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Brandenburg Schweinepest: Zaun gegen Ausbreitung steht - Landwirte besorgt
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Brandenburg: Zaun gegen Schweinepest-Ausbreitung steht - Landwirte besorgt

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17:44 13.09.2020
12.09.2020, Brandenburg, Groß Drewitz: Der Elektrozaun um das Kerngebiet, nahe dem Fundort eines mit ASP infizierten Wildschweins, ist bereits aufgebaut. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbid/dpa
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Im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat Brandenburg erste Tatsachen geschaffen. Ein 12 Kilometer langer mobiler Elektrozaun in einer Kernzone rund um den Fundort des mit ASP infizierten Wildschweins in den betroffenen Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree steht. Die Arbeiten seien bereits am Samstag abgeschlossen worden, wie das Gesundheitsministerium am Sonntag mitteilte. Der Landesforstbetrieb hatte den Aufbau mit Mitarbeitern unterstützt.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD), zwei seiner Minister und eine Ministerin informierten sich am Samstag vor Ort über den Stand des Zaunbaus gegen die Schweinepest. „Bei den Maßnahmen, die wir ergreifen, stehen wir in der Verantwortung für ganz Brandenburg, wir stehen in der Verantwortung für ganz Deutschland“, sagte Woidke in Groß Drewitz nahe dem Fundort des mit ASP infizierten Wildschweins. Es gehe jetzt darum, dass durch den Zaun keine Wildschweine aus der Kernzone in einem Radius von drei Kilometern herauskommen, möglicherweise andere Tiere infizieren und die Krankheit auf andere Regionen übertragen.

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12.09.2020, Brandenburg, Groß Drewitz: Vor einem Elektrozaun geben Dietmar Woidke (SPD, r-l), Ministerpräsident von Brandeburg, Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Verbraucherschutzministerin von Brandenburg, und Michael Stübgen (CDU), Innenminister von Brandenburg, eine Pressekonferenz. Brandenburgs Regierungschef Woidke und drei Minister haben am Samstag dort den Stand des Zaunbaus um das Kerngebiet gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) informiert. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbid/dpa

Suche soll ausgeweitet werden – Hubschraubereinsatz und Hundestaffel bei Bedarf

Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) kündigte an, die Suche nach totem Wild auszuweiten, damit möglichst viele Proben eingesandt werden können. Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte zu, bei Bedarf für die Suche Polizeihubschrauber mit hochauflösender Wärmebildtechnik zur Verfügung zu stellen.

Auch eine spezielle Hundestaffel aus Schleswig-Holstein könnte die Suche nach Schwarzwild unterstützen, sagte Nonnemacher. Eine Anfrage gebe es, hatte Stefanie Hausser, Hundeausbilderin bei der Segeberger Kreisjägerschaft, bestätigt. Die Hunde sind ihr zufolge darauf trainiert, verendete Wildschweine aufzuspüren und lebende Schweine anzuzeigen, die eventuell geschossen werden müssen. Ein Hund ersetze etwa zehn Sucher, ergänzte der Landrat des Spree-Neiße-Kreises, Harald Altekrüger (CDU).

Auch Berlin rüstet sich

Derweil rüstet sich auch Berlin für den Fall, dass in der Hauptstadt ein ASP-Fall nachgewiesen werden könnte. Sperrzonen und Wildfangzäune sollen dann eine Ausbreitung verhindern. Zur Anschaffung des Zaunmaterials hat sich eine Reihe von Bezirken aus allen Teilen Berlins zusammengetan, wie ein Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz am Samstag sagte.

Am Donnerstag war in Brandenburg der erste Kadaver eines Wildschweines mit dem ASP-Virus bestätigt worden. Es ist der erste bekannte Fall in Deutschland. Entdeckt wurde das tote Wildschwein auf einem abgeernteten Maisfeld sieben Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Um den Fundort wurde eine Kernzone mit einem Drei-Kilometer-Radius eingerichtet und ein vorläufiges gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern festgelegt. Zu diesem Gebiet gehören auch Teile des Landkreises Dahme-Spreewald.

Rund 20 Schweinehalter im Gefährdungsgebiet – Landwirte sorgen sich

In der gefährdeten Zone gibt es rund 20 Schweinehalter, ein Halter mit 5000 Schweinen ist sieben Kilometer vom Fundort entfernt. Es geht um eine Fläche von 70.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, die derzeit nicht bewirtschaftet werden kann. Betroffene Landwirte äußerten beim Besuch der Landespolitiker ihre Sorgen. Darunter waren Bauern, die Futtermittel anbauen. Sie dürfen ab kommendem Montag nicht mehr ernten. Dann tritt in den drei Landkreisen, die in dem Gefährdungsgebiet von bis zu 24 Kilometern liegen, eine Allgemeinverfügung in Kraft, die Beschränkungen für den Tierverkehr festlegt und ein Betreten von Feldern und Wäldern untersagt.

Landwirtin Dajana Bähr-Jurack bewirtschaft in der Gefahrenzone knapp 250 Hektar Land und hat etwa 400 Rinder und Kälber. Sie fürchte, dass dem Betrieb das Futter ausgehe, weil nun die Winterbestellung ausfalle, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Wir warten und können nichts tun.“ „Wir haben auch rein rechtliche Hürden, die wir dann nicht mehr einhalten können, zum Beispiel die Düngungsplanung“, ergänzte Landwirt Christoph Schulz. Es gebe Fragen über Fragen, wie er weiter arbeiten solle, wenn die Bewirtschaftung der Flächen ruhen muss.

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Umweltminister Axel Vogel (Grüne) wies auf das große Problem für die Schweinehalter in der Region hin. Es gebe mittlerweile im ganzen Land Probleme mit dem Schweineabsatz aus Brandenburg, sagte der Minister. Schlachthöfe in Deutschland seien nicht mehr bereit, Schweine aus Brandenburg anzunehmen. Das sei eine schwierige Situation.

Bauern fürchten Stigmatisierung

Noch schärfer formulierte es der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Schweinezucht (IGS) Brandenburg. „Es ist derzeit eine Stigmatisierung der Brandenburger Landwirte im Gange, dass die Schlachthöfe keine Schweine mehr schlachten wollen aus Brandenburg“, sagte Hans-Christian Daniels der dpa. Er forderte die Politik auf, das sofort zu ändern. Es dürften nicht alle Landwirte unter Generalverdacht stehen, sagte Daniels, der selber Landwirt ist. Das wäre „ganz, ganz schlecht für die Brandenburger Schweineproduktion“. Daniels hält das Risiko für das Einschleppen der Schweinepest in professionell geführten Betrieben für gering, wenn die Bio-Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden.

Ministerpräsident Woidke sagte am Samstag an die Landwirte gerichtet, in den kommenden Wochen werde es darum gehen, eine Verständigung zu finden, wie sie ihren Betrieb wieder möglichst normal fortsetzen können. Das werde keine leichte Aufgabe, betonte er.

Von dpa

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