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Brandenburg Brandenburg, das Tropenhaus Deutschlands
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19:20 19.02.2020
Auch die Landeshauptstadt wurde im Juli von viel Regen heimgesucht.
Auch die Landeshauptstadt wurde im Juli von viel Regen heimgesucht. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Dieser Tage droht das Wasser zu jeder Zeit und von allen Seiten. Mitten in der Nacht im Bett, wenn es noch dunkel und das Laken nassgeschwitzt ist. Auf dem Weg in den Feierabend, wenn der nächste Regensturm auf märkischen Boden niedergeht. Das Wetter macht den Leuten zu schaffen. Wenn es nach dem bisherigen Verlauf des Sommers ginge, müsste man Brandenburg mit dem Finger auf der Landkarte im tropischen Regenwald suchen.

Hans-Werner Voß ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Aus ihm sprechen mehr als 40 Jahre Berufserfahrung. Er kennt die Launen des mitteleuropäischen Sommers, der mal trocken oder kühl daherkommt. Oder heiß und feucht, wie gerade. "Das hat man nicht jedes Jahr, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum", sagt Voß über die tropische Wetterlage, die Brandenburg eingenommen hat.

So sieht der Sommer in Brandenburg aus. Wie genießen Sie den Sommer? Fotos für diese Galerie an online@maz-online.de.

Am Dienstagnachmittag fiel in Potsdam beinahe so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat. 46 Liter pro Quadratmeter Niederschlag verzeichnete der DWD binnen 24 Stunden. Brück (Potsdam-Mittelmark) brachte es auf 49 Liter. Weiter oben im Norden, jenseits der Landesgrenze, fielen am Mittwochvormittag stellenweise mehr als 80 Liter. Die Regenflut verwandelte mecklenburgische Touristenorte wie Plau am See und Waren an der Müritz in übergroße Nasszellen.

Schuld daran ist eine Tiefdruckrinne, die sich vom Seegebiet nördlich von Schottland über hiesige Breiten bis nach Südeuropa erstreckt, wie Wetterexperte Voß erklärt. „Unter dem Tiefdruckeinfluss kommt es nur zu einer geringen Luftbewegung. In der Folge ziehen auch Gewitter nur sehr langsam und blitzreich voran.“ Es ist nicht so, dass das Wasser von oben Abkühlung mit sich brächte. Nachts fallen die Temperaturen kaum unter 20 Grad Celsius. „Diese Tropennächte kennt man sonst nur in südlichen Gefilden“, sagt Voß.

Brandenburg ist das deutsche Kalifornien

Schon im Mai 2014 erreichte uns diese frohe Meldung: Brandenburg ist das deutsche Kalifornien. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kommt die Mark auf 1728 Sonnenstunden seit 2009. Das ist heißer Rekord in Deutschland.

Der Meteorologe ist kurz angebunden. Er muss die nächste Warnung rausgeben. Am Mittwochnachmittag zog sich auf der Internetseite des DWD von der Uckermark bis ins Havelland ein rot-orangefarbener Streifen quer über die märkische Wetterkarte. Es drohen einmal mehr neue Unwetter. Erst am Dienstagabend hatten Gewitterstürme in Brandenburg und Berlin unzählige Bäume entwurzelt und Keller geflutet. Ein Blitz setzte im Berliner Ortsteil Buckow eine Doppelhaushälfte in Brand und verursachte laut Feuerwehr einen erheblichen Sachschaden. Allein in Potsdam verzeichnete die Regionalleitstelle Nordwest der Feuerwehr 31 Einsätze. Aus vollgelaufenen Kellern und Tiefgaragen sowie in überfluteten Straßen musste Wasser abgepumpt werden. In den Landkreisen Havelland, Prignitz und Ostprignitz-Ruppin stürzten Bäume um. Zu Schaden kam niemand.

