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Brandenburg Bodenständig, volksnah und verlässlich
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09:17 30.07.2013
Soll neuer Ministerpräsident in Brandenburg werden: Dietmar Woidke (SPD). Quelle: MAZ/Gartenschläger
Potsdam

Dietmar Woidke schipperte auf einem Kreuzfahrtschiff vor der norwegischen Küste, als am Sonntag sein Handy klingelte. Ministerpräsident Matthias Platzeck teilte dem überraschten Urlauber mit, er müsse nach Potsdam kommen. „Dann weiß er gleich mal wie’s ist, den Urlaub zu unterbrechen“, so Platzeck am Montag.

Woidke ist seit einiger Zeit klar, dass er sich als Platzeck-Nachfolger bereithalten muss. Der Mann, der nicht nur wegen seiner Statur aus der Kabinettsriege herausragt, zeigt Macherqualitäten, die ihn für den Chefposten qualifizieren. Als Mitte Juni der Elbedeich in Fischbeck brach, saß Woidke gerade im Perleberger Krisenstab. Die Katastrophe in Sachsen-Anhalt hätte auch in Prignitz und Havelland dramatische Auswirkungen haben können. Mit dem Handy dirigierte der Innenminister Hilfskräfte nach Fischbeck. Wenn der 1,90-Mann aus der Lausitz in offenem Hemd und Jeans losspurtet, wirkt er authentisch und nicht wie einer, der mal kurz das Sakko abgelegt hat.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ist am Montag zurückgetreten. Sein Nachfolger wird der bisherige Innenminister Dietmar Woidke. Musste Platzeck zuletzt krankheitsbedingt passen, sprang stets Woidke ein. Er ist allerdings bei den Brandenburgern wenig bekannt.

Freilich reicht der 51-jährige Woidke nicht an Platzecks Popularität heran. Die Brandenburger werden sich wohl an einen anderen Typ Ministerpräsident gewöhnen müssen. Platzeck war es gelungen, den Regierungsstil seines Ziehvaters Manfred Stolpe weiterzuführen und die unangefochtene Stellung der SPD zu bewahren. Noch mehr als Stolpe gab Platzeck mit seiner sympathischen und unverstellten Art den Leuten das Gefühl, dass da einer ist, der zuhört und sich kümmert. Der groß gewachsene Kahlkopf Woidke verfügt sicher nicht über das „Sunnyboy“-Image seines Vorgängers. Aber er ist weit davon entfernt, als Verlegenheitslösung einer personell ausgedünnten SPD in die Staatskanzlei einzuziehen.

Woidke verfügt über ausreichend Kabinettserfahrung. 2004 machte Platzeck den studierten Agrarexperten in der rot-schwarzen Koalition zum Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Nicht immer diplomatisch, aber stets mit vollem Einsatz versuchte der damals 43-Jährige, den schwierigen Interessenausgleich zwischen Bauern und Naturschützern herzustellen. Selbst vom Fach, beeindruckte er in Debatten auch seine Gegner. Woidke gibt aber nie den Besserwisser, er ist bodenständig, leutselig und hat oft einen lockeren Spruch parat. Als er 2007 nach einem Pkw-Unfall mit zerbissener Zunge im Krankenhaus landete, ließ er verlauten, er wolle lieber schweigen, sonst sage man ihm noch nach, er spreche mit „gespaltener Zunge“.

Aber nicht alles war so locker und lässig hinzubiegen. Politisch scheiterte Woidke an der Forstreform, die den Abbau von einem Drittel der Stellen forderte und Hunderte Demonstranten auf die Straße trieb.

Ende August will Matthias Platzeck als Ministerpräsident und SPD-Landeschef in Brandenburg zurücktreten - wohl aus gesundheitlichen Gründen. Bei den Brandenburgern trifft der 59-Jährige mit seiner Entscheidung überwiegend auf Verständnis.

Dass der Lausitzer 2009 nach dem Wechsel Platzecks zu Rot-Rot vom Personalkarussell flog, hatte vor allem damit zu tun, dass die Linken auf einen Neuzuschnitt der Ressorts drängten. Dietmar Woidke betrachtete die Koalition mit der Linkspartei anfangs sehr skeptisch, aber zum Bruch mit seiner Partei ließ er es nicht kommen. Im Gegenteil: Er kehrte als SPD-Fraktionschef im Landtag an Bord zurück und zeigte seine Verlässlichkeit als Parteisoldat, als es durch anhaltende Stasi-Verwicklungen bei den Linken für Rot-Rot eng zu werden drohte. Trotz dieser Hilfestellung für den bedrängten Platzeck blieb Woidke vor allem bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit eher unangepasst.

Das zeigte sich bereits ein Jahr später, als Woidke im Oktober 2010 den wegen einer Unterhaltsaffäre zurückgetretenen Innenminister Rainer Speer beerbte. Immer wieder mit Stasi-Vorwürfen gegen Polizeiführer konfrontiert, setzte Woidke durch, dass – gedeckt durch das eben novellierte Stasi-Unterlagengesetz – auch die gut 30 Leiter von Polizeirevieren überprüft werden. Auf dieser Ebene war ein Stasi-Check bisher nicht möglich. Es kam zur offenen Konfrontation mit den Linken, die den Kurs des Innenministers massiv kritisierten. Regierungschef Platzeck selbst musste die Wogen glätten und seinem Innenminister beispringen.

Zur Person: Dietmar Woidke

Dietmar Woidke wurde am 22. Oktober 1961 in Naundorf, heute ein Ortsteil von Forst (Spree-Neiße), geboren.

Seit Oktober 2010 ist er Brandenburger Innenminister und war zuvor seit November 2009 SPD-Fraktionschef im Landtag.

Woidke studierte von 1982 bis 1987 Landwirtschaft und Tierproduktion/Ernährungsphysiologie an der Humboldt-Universität Berlin.

Von 1987 bis 1990 war Woidke wissenschaftlicher Assistent. Danach war er Abteilungsleiter eines Mineralfutter-Herstellers und promovierte an der Humboldt-Uni.

Der designierte Regierungschef ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Platzeck hatte erkannt, welche Bedeutung Woidke für die Polizeireform besitzt. Der Abbau von fast 2000 Beamtenstellen bis 2020 war noch von Speer auf den Weg gebracht worden. Aber anders als der oft poltrige Platzeck-Vertraute zeigte Woidke bei der umstrittenen Reform Fingerspitzengefühl. Er entschied nicht am Schreibtisch, sondern besuchte zahlreiche Polizeidienststellen, verhandelte mit besorgten Bürgermeistern und handelte einen Kompromiss aus, der unter Speer unmöglich schien. Im Ergebnis werden die Brandenburger Polizeistandorte bis auf eine Handvoll erhalten, selbst wenn die Reviere nicht mehr rund um die Uhr besetzt sind. Woidke ist zudem entschlossen, den angestrebten Personalabbau weiter abzumildern, wenn die Kriminalitätsentwicklung dazu zwingen sollte.

Zuvor war Woidke bei der Bildung der rot-roten Regierung im Herbst 2009 zunächst Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion - auch, weil er im Gegensatz zu etlichen Parteigenossen keine Berührungsängste gegenüber dem lange ungeliebten neuen Partner hatte.Einen ersten Schub bekam Woidkes Karriere im Jahr 2004. Damals wurde er für fünf Jahre Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz. Davor war der Familienvater, der an der Humboldt-Universität in Berlin Landwirtschaft, Tierproduktion und Ernährungsphysiologie studiert hat, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Von Volkmar Krause

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