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Brandenburg Erneut mehr Frauen in Brandenburg sind Opfer häuslicher Gewalt
Brandenburg Erneut mehr Frauen in Brandenburg sind Opfer häuslicher Gewalt
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09:14 22.11.2019
2018 sind erneut mehr Frauen in Brandenburg Opfer häuslicher Gewalt geworden. Quelle: Sophia Kembowski/dpa (Symbolfoto)
Potsdam

Auch im vergangenen Jahr sind laut brandenburgischer Polizei wieder mehr Frauen als Opfer von aggressiven Ehemännern, Freunden und Vätern registriert worden. Demnach zählte die Kriminalpolizei in einem Lagebild zur sogenannten häuslichen Gewalt 2018 3131 Frauen und Mädchen, die geschlagen, bedroht oder sexuell genötigt wurden, wie die Polizei mitteilte. Das waren 117 Opfer mehr als im Jahr 2017. Bei 2140 der weiblichen Opfer war der Täter laut Statistik der Ehemann, Freund oder Ex-Freund.

Unter dem Begriff „häusliche Gewalt“ erfasst die Polizei vor allem körperliche Gewalttaten, aber auch sexuelle Übergriffe und psychische Gewalt gegenüber Menschen, die in enger persönlicher Beziehung zum Täter stehen - also auch Eltern, Kinder und Geschwister. Tatort kann die Wohnung, aber auch die Straße oder der Arbeitsplatz sein. Am 25. November will die Polizei zum internationalen „Tag gegen Gewalt an Frauen“ mit verschiedenen Aktionen für das Thema sensibilisieren.

Auch Männer werden zu Opfern

Laut dem Polizei-Lagebild stieg die Gesamtzahl der registrierten Opfer im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt 2018 um mehr als sechs Prozent (2018: 4258, 2017: 3997). Diese Opfer waren aber nicht nur Frauen: Rund ein Viertel waren männlich (1202). Dazu gehörten viele Jungen und männliche Jugendliche, die von Vätern oder Müttern geschlagen werden. Aber auch Männer, die von ihren Frauen drangsaliert wurden.

Betroffene geben sich selbst die Schuld

„Viele Betroffene sehen die Schuld bei sich“, sagt Uta Meissner vom Frauenhaus Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree). „Wenn eine Frau über Jahre klein gemacht wurde, ist ihr Selbstbewusstsein auf dem Tiefpunkt.“ In der Fürstenwalder Einrichtung stehen 9 Plätze für Frauen und ihre Kinder bereit. Derzeit leben dort aber 12 Menschen: 4 Frauen mit jeweils 2 Kindern „Wir sind immer voll. Das ist traurig“, sagt Marita U., die inzwischen nicht mehr als Bewohnerin, sondern als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Haus hilft.

21 Frauenhäuser und Schutzwohnungen mit insgesamt 287 Plätzen gibt es derzeit in Brandenburg. Die Istanbul-Konvention, die Deutschland im Oktober 2017 unterzeichnet hat, setzt einen Mindeststandard von einem Familienplatz im Frauenhaus pro 10 000 Einwohner voraus. Nach der Berechnung benötigt Brandenburg 648 Betten. Mit dem Defizit von 361 Betten liegt das Land im unteren Mittelfeld, sagt Sylvia Haller von der Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF). Deutschlandweit fehlen nach ZIF-Angaben 15 021 Betten.

Platzmangel: Frauen werden abgewiesen

Im vergangenen Jahr nahmen die Frauenhäuser in Brandenburg 540 Frauen auf, wie sich aus einer Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage ergibt. Hinzu kamen 690 Kinder. Im Jahr 2017 waren es 512 Frauen und 625 Kinder. Damals mussten 378 Frauen aus Platzmangel abgewiesen werden. Aktuellere Zahlen dazu liegen noch nicht vor.

Auch aus Sicht des Netzwerks der brandenburgischen Frauenhäuser ist die Anzahl der Plätze nicht ausreichend. Um Frauen und Kinder verbindlich und nachhaltig zu schützen, bedarf es einer gesetzlichen Regelung zur Frauenhausfinanzierung mit einheitlichen Vorgaben zu Personalschlüssel, Qualifizierung und Einstufungen, findet Vorstandsfrau Catrin Seeger. Derzeit werden die Häuser aus Landesmitteln, kommunalen Zuwendungen, unterschiedlich hohen Tagessätzen der betroffenen und Vereinsspenden finanziert.

Die neue Landesregierung hat im Koalitionsvertrag festgelegt, Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder entschlossen zu bekämpfen. Dazu soll die Istanbul-Konvention umgesetzt werden. Auch will die Koalition sich dafür einsetzen, dass Geld aus Investitionsprogrammen des Bundes baulichen Maßnahmen in Frauenschutzeinrichtungen zugutekommen.

Von dpa/RND