Tipps gegen die schwüle Hitze

  • Trinken, trinken, nochmals trinken. Wasser und ungesüßter Tee beugen Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufproblemen vor. Obst unterstützt den Flüssigkeitsaustausch.
  • Kleine und verträgliche Speisen. Für Sommertage empfehlen sich leichte Salate. Salzhaltige Nahrung gleicht den Verlust lebenswichtiger Mineralien und Elektrolyte beim Schwitzen aus.
  • Auf die richtige Kleidung setzen. Baumwolle saugt Schweiß auf und kühlt den Körper durch Verdunstung. Helle Farben machen sich besonders gut. Luftige, weite Klamotten sind eng anliegender Kleidung vorzuziehen.
  • Tagsüber die Fenster schließen. Nachts lüftet es sich besser. Aber: Mit der Zugluft steigt die Erkältungs gefahr.
  • Unter freiem Himmel nächtigen. Auf Balkon, Terrasse oder im Garten schläft es sich in Tropennächten jenseits 20 Grad Celsius besser.
  • Anstrengungen vermeiden. Heiße Tage sollten möglichst ruhig angegangen werden. Sportliche Aktivitäten verlagert man am besten in den frühen Morgen oder Abend.
  • Lauwarm duschen. Zu kalte, zu heiße oder gar Wechselduschen bringen den Wärmehaushalt des Körpers unnötig durcheinander. So rinnt nach einer Eisdusche der Schweiß genauso stark wie vorher.
  • Klimaanlagen nicht zu kühl einstellen. Allgemein liegt die Wohlfühltemperatur um 22 Grad Celsius. Auf nicht zu große Unterschiede zur Außentemperatur achten. Eine Differenz von sechs Grad Celsius ist ausreichend.

Brandenburg hatte zwar im Juli mit 262 die meisten Sonnenstunden aller Bundesländer, liegt aber sonst im Bundestrend. Überall war der Monat zu nass und zu heiß, bilanziert der DWD. 128 Liter regnete es pro Quadratmeter im Durchschnitt, normal sind 78 Liter. Was die Temperaturen anging, konnte der Nordosten den Süden und Westen übertreffen. Brandenburg avancierte zum Tropenhaus Deutschlands. So brachte es das uckermärkische Angermünde auf 14 Julitage mit mehr als 30 Grad Celsius. Im Bundesdurchschnitt lag die Temperatur im Juli um 2,3 Grad über dem langjährigen Mittel. Kein Wunder also, dass es zuletzt so häufig blitzte und donnerte. Je wärmer es ist, desto wahrscheinlicher werden extreme Wetterlagen.

Wer sich auf der Seite klimafolgenonline.com durch das vergangene Jahrhundert klickt, sieht Brandenburg zunächst in ein helles Grün getaucht, das mit den Jahrzehnten immer dunkler wird. Die mittlere Tagestemperatur hat seit 1900 unaufhörlich zugenommen, das will das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) deutlich machen. In den kommenden Jahrzehnten wird sich in Brandenburg zusehends die Farbe Gelb breit machen. Im Vergleich zum frühen 20. Jahrhundert wird die mittlere Tagestemperatur nach Berechnungen des PIK von acht auf zwölf Grad Celsius angestiegen sein.

Von Bastian Pauly

Brandenburg im Juli zweitwärmstes Bundesland

Nach Auskunft des DWD brachte der Monat Juli Hitze, extreme Unwetter und sehr viel Regen. Bundesweit hat es im Schnitt 128 Liter pro Quadratmeter geregnet - normal sind laut Wetterdienst 78 Liter. Es war nicht nur zu nass, sondern auch zu warm: Die Durchschnittstemperatur lag mit 19,2 Grad um 2,3 Grad über dem langjährigen Mittel. Besonders warm war es im Nordosten: Berlin war im Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 21,7 Grad Celsius das wärmste deutsche Bundesland - dicht gefolgt von Brandenburg, das auf 21 Grad und damit auf den zweiten Platz kam.

Die Sonne zeigte sich in Brandenburg mit 262 Stunden deutlich länger als im Deutschlandmittel, das bei 222 Stunden lag. Bei Niederschlägen von 92 Litern auf den Quadratmeter war es in Brandenburg trockener als im Durchschnitt aller Bundesländer, der 128 Liter auf den Quadratmeter aufwies. Als Konsequenz galt beispielsweise am 23. Juli in ganz Brandenburg die höchste Waldbrandwarnstufe.In Angermünde in Brandenburg registrierte der DWD 14 Tage mit mehr als 30 Grad.

MAZonline

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