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Brandenburg Streit um zu billige Lebensmittel: Märkischer Handel fühlt sich zu Unrecht am Pranger
Brandenburg Streit um zu billige Lebensmittel: Märkischer Handel fühlt sich zu Unrecht am Pranger
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18:54 03.02.2020
Spitzentreffen im Bundeskanzleramt in Berlin: Davor demonstrieren Aktivisten der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ und von Greenpeace unter anderem gegen Billigfleisch-Werbung. Quelle: Michael Kappeler/dpa
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Potsdam

Sind zwei Kilogramm Hähnchenfleisch für 3,99 Euro unanständig? Im Streit um zu billige Lebensmittel in Supermärkten will die Bundesregierung keine Mindestpreise staatlich verordnen, sie drängt aber auf „faire Beziehungen“ zwischen den Akteuren.

Das ist das Ergebnis eines Lebensmittel-Gipfels am Montag im Bundeskanzleramt, das von erneuten Bauern-Protesten begleitet war. „Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer starken regionalen Versorgung“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Treffen mit Vertretern von großen Handelsketten. Hintergrund sind Vorwürfe, dass Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka zu großen Preisdruck ausübten, um Käufer mit Billigangeboten zu locken.

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Bauernverband: „Positives Signal“

In Brandenburg wird im Einzelhandel, aber auch von den Landwirten die vereinbarte Zielrichtung weitgehend begrüßt.

Von einem „positiven Signal“ sprach der Landesbauernverband Brandenburg. Nötig sei aber auch eine größere Wertschätzung für Lebensmittel. Der Handel müsse dazu seinen Teil beitragen, die Verbraucher dahingehend zu sensibilisieren, forderte Verband-Sprecher Tino Erstling. „Es bedarf der Einsicht, dass Lebensmittel nicht verramscht werden dürfen.“ Am Ende müssten die Landwirte mit ihrer Arbeit Geld verdienen und das sei derzeit kaum der Fall, so Erstling.

Warnung vor Schuldzuweisungen

Vor einseitigen Schuldzuweisungen in Richtung Einzelhandel warnte indes der Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Es wird immer sehr schnell und wohlfeil dem Handel die Schuld zugeschoben, wenn etwas nicht funktioniert“, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen der MAZ.

Er verwies darauf, dass es in Brandenburg nur in einem geringen Anteil direkte Beziehungen zwischen den Bauern und dem Handel gebe. Die meisten Verträge würden mit der Industrie abgeschlossen. „Die primäre Aufgabe des Handels sei es, Waren zu kaufen und an Endverbraucher zu verkaufen – möglichst in guter Qualität und nachhaltig produziert“, so Busch-Petersen. Es gebe landesweit eine gute Gesprächskultur zwischen Handel, Herstellern und Bauern und das solle so bleiben.

Scharf kritisierte er Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), zugunsten der Bauern notfalls auch zu Sanktionen gegen große Handelsketten zu greifen. „Das sei Unsinn.“ Im Übrigen sei jeder gehalten, sein eigenes Verbraucherverhalten je nach seinen Möglichkeiten auszurichten, so der Hauptgeschäftsführer. „Ich bin nicht gezwungen, das Billigste vom Billigen zu kaufen.“ Es gebe aber viele Menschen, die nur geringen Einkommen hätten.

Nonnemacher (Grüne): Bauern dürfen nicht nur Dumpingpreise erzielen können

Die brandenburgische Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) mahnte, dass es nicht bei einem Spitzentreffen bleiben dürfe. Eine gesunde Ernährung, hohe Standards beim Tierwohl und beim Umweltschutz sollten allen am Herzen liegen. „Wenn Bauern jedoch nur Dumpingpreise erzielen können, wird es schwierig, hier Verbesserungen zu erreichen“, sagte Nonnemacher der MAZ.

Aus Sicht der brandenburgischen Linken-Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann sollte über das „gesamte System“ und nicht nur über Lebensmittelpreise geredet werden. Die Agrarpolitik des Bundes sei zu „konzernfreundlich“ und Handelskonzerne würden immer größer und dominanter. Da könnten keine kostendeckenden Preise für nachhaltig erzeugte Agrarprodukte herauskommen, so Tackmann.

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