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Brandenburg Brandenburgs Ärzte wollen keine Ausweitung von Sprechstunