Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Brandenburg verzeichnet so viele Zuzüge wie kein anderes Bundesland
Brandenburg

Brandenburg verzeichnet so viele Zuzüge wie kein anderes Bundesland

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:23 03.09.2021
Mietshäuser in der Stadtmitte von Potsdam.
Mietshäuser in der Stadtmitte von Potsdam. Quelle: Foto: Dirk Sattler/imago
Anzeige
Potsdam

Brandenburg hat sich in den letzten Jahren zur beliebtesten Zuzugsregion in Deutschland entwickelt und verzeichnet nach Jahren der Abwanderung inzwischen den höchsten Wanderungszuwachs deutschlandweit. Das teilte die Staatskanzlei am Freitag anlässlich des Starts einer Themenwoche zum Thema Demografie in Brandenburg mit.

So zogen allein im Jahr 2020 rund 19.400 Menschen mehr nach Brandenburg als abwanderten. Das zeigt eine Auswertung der Binnenwanderungsstatistik durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. Seit 2014 steht Brandenburg damit beim Binnenwanderungsgeschehen durchgehend an der Spitze aller Bundesländer.

Nähe zu Berlin ist Grund für Zuzug

Die wachsende Beliebtheit Brandenburgs sieht Nico Stawarz vom BiB in Wiesbaden vor allem in der Nähe zu Berlin begründet. „Im Zuge der Suburbanisierung sind in den letzten Jahren viele Menschen aus der Bundeshauptstadt in das Umland abgewandert.“ Neben der Wohnungsknappheit in Berlin seien auch die gute Verkehrsanbindung und die günstigen Preise für Mieten und Wohnungseigentum in Teilen von Brandenburg für viele Zuzügler attraktiv, sagte Starwaz.

Mit dem aktuellen Zuzug lässt Brandenburg die Bundesländer Schleswig-Holstein mit einem Wanderungszuwachs von 11.500, Mecklenburg-Vorpommern (plus 8.600) und Niedersachsen (plus 7.100) in der Rangliste weit hinter sich. Die stärksten Wanderungsverluste weisen mit Berlin (minus 19.200) und Baden-Württemberg (minus 14.100) zwei Länder auf, die über viele Jahre hinweg starke Zuwächse durch die Binnenwanderung erzielt hatten. 2008 verlor Brandenburg noch über 4.100 Menschen durch Fortzüge in andere Bundesländer.

Ministerin und Chefin der Staatskanzlei, Kathrin Schneider (SPD), sprach angesichts des wachsenden Zuzugs von einem positiven Trend, aber auch von Herausforderungen: „Die positive Wanderungsbilanz ist eine Bestätigung dafür, dass Brandenburg ein demografisch stabiles Bundesland ist. Das müssen wir sichern. Wichtig ist, den verschiedenen Entwicklungen in allen Landesteilen Rechnung zu tragen.“

Noch sei die Zuwanderungen nach Brandenburg aber ungleich verteilt, sagte Schneider. So hätten sich vor allem die ballungsraumnahen Gemeinden rund um Berlin zu attraktiven Wohnorten entwickelt. Diese seien häufig auch wirtschaftlich gut aufgestellt. Immer stärker rückten auch weiter entfernte Städte mit guter Bahn-Anbindung wie Brandenburg an der Havel oder Eberswalde (Landkreis Barnim) in den Blick, so die Ministerin. Ziel sei es, künftig Umland und starke Standorte noch besser zu verknüpfen, betonte Schneider. „Daran müssen wir arbeiten.“ Dabei helfen solle auch die Regionalentwicklungsstrategie, deren Eckpunkte das Kabinett am Dienstag beschlossen hatte.

Land und Metropolregion sollen enger zusammenwachsen

Darin vorgesehen ist eine engere Verknüpfung der Metropolregionen mit eher ländlich geprägten Teilen Brandenburgs. So soll künftig der Bedarf aller Regionen stärker in den Blick genommen werden – besonders die mit Einwohnerschwund und Überalterung kämpfenden ländlichen Räume. Die Sichtweisen von städtischen und ländlichen Räumen sollen zusammengeführt werden, heißt es in einem Papier.

Im Zentrum der neuen Regionalentwicklungsstrategie sollen sogenannte regionale Schlüsselprojekte stehen – wie Firmenansiedlungen, Wissenschaftseinrichtungen oder Handwerksbetriebe. Voraussetzung ist nur: Sie sollen regionale Strahlkraft haben, möglichst in weniger gut entwickelte Regionen. Die Schlüsselprojekte – eines dürfte die Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) sein – sollen von den regionalen Akteuren vor Ort wie den Städten, die Wachstumskerne sind sowie den Landkreisen zunächst definiert werden.

Die oppositionelle Linke übte Kritik an den Plänen. Aus Sicht von Fraktionschef Sebastian Walter wird sich weiter zu stark an Berlin orientiert. Die bisherigen Förderinstrumente würden nur unter einer neuen Überschrift „zusammengepackt“. Es brauche einen wirklichen Neuansatz bei der Förderung. „Sonst ändert sich für die Menschen in den ländlichen Räumen nichts.“

Von Gesa Steeger