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Brandenburg Wie sich Brandenburgs Wirtschaft auf den harten Brexit vorbereitet
Brandenburg Wie sich Brandenburgs Wirtschaft auf den harten Brexit vorbereitet
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01:16 19.01.2019
Flugzeugtriebwerk-Bau bei Rolls-Royce. Quelle: dpa/Ralf Hirschberger
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Potsdam

Nach dem Scheitern des Brexit-Deals im Londoner Unterhaus bereiten sich Unternehmen und Politik in Brandenburg auf Turbulenzen vor. Beim britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce mit seinen 3000 Beschäftigten am Standort Dahlewitz (Teltow-Fläming) sind die Lager aufgefüllt worden – „als Notfallmaßnahme“, wie das Unternehmen in einem Geschäftsausblick mitteilte. Dies sei angeraten, „um einer Unterbrechung im Service für unsere Kunden vorzubeugen“, äußerte ein Unternehmenssprecher in Dahlewitz. Man arbeite weiter gemeinsam mit der Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union (EASA) außerdem daran, die Lizenzvergabe für Großtriebwerke von England nach Deutschland zu verlagern.

Rolls Royce ist eines der größten Unternehmen in Brandenburg. Es stellt Flugzeugtriebwerke her, deren Komponenten aus vielen europäischen Ländern stammen. Bei einem unkontrollierten Ausscheidens der Briten aus der EU dürften Turbinen, die in Großbritannien zugelassen sind, vermutlich nicht mehr in der EU genutzt werden. Unternehmens-Chef Warren East hatte kürzlich in der „Times“ auf einen EU-Ausstiegsvertrag gedrängt.

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Woidke kümmert sich persönlich um Rolls-Royce

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den Kontakt zu Rolls-Royce zur Chefsache gemacht, weiß er doch um die überragende Bedeutung des Industriebetriebs für die märkische Wirtschaft. „Der Brexit zeigt auf erschreckende Weise, in welches Chaos populistische Debatten führen können – das sollte allen eine Lehre sein“, sagte Brandenburgs Regierungschef. Europaminister Stefan Ludwig (Linke) sagte mit Blick auf Brandenburger Bürger in Großbritannien und die 1001 im Bundesland lebenden Briten: „Wir tun für sie, was wir können.“

Der Brexit „verunsichert die direkt betroffenen Unternehmen. Das wissen wir aus der jüngsten Konjunkturbefragung im Herbst“, sagt Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Alle Unternehmen müssten „prüfen, inwieweit sie mit britischen Firmen in Verbindung stehen oder sogar von ihnen abhängig sind“.

Handel mit Großbritannien wuchs 2018

Brandenburg exportierte laut Wirtschaftsministerium im Jahr 2017 Waren im Wert von 450 Millionen Euro nach Großbritannien. Damit lagen die Briten auf Rang acht der märkische Export-Rangliste. Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich lagen sogar bei 967 Millionen Euro – das ist Rang drei. 2018 stiegen die Ausfuhren nach vorläufigem Stand um 4,1, die Ausfuhren nach Großbritannien um 7,5 Prozent. 30 britische Unternehmen sind in Brandenburg tätig.

Für den Fall eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens stehe „die Zukunft wichtiger Arbeitgeber in Brandenburg infrage, weil beispielsweise deren Perspektive als Zulieferer für den europäischen Hersteller Airbus auf dem Spiel steht", warnte der EU-Parlamentarier Christian Ehler (CDU). Sogar die „Einstellung des Waren- und Flugverkehrs“, wäre nicht auszuschließen, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen.

Bei der Fluglinie British Airways ist man optimistischer. Die Flüge von und nach Berlin würden „normal weiter geführt“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Jets des Unternehmens hätten technische Zulassungen der britischen und europäischen Behörden für Flugsicherheit. Man sei „zuversichtlich“, den Kontrollregeln nach einem Brexit zu genügen.

Von Ulrich Wangemann