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Brandenburg Brandenburg ermittelt erstmals Gesamtkosten für Kitas: 1,5 Milliarden Euro für rund 2000 Einrichtungen
Brandenburg

Brandenburg ermittelt erstmals Gesamtkosten für Kitas

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17:29 22.09.2021
Rund 1,5 Milliarden Euro sind in die Kitas in Brandenburg geflossen.
Rund 1,5 Milliarden Euro sind in die Kitas in Brandenburg geflossen. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Potsdam

 Brandenburg steht bei der Finanzierung seiner Kitas im bundesweiten Vergleich gut da. Laut einer aktuellen Studie wurden im vergangenen Jahr knapp 1,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der fast 2000 Kitas im Bundesland eingesetzt. Ein Großteil der Gelder kommt aus öffentlichen Haushalten.

In Brandenburg werde sehr viel öffentliches Geld für die Kindertagesbetreuung ausgegeben, sagte Projektleiter Mario Hesse von der Universität Leipzig am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie zur Finanzierung der Kitas in Brandenburg. Mit Elternbeiträgen von knapp 12 Prozent liege das Bundesland im bundesweiten Vergleich bei Weitem nicht in der Spitzengruppe.

Daten von 132 Kitas aus allen Landkreisen

An der Studie im Auftrag des brandenburgischen Bildungsministeriums waren ein Forschungszentrum der Universität Leipzig, das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) und Juristen der Universität München beteiligt. Dafür wurde eine Stichprobe von Daten aus 132 Kitas aus allen Teilen des Bundeslandes ausgewertet. Damit liege nun eine gute Datenbasis für politische Entscheidungen vor, die über Schätzungen und die Auswertung amtlicher Statistiken hinausgehe, sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Thomas Lenk. Ähnlich detaillierte Studien gebe es in anderen Bundesländern bisher nicht, sagte Projektleiter Hesse.

Laut der Studie sind die Gesamtkosten für die Kitas in Brandenburg seit 2018 von 1,3 Milliarden auf 1,5 Milliarden gestiegen. Die Ausgaben des Landes nahmen von 2018 bis 2020 von 414,1 Millionen auf 558,5 Millionen Euro zu, darin sind auch Bundesmittel enthalten. Der Anteil des Landes an den Gesamtkosten kletterte von 31,9 Prozent auf 37,5 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Elternbeiträge von 14,9 Prozent auf 11,8 Prozent.

Großteil der Kosten geht ans Personal

Die jährlichen Kosten pro Betreuungsplatz lagen 2018 bei knapp 12.900 Euro im Krippenbereich, bei rund 7.700 Euro bei den Drei- bis Sechsjährigen und bei gut 4.300 Euro im Hortbereich. Rund 75 Prozent der Ausgaben entfallen der Studie zufolge auf die rund 23.000 Beschäftigten, der Großteil davon auf das pädagogische Personal. Damit werde abgebildet, dass die Kinderbetreuung eine „sehr personalintensive Dienstleistung“ sei, sagte Hesse. Die Kosten der kommunalen Träger lägen vor allem aufgrund tariflicher Verpflichtungen über denen der freien Träger. Der Rest der anfallenden Kosten sind Sachkosten. Hierbei machen die Kosten für Grundstück und Gebäude den größten Anteil aus.

„Mit den nun vorliegenden Ergebnissen der Studie wissen wir erstmals, wie viel Geld im System Kindertagesbetreuung steckt und wer die Kitas mit wie viel Geld finanziert“, sagte Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Die Studie sei eine wichtige Voraussetzung für die geplante Reform des Kita-Rechts, das bisher als intransparent und zu kompliziert kritisiert worden sei. Um konkrete Schlussfolgerungen aus der Studie zu ziehen, sei es jedoch noch zu früh.

Streit um Kosten der Kitabeiträge

Die Reform des Kita-Rechts sieht unter anderem vor, den Bildungsauftrag der Kitas klarer zu definieren. Weitere Punkte des neuen Gesetzes sind die Gewinnung von Fachkräften und neue, bedarfsgerechte Angebote in den Kitas, außerdem soll die Frage der Finanzierung durch das Land und die Kommunen transparenter geregelt werden. Streit gibt es vor allem wegen der Kosten der Kitabeiträge, die von Kommune zu Kommune teils stark variieren. So sind sich Eltern, Träger und Gemeinden oft uneins darüber, welche Posten auf wen umgelegt werden dürfen. Auch hier soll das neue Gesetz für mehr Klarheit sorgen.

Es sei erfreulich zu sehen, welche großen Kraftanstrengungen das Land im Bereich der Kindertagesbetreuung in den letzten Jahren gemacht habe, sagt Ministerin Britta Ernst und kündigte an, dass bis Ende des Jahres ein Referentenentwurf für das neue Gesetz vorliegen solle. Ressortabstimmung und Beteiligung der Verbände seien bis Mitte 2022 geplant. Das neue Gesetz soll 2023 in Kraft treten. Zusätzlich würden zwei weitere Kita-Jahre beitragsfrei gestellt. Dazu komme die geplante Verbesserung der Betreuung.

Landesregierung: Beitragsfreiheit bis 2024

Danilo Fischbach, Sprecher des Brandenburger Kita-Elternbeirat, gehen die Anstrengungen des Landes nicht weit genug. „Uns wurde für 2022 ein weiteres gebührenfreies Jahr versprochen, das nun noch mal geschoben wurde.“, sagte er auf MAZ-Anfrage. Hintergrund der Kritik ist die Verschiebung der Beitragsfreiheit für das vorletzte Kita-Jahr um ein Jahr. Auch die Frage der Kosten für Kitabeiträge sieht Fischbach bisher nicht gelöst. „Anstatt einer finanziellen Entlastung erleben wir momentan, dass in vielen Landkreisen die Beiträge von den Kommunen enorm angehoben werden.“

Die Landesregierung will bis zum Ende der Wahlperiode, die 2024 endet, die Kitas beitragsfrei machen. Momentan werden laut dem Bildungsministerium rund 185.000 Kinder in 1960 Kitas betreut.

Von Gesa Steeger