Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Brandenburg gedenkt Opfer des Nationalsozialismus
Brandenburg Brandenburg gedenkt Opfer des Nationalsozialismus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 27.01.2018
In der Gedenkstätte Lindenstraße wurde den Opfern des NS-Regiems gedacht. Quelle: Friedrich Bungert
Anzeige
Potsdam

In Brandenburg ist am Holocaust-Gedenktag an vielen Orten der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. In der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Sachsenhausen (Oberhavel) wurden am Samstagvormittag Kränze niedergelegt. Im Mittelpunkt stand hier die Erinnerung an norwegische Häftlinge

2500 Norweger waren dort ab 1943 inhaftiert, sie kamen mit mehreren Transporten an. Einige der Häftlinge bekleideten nach Ende des Zweiten Weltkrieges wichtige Regierungsämter in ihrer Heimat. Zu ihnen gehörten die späteren Ministerpräsidenten Einar Gerhardsen (1897-1987) und Trygve Bratelli (1910-1984). Bei der Veranstaltung lasen Schüler aus Oranienburg unter dem Motto „Es wird der Tag kommen“ aus Erinnerungsberichten norwegischer Häftlinge vor. Auch an die Namen der einzelnen Gefangenen wurde erinnert.

Anzeige

Im ehemaligen KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200 000 Menschen gefangen. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von Vernichtungsaktionen der SS. Das Lager wurde am 22. und 23. April 1945 durch sowjetische und polnische Soldaten befreit.

Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Dort waren von 1940 bis 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Insgesamt wurden unter nationalsozialistischer Herrschaft in Europa etwa sechs Millionen Juden ermordet. In Deutschland wird alljährlich an diesem Tag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Gedenken in der Landeshauptstadt

Gedenkstunde in der Gedenkstätte Lindenstraße. Quelle: Friedrich Bungert

Auch in der Landeshauptstadt Potsdam wurde an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am Vormittag fand die auf dem Willi-Frohwein-Platz statt. Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport, erinnerte in einer Ansprache an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 73 Jahren. Rund 50 Menschen kamen auf dem Platz zusammen, der an den 2009 verstorbenen Potsdamer Willi Frohwein erinnert. Frohwein wurde vom NS-Regime in die Lager in Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen inhaftiert. Er überlebte den nationalsozialistischen Terror und berichtete zeitlebens von seinen Erlebnissen und wurde eine mahnende Stimme.

Am frühen Nachmittag versammelten sich weitere 50 Menschen im Innenhof der Gedenkstätte in der Lindenstraße.

Claus-Peter Ladner, der Vorsitzenden der Fördergemeinschaft Lindenstraße 54, sagte zur Begrüßung: „Auf den Tag genau vor 73 Jahren, ebenfalls an einem Sonnabend, wurden nur noch wenige lebende Häftlinge aus dem Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit“. Man gedenke an diesem 27. Januar zudem allen Menschen, die Opfer der Nationalsozialisten wurden. In jedem Jahr werde dabei ein Schwerpunkt gelegt. 2018 standen die Menschen im Zentrum des Gedenkens, die Widerstand gegen die Gräueltaten der Nationalsozialisten geleistet haben.

Oberbürgermeister Jann Jakobs, der zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen hatte, erklärte: „Verbrechen an der Menschheit verjähren nicht. Deshalb gilt es, die Erinnerung an das geschehene Unrecht wachzuhalten. Aus der Erinnerung gilt es, den Auftrag wahrzunehmen und anzunehmen, Vergangenes nicht zu vergessen und unser Miteinander nach Maßstäben der Menschlichkeit zu gestalten.“

Jakobs mahnte eindringlich, dass man „ein tiefes historisches Verständnis brauche, wie es zu Terror, Verbrechen und Krieg kommen konnte“. Die Lindenstraße sei als Gedenkort ein „authentischer Ort, der Gewalt und Unterdrückung. Hier gibt es kein Ausweichen“, so der Oberbürgermeister.

Die Gedenkstunde wurde von Schülerinnen und Schülern der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ musikalisch umrahmt.

Von Gudrun Janicke