Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Bertelsmann-Stiftung warnt vor Lehrermangel
Brandenburg Bertelsmann-Stiftung warnt vor Lehrermangel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:59 09.09.2019
26300 Lehrer werden im Jahr 2025 in Deutschland fehlen.(Symbolbild) Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Potsdam

Bis zum Jahr 2025 werden Prognosen der Bertelsmann-Stiftung zufolge mindestens 26 300 Lehrer an Grundschulen fehlen. Damit sei die Lage noch dramatischer, als von der Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet, heißt es in einer am Montag vorgelegten Studie der Stiftung. Die KMK hatte im vergangenen Oktober einen Mangel von 15 300 Grundschullehrern im Jahr 2025 errechnet.

Brandenburg baut auf „solide Planung“

Das brandenburgische Bildungsministerium streitet die Lücke nicht grundsätzlich ab, sieht aber die Situation für das eigene Land nicht so dramatisch. „Wir sehen auch, dass wir mehr Lehrkräfte brauchen“, sagt Sprecher Ralph Kotsch. „Wir bauen aber auf einer soliden Planung auf und reagieren auf die Lage.“

So geht das Ministerium in seinen Berechnungen von 2018 zum Beispiel davon aus, dass die Zahl der Einschulungen im Schuljahr 2022/23 mit 23012 Schüler ihren Höchststand erreichen wird. Das wären etwa 700 ABC-Schützen mehr als in diesem Herbst. Im Herbst 2022 sollen nach bisherigen Planungen insgesamt 1318 Lehrkräfte neu eingestellt werden, 434 von diesen sollen an Grundschulen gehen.

„Um den Bedarf zu decken, werden unter anderem die Ausbildungskapazitäten an der Universität Potsdam von derzeit 650 auf 800 im Wintersemester 2019/20 ausgebaut“, sagt Kotsch. Ab Wintersemester 2020/21 sollen es 1000 Studienplätze sein. Außerdem habe man die Attraktivität des Schuldienstes erhöht. „Im Land Brandenburg können alle Lehrkräfte verbeamtet werden“, erinnert Kotsch. Grundschullehrer würden inzwischen nach Tarif A13 bezahlt.

GEW: Die Studie ist ein Alarmzeichen

Der GEW-Vorsitzende von Brandenburg, Günther Fuchs, teilt diesen Optimismus nicht. Die Bertelsmann-Studie sei ein Alarmzeichen. „Die Kultusministerkonferenz hat die künftige Zahl der Schüler unterschätzt“, sagt Fuchs. Die nehme auch in Brandenburg zu. „Es werden Schulen gebaut ohne Ende.“ Für diese gebe es dann aber kaum noch Lehrer.

Es gibt Regionen in Brandenburg, wo wir jede zweite Stelle an Grundschulen nur mit ungelernten Lehrkräften besetzen können“, sagt Fuchs. Deshalb müsse dringend die Ausbildung von Grundschullehrern in Brandenburg vorangetrieben werden. „Die geplante Zahl von knapp 400 Studierenden mehr pro Jahr reicht bei weitem nicht aus“, sagt er. Zu diesen zusätzlichen 400 Studierenden müssten eigentlich mindestens weitere 500 pro Jahr kommen und es müssten vor allem Grundschullehrer sein. Fuchs schließt sich außerdem der Forderung der GEW-Vorsitzenden Marlis Tepe an, den Numerus clausus für das Studium des Grundschullehramts abzuschaffen, um Interessenten nicht abzuschrecken.

Zwischenzeitlich werde man ohne Seiteneinsteiger nicht auskommen. Diese sollten aber eine drei Monate dauernde Schulung vor ihrem Eintritt als Lehrer bekommen. Außerdem müssten sie die Chance haben, berufsbegleitend das volle Lehramt zu erwerben. Bei Reformen an Grundschulen müsse man auch mal „auf die Bremse treten“. Wenn man hohe Ansprüche wie etwa Inklusion personell nicht unterfüttern könne, machten sie keinen Sinn mehr. „Es geht um Qualität und nicht um Quantität“, sagt Fuchs. „Wir sollten uns dann auf die grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren und deren Qualität sichern.“

Brandenburgs Lehrer sind schlecht bezahlt

Auch die bildungspolitische Sprecherin der oppositionellen Grünen im Landtag, Marie Luise von Halem, spricht von alarmierenden Zahlen. Schon heute sei der Lehrermangel an Grund-, Förder- und Oberschulen besonders spürbar. „Bedenkt man, dass Brandenburg Einsteigern in den Lehrerberuf eher weniger bezahlt als andere Bundesländer, wird sich der Wettbewerb noch viel mehr verschärfen.“ Es sei deshalb davon auszugehen, dass der künftige Mangel Brandenburg hart treffen werde.

„Das ist besonders tragisch, weil eine pädagogische und fachdidaktische Ausbildung der Lehrkräfte für Kinder mit besonderem Förderbedarf sehr wichtig ist“, so von Halem. Halem fordert Maßnahmen wie weitere Fortbildungsangebote für Lehrer und deren Entlastung durch Schulsozialarbeiter, Sonderpädagogen und Verwaltungskräfte.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamts aus dem vergangenen Juni herangezogen. Danach gibt es im Jahr 2025 von 3,254 Millionen bis 3,323 Millionen Kindern zwischen 6 und 10 Jahren. Das seien 168 000 Kinder mehr als die Kultusministerkonferenz angenommen habe. Nach den Berechnungen der Studie von Bertelsmann müssten für 2025 noch mal 11 000 Lehrer mehr eingestellt werden, als von der KMK ermittelt. So komme man auf die Zahl von 26 300 fehlenden Grundschullehrern.

Von Rüdiger Braun

Auf dem Havellandhof von Peter Kaim in Ribbeck wird untersucht, wie sich Artenschutz und effektive Landwirtschaft verbinden lassen. Der Demonstrationshof gehört zu dem Projekt FRANZ. Jetzt kam Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) vorbei und wurde für ihre Glyphosatpolitik kritisiert.

10.09.2019

Bei einem Besuch in Ribbeck wurde Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) von märkischen Bauern in ein Streitgespräch verwickelt. Der Grund: Das Glyphosatverbot, das das Kabinett vergangene Woche auf den Weg gebracht hat.

09.09.2019

Der Kompromiss der Kohlekommission sieht vor, dass bis spätestens zum Jahr 2038 die Stromgewinnung aus Kohle ein Ende haben soll. Was passiert aber danach mit einer der Regionen, in der zahlreiche Arbeitsplätze am Tagebau hängen?

09.09.2019