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Brandenburg Brandenburgs Radwege verfallen
Brandenburg Brandenburgs Radwege verfallen
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08:01 04.08.2014
Viele Radwege müssen schon bald saniert werden - doch das Geld fehlt vielerorts. Quelle: Peter Geisler
Potsdam

Dem vielgerühmten Brandenburger Radwegenetz droht in den nächsten Jahren der langsame Verschleiß. Davor warnt der Brandenburger Landestourismusverband (LTV). Wenn nicht ausreichend Geld in die Pisten fließe, werde sich deren Zustand stetig verschlechtern, so der LTV-Vorsitzende und Landtagspräsident Gunter Fritsch. Das Problem: Die chronisch klammen Kommunen sind nach Ansicht des LTV mit der Instandhaltung der Wege finanziell überfordert.

Rund 7000 Kilometer umfasst das touristische Radwegenetz im Land insgesamt. Für den überwiegenden Teil davon seien nach derzeitigem Stand die Kommunen verantwortlich, so LTV-Geschäftsführer Peter Krause. Zwischen fünf und acht Millionen Euro koste die Pflege jährlich. „Diese Kosten können die betroffenen kleinen Gemeinden oftmals aber nicht stemmen“, so Krause. Bereits jetzt wiesen mehrere Abschnitte der Radwegeinfrastruktur erhebliche Mängel auf. „So ist beispielsweise der Streckenabschnitt zwischen Wittenberge und Perleberg sanierungsbedürftig, da hier viele Wurzeln an die Oberfläche brechen.“ Dies sei gefährlich und schade dem Tourismus. Deshalb brauche man ein Programm, das Kommunen finanziell entlasten und die Instandhaltung koordinieren hilft.

RADTOURISMUS BOOMT

  • Mit 18 zertifizierten Routen ist das Brandenburger Radwegenetz derzeit noch so gut wie nirgends sonst in Deutschland.
  • 850 Millionen Euro und damit rund 25 Prozent des gesamttouristischen Umsatzes macht der Radtourismus jährlich im Land Brandenburg aus.
  • 21 Prozent der Brandenburg-Urlauber geben an, dass Fahrradfahren die wichtigste Aktivität gewesen sei.

Beim Potsdamer Infrastrukturministerium sieht man indes keinen Anlass für eine Radler-Offensive. „Wir können stolz sein auf unser Radwegenetz“, sagt Sprecher Lothar Wiegand. In der Tat müsse künftig viel für die Pflege der Wege ausgegeben werden, da auch viele Kilometer gebaut wurden. Aber die Kommunen würden schon jetzt mit Fördermitteln unterstützt. Zudem liege der Erhalt der Wege im kommunalen Interesse.

„Die Städte und Gemeinden haben viel für ein funktionierendes Radwegenetz getan“, entgegnet Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes. Davon profitiere das Land insgesamt. „Es klopfen sich ja auch immer alle auf die Schultern, weil der Tourismus boomt.“ Zusätzlich zur Pflege der Pisten müsse man auch für eine bessere Vernetzung zwischen öffentlichem Personennahverkehr und Radwegenetz sorgen, findet die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher. Deshalb sei es problematisch, dass das Land die Mittel für Radwege gekürzt hat – von 8,6 Millionen im Jahr 2011 auf 2,3 Millionen 2014. Das Land ist für das 2000 Kilometer lange Radwegenetz an Bundes- und Landesstraßen verantwortlich, das sich teils mit dem touristischen Netz überschneidet.

MAZ-KOMMENTAR

Rechtzeitig handeln
Die Qualität der Brandenburger Radwege ist eines der stärksten Argumente für einen Urlaub in der Mark – und sollte deshalb nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Immer wieder melden die Tourismusverbände neue Rekorde bei Gästen und Übernachtungen. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Radtouristen, wie Umfragen belegen. Wer in Brandenburg Urlaub macht, tut das vielleicht nicht nur, aber meistens auch wegen der gut ausgebauten Fahrradpisten. Selbst der Städtetourist, der in erster Linie Schloss Sanssouci sehen will, lässt es sich oft nicht nehmen, auch einen Tag in die Pedale zu treten, um beispielsweise einen Ausflug zum Schwielowsee zu machen.

Dass sich Brandenburg als radfahrerfreundliches Pflaster so etablieren konnte, ist eine Gemeinschaftsleistung von Kommunen und Land. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Erst munter Wege zu bauen, ohne dann Pflege und Instandhaltung ausreichend abzusichern, ist kurzsichtig und könnte dem Tourismusstandort spätestens in einigen Jahren schaden.

Deshalb ist es gut, dass der Tourismusverband rechtzeitig Investitionen anmahnt. Land und Kommunen müssen sich gemeinsam eine Strategie überlegen, wie die Radwege auch künftig in Schuss gehalten werden können.

Von Angelika Pentsi

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