotheken werden Medikamente knapp
Brandenburg In Brandenburger Apotheken werden Medikamente knapp
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06:58 17.10.2019
Die Medikamente in märkischen Apotheken werden knapp. Quelle: Oliver Berg/dpa
Potsdam

Märkische Apotheken haben mit erheblichen Lieferengpässen für einige der gängigsten Medikamente zu kämpfen. Viele Patienten müssen deshalb auf ungewohnte Präparat ausweichen. Das bestätigte der Sprecher des Apothekerverbands Brandenburg, Mathias Braband-Trabandt. „Bei 250 Medikamenten haben wir im Moment Engpässe“, so der Sprecher.

Das Problem treffe Patienten deutschlandweit. Zu den betroffenen Arzneimitteln zählten bestimmte Blutdrucksenker und das Schmerzmittel Ibuprofen in einer höheren Dosierung. Teilweise seien die Arzneimittel zwei Wochen lang nicht lieferbar.

Bisher wird noch Ersatz organisiert

Von einem echten Versorgungsengpass müsse noch nicht die Rede sein, bislang gelinge es „den Apothekern in Absprache mit den Ärzten, Ersatzmedikamente zu organisieren“, so Braband-Trabandt. Dennoch seien die Patienten „erheblich verunsichert, wenn sie ein anderes Medikament nehmen sollen“.

Von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBB) in Potsdam heißt es, Ärzte hätten bislang nur selten Rückmeldung gegeben. „Bei Lieferengpässen scheinen die Apotheken in den meisten Fällen Ersatzpräparate vorrätig zu haben, so dass es keine Therapieänderung durch den Arzt geben muss“, so KVBB-Sprecher Christian Wehry.

Abhängig vom Export

Ursache für die Probleme sind Produktionsausfälle in Asien, erklärt der Sprecher des Apothekerverbands. Wegen des Kostendrucks im hiesigen Gesundheitswesen ließen viele Pharmafirmen Wirkstoffe „kaum noch in Europa produzieren“, sagt Braband-Trabandt.

Man sei deshalb von den Exporteuren abhängig. Wegen Verunreinigungen in einer großen chinesischen Fabrik sei es vor einiger Zeit zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Belieferung gekommen. Die Zahl der Lieferengpässe hat sich laut Verband 2018 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Zehn Prozent der Arbeitszeit der Apotheker entfallen laut dem Apothekerverband derzeit auf Telefonate mit anderen Apotheken oder Ärzten, um Ersatzmedikamente aufzutreiben und die Verträglichkeit für die betroffenen Patienten zu besprechen.

Exklusiv-Verträge erschweren die Lage

Weil viele Krankenkassen exklusive Rabattverträge mit einzelnen Pharmafirmen abgeschlossen haben, können die Apotheker nicht ohne Weiteres ähnliche Präparat anderer Hersteller herausgeben. Sie müssen zuvor nachweisen, dass das rabattierte Fabrikat nicht auf Lager war und nicht auf Umwegen besorgt werden konnte.

Die Schwierigkeiten sind flächendeckend. In Teupitz (Dahme-Spreewald) beschreibt Apotheker Michael Loroch die Situation als katastrophal. „Man telefoniert hin und her, um Ersatzpräparate zu beschaffen und sich mit Ärzten abzusprechen“, sagt Loroch. Ein Fünftel seiner Arbeitszeit verbringe er mit Telefongesprächen.

122 Medikamente fehlen

In der Apotheke am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) gibt es einen Ordner mit 122 Medikamenten, die derzeit nicht lieferbar sind. Dazu gehören unter anderem das Antidepressivum Venlafaxin oder Allopurinol, das gegen Gicht eingesetzt wird.

Berit Günther von derRaths-Apotheke in Brandenburg/Havel spricht gegenüber der MAZ von einer „dramatischen Lage“. Zu leiden hätten vor allem Patienten, die wegen anderer Wirkstoffe nicht ohne Weiteres auf alternative Präparate umgestellt werden könnten. Engpässe gebe es etwa bei Medikamenten gegen Krankheiten der Schilddrüse.

In Potsdam sind unter anderem die Babelsberger Nowawes-Apotheke, die Margeriten-Apotheke am Stern und die Ribbeck-Apotheke in Bornstedt von den Engpässen betroffen. In Babelsberg und am Stern fehlen Blutdrucksenker, Antidepressiva und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin und Venlafaxin. Die Mitarbeiter weichen auf andere Firmen aus und raten den Kunden, mit dem Arzt zu sprechen, dass er eine andere Stärke verordnen oder eine ganz andere Therapie veranlassen soll.

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