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Brandenburg Warum es 2019 Zeit für märkischen Mut ist
Brandenburg Warum es 2019 Zeit für märkischen Mut ist
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16:47 30.12.2018
Quelle: dpa/Pleul
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Potsdam

Dietmar Woidke wiederholt sich gern. Zumindest wiederholt Brandenburgs Ministerpräsident gerne Sätze und Redewendungen, die seiner Meinung nach mal gut funktioniert haben. Bei Reden, Empfängen oder im direkten Gespräch sagt der märkische SPD-Chef dann eben sehr oft: „Der Brandenburger freut sich eher so nach innen“. Sicher, damit ist viel vom Naturell des Märkers erfasst – aber wohl auch viel über das Naturell des brandenburgischen Ministerpräsidenten. Er mag es nicht so prätentiös, er mag es nicht laut und er mag auch den Streit nicht. Er ist kein Ministerpräsident, der nach vorne prescht, sein Bundesland auch mal in bundesweiten Debatten in der ersten Reihe vertritt oder auf den Tisch haut, wenn ihm etwas nicht passt. Nicht weiter auffallen, nach innen arbeiten, nach innen freuen. Das märkische Konzept wird im Jahr 2019 an seine Grenzen stoßen.

Jetzt beginnt für Brandenburg das wichtigste Wahljahr seit Gründung des Bundeslandes  – erst die Kommunal- und Europawahlen im Mai, dann Landtagswahlen im September. Die Menschen haben nach diesem ablaufenden Jahr viele Fragen an die Politik – das wird Woidke nicht nur bei seinem neuen Bürgerdialog erfahren haben. Es sind Fragen nach der Kinderbetreuung, dem Straßenausbau, der Infrastruktur im Land, nach der Rückkehr des Wolfes oder die Sorge über die Kriminalität, auch durch Flüchtlinge. In Cottbus war das 2018 besonders zu sehen. Es sind auch Fragen nach Gerechtigkeit, nicht nur zwischen Ost und West, auch der Dieselskandal lässt weiter viele ratlos zurück – vor allem der politische Umgang damit. Nicht alles liegt in den Händen der Landespolitik, doch eine lautere, märkische Stimme wünschte sich manch einer doch.

Immer war das Land in SPD-Hand, meist schafften es die Landesväter Stolpe und Platzeck auszustrahlen, dass es schon werde, man kümmere sich. Dietmar Woidke ist das in letzter Zeit nicht gelungen – auch, weil sein zentrales Projekt für Brandenburg, die Kreisreform, krachend gescheitert ist. Es hat sicher viele kleine Verbesserungen gegeben, zuletzt vor allem im Bildungsbereich oder im Ehrenamt. Doch wofür steht Brandenburg, wofür steht es ein? In der Image-Kampagne hat man sich dieses Jahr für den Slogan „Es kann so einfach sein“ entschieden – politisch bleibt es weiterhin vage. Auch CDU-Chef Ingo Senftleben wird nicht müde, das zu betonen. Ihm ist es gelungen, die zerstrittene märkische CDU zu einen – selten war die Chance für die Christdemokraten größer, die SPD einzuholen. Selten war unklarer, was das wiederum heißt.

Klar ist:  Brandenburg ist ein starkes Land mit besten Aussichten – nicht nur, aber auch weil der Berlin-Boom abstrahlt. Aber auch, weil hier viele Menschen sind, die einfach mal anpacken und Dinge besser machen wollen – besonders im Ehrenamt zeigt sich das Tag für Tag. Nun braucht es den märkischen Mut auch in der Politik. Nicht nur nach innen.