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Brandenburg Gesamtschulen in Brandenburg sehr beliebt
Brandenburg Gesamtschulen in Brandenburg sehr beliebt
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21:18 28.04.2014
Gesamtschulen sind in Brandenburg gerade sehr beliebt. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Anteil der Erstwünsche bei den staatlichen Gesamtschulen liegt für 2013/14 bei 16,8 Prozent, wie aus Zahlen des Bildungsministeriums hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es 15,7 Prozent.

Als Hauptgrund für die starke Nachfrage sieht der Landeselternrat die Angst vor der 2012 verkürzten Schulzeit am Gymnasium. An Gesamtschulen legen Schüler weiter erst nach 13 Jahren die Abiturprüfung ab. „Viele Eltern halten das längere Lernen für besser“, sagt Sprecher Wolfgang Seelbach. Der Stress am Gymnasium habe deutlich zugenommen. Viele Schüler müssten Sport- oder Musikaktivitäten am Nachmittag streichen, weil sie die Zeit für Schularbeiten benötigen. Die Gesamtschulen böten zudem oft ein breiteres Unterrichtsspektrum als Gymnasien.

„Das 13-jährige Abitur gewinnt an Akzeptanz“, sagt auch Thomas Drescher, Leiter der Paul-Dessau-Schule in Zeuthen (Dahme-Spreewald), die im August vier statt drei siebte Klassen einrichten wird. Dennoch müssen 62 Schüler abgelehnt werden. An der Kantschule in Falkensee (Havelland) gehen mehr als 100 Kinder leer aus. Ähnlich die Lage in Rathenow (Havelland), Potsdam und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark).

15.899 Siebtklässler

  • Für das Schuljahr 2014/15 haben sich laut Potsdamer Bildungsministerium 15<ET>899 Schüler für die weiterführenden Schulen angemeldet.
  • Bei den Anmeldungen an Gymnasien verringert sich die Anwahlquote von 47,7 auf 46 Prozent.
  • Der Anteil der Erstwünsche für die Gesamtschulen liegt bei 16,8 Prozent (2013: 15,7). 37,6 Prozent der Schüler wollen an eine Oberschule, ein Prozent mehr als 2013.

Andere Regionen haben komplett das Nachsehen: Selbst wenn man die freien Träger einbezieht, gibt es in Spree-Neiße, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Prig nitz und Brandenburg/Havel keine einzige Gesamtschule. Dort könnten Schüler aber an beruflichen Gymnasium nach 13 Jahren das Abitur ablegen, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding. Eine komplette Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren schließt er aus. Die meisten Eltern hätten kein Problem mit der zwölfjährigen Schulzeit. Niedersachsen hat nach Elternprotesten als erstes Bundesland beschlossen, die Gymnasialzeit wieder zu verlängern. Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen erwägen es.

Mehr 13-jährige Angebote könne das Land nicht schaffen, so Breiding. Die Entscheidung, eine Schule zu gründen, liege bei den Kommunen als Träger. In Elstal (Havelland) etwa soll eine Ober- in eine Gesamtschule umgewandelt werden. Damit nehmen die Kommunen ein Stück weit zurück, was 2005 noch unter Rot-Schwarz umgesetzt wurde: Die Umwandlung der Gesamtschulen ohne gymnasiale Oberstufe in Oberschulen.

Die Oberschulen müssten noch besser auf das Berufsleben vorbereiten, um akzeptiert zu werden, so Elternvertreter Seelbach. „Die Oberschule hat einen Geburtsfehler“, meint auch Günther Fuchs, Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Neben dem Gymnasium müsse das Land eine zweite Schulform anbieten, die alle Bildungsgänge ermöglicht. An Oberschulen kann maximal die mittlere Reife erworben werden.

MAZ-KOMMENTAR

Missglückte Reform

Der Trend zeigt sich schon seit Jahren: Die in Brandenburg eigentlich als Auslaufmodell gedachten Gesamtschulen erfreuen sich riesiger Beliebtheit. Der Ansturm auf die verbliebenen Einrichtungen ist sogar so groß, dass nicht alle Schülerwünsche erfüllt werden können. Das ist ein Problem, zumal es in einigen Regionen weiße Flecken, sprich gar keine Gesamtschulen gibt: Nicht jeder bekommt in Brandenburg die Bildung, die er gerne möchte.

Die Beliebtheit der Gesamtschulen hat mehrere Gründe: Die meisten Einrichtungen sind auf Ganztag ausgerichtet. Zudem können die Gesamtschulen, die oft mehr Schüler aufnehmen als Gymnasien, mehr Angebote vorhalten. Der entscheidende Vorteil, den immer Eltern zu schätzen wissen: Die Gesamtschule lässt den Kindern im Vergleich zum Gymnasium ein Jahr mehr Zeit bis zum Abitur.

Fast zehn Jahre danach muss man also feststellen: Brandenburgs Schulstrukturreform von 2005 ist nicht richtig geglückt. Von einem zwei- auf ein dreigliedriges System umzustellen, war angesichts des Schülerrückgangs nötig. Aber: Die Oberschule als nun zweite Säule neben dem Gymnasium hat noch immer Akzeptanzprobleme – vor allem deshalb, weil sie nicht zum Abitur führt. Eltern wünschen sich eine Schulform, die auch Spätzündern ohne weiteren Schulwechsel alle Möglichkeiten offenlässt. Die Gesamtschule eben. Das hat Rot-Schwarz seinerzeit verkannt.

Von Marion Kaufmann

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