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Brandenburg Brandenburg ist das Fischadler-Paradies
Brandenburg Brandenburg ist das Fischadler-Paradies
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08:12 19.03.2015
Alles gut: Daniel Schmidt inspiziert ein neues Nest für Fischadler auf dem Wipfel einer 28 Meter hohen Kiefer im Landeswaldrevier Alt Buchhorst nahe Grünheide (Oder-Spree).  Quelle: dpa
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Grünheide

 Man nehme ein Metallgestell ähnlich dem klassischen Wagenrad. Darauf wird ein flacher, runder Weidenkorb befestigt und der wiederum mit Baumrinde, knorrigen Ästen, Gras und Erde befüllt. Fertig ist die Wohnstube für Fischadler. Und die muss dann nur noch in luftige Höhe auf einem 30 Meter hohen, kräftigen alten Baum angebracht werden. Diesen Part übernimmt Daniel Schmidt. Der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen in Baden-Württemberg ist Greifvogel-Experte und in Brandenburg wohlbekannt.

Ein Fischadler (Pandion haliaetus) kreist am blauen Himmel. Quelle: dpa

Hat er doch schon junge Fischadler aus Nestern in der Mark geholt, um sie nach Spanien zu bringen und die Vogelart dort so wieder erfolgreich anzusiedeln. Nun ist er wieder zurückgekehrt in das Bundesland mit dem größten Fischadler-Bestand Deutschlands mit immerhin 340 Brutpaaren. Diesmal, um Nisthilfen zu bauen und auf geeigneten Bäumen zu postieren.

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Routiniert schnallt sich der 51-jährige Biologe in einem Waldgebiet zwischen Hangelsberg und Grünheide (Landkreis Oder-Spree) die Steigeisen um, schlingt ein Seil um den Baumstamm der mindestens 150 Jahre alten Kiefer und klettert behände in die Höhe.

Daniel Schmidt bereitet sich auf den Aufstieg zum neuen Nest vor. Quelle: dpa

Die Landeswaldoberförsterei Hangelsberg, eine von 14 im Land Brandenburg, unterstützt in Kooperation mit Naturschützern mit dem Nisthilfen-Angebot die Verbreitung von Fischadlern. „Schmidt hat unsere sechs Standort-Vorschläge begutachtet, einige verworfen, selbst neue gefunden, so dass wir jetzt vier optimale tierische Wohnstuben offerieren können“, erklärt Lars Kleinschmidt, Leiter der Oberförsterei.

Das wird auch höchste Zeit, denn jetzt kehren die Fischadler aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück nach Brandenburg. Allein im wasserreichen Gebiet der Oberförsterei Hangelsberg sind laut Kleinschmidt fünf Brutpaare bekannt. Die als Baumbrüter bekannten Tiere aber nisten allesamt auf Strommasten. Denn Fischadler bevorzugen Punkte, die die Umgebung deutlich überragen und einen möglichst freien Rundumblick bieten. Dafür kommen eigentlich nur frei stehende alte und hohe Bäume mit starken Kronen – in Brandenburg bevorzugt Kiefern – in Betracht. Solche Exemplare gibt es allerdings nicht mehr so häufig. „Wir wollen die Tiere nicht von den Masten holen, sondern mit unseren Nisthilfen ihre natürlichen Bruträume fördern“, erläutert der Forstmann.

Fast ausgestorben

Noch im 19. Jahrhundert war der Fischadler in ganz Mitteleuropa an Seen und Flüssen als Brutvogel verbreitet. Als vermeintlicher Nahrungskonkurrent des Menschen wurde er allerdings gnadenlos verfolgt: Die Vögel wurden gezielt abgeschossen, die Gelege wurden geplündert und Horstbäume gefällt.

Bis auf wenige Exemplare in Nordostdeutschland war der Fischadler
Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland nahezu ausgerottet.
Erst durch intensive Schutzmaßnahmen wie Nisthilfen, Horst-Schutzzonen und verminderten Jagddruck in den vergangenen zwei Jahrzehnten stieg die Population wieder – auf deutschlandweit 650 Brutpaare.
Experten gehen davon aus, dass es noch mehr Fischadler hier geben würde, wenn genügend geeignete Nistplätze vorhanden wären.

Insbesondere gehe es um die Neuansiedlung und allmähliche Ausbreitung dieser Vogelart. „Wir wollen es ihnen einfach leichter mache“, sagt der Leiter der Hangelsberger Oberförsterei schmunzelnd. Der richtige Brutplatz sei das A und O, weniger das Nahrungsangebot.

Fischadler, die bis zu 30 Jahre alt werden können, sind laut dem Experten Schmidt sehr ortstreu, kehren als Zugvögel in der Regel immer in die Nähe ihres Geburtsortes zurück. „Oftmals werden die Horste über Generationen weitervererbt“, macht er deutlich. Freie Standorte sind daher Mangelware. Das Ersatz-Wohnstubenangebot in der Oberförsterei sei deshalb vor allem für Fischadler-Jung-Paare gedacht, die sich nicht weit von ihren Eltern niederlassen wollen. Denn im Gegensatz zu anderen Greifvogelarten verhalten sich Fischadler recht sozial und verteidigen Reviere nicht erbittert gegen Konkurrenten. Ob es in der bevorstehenden Saison schon Ansiedlungserfolge gibt, wird sich zeigen. Wo genau sich die Nisthilfen befinden, möchten Förster und Naturschützer lieber geheim halten – aus Angst vor professionellen Eierdieben.

Adler-Experte Schmidt ist recht optimistisch. „Ich glaube schon, dass ein oder zwei Horste gleich besiedelt werden. Gerade bei jungen Paaren dauert es allerdings häufig zwei, drei Jahre bis sie brüten“, gibt er zu bedenken. Spätestens Mitte April müssen sie damit anfangen, damit Ende Mai durchschnittlich zwei, drei Jungen schlüpfen und einen Monat lang groß gezogen werden.

Von Jeanette Bederke

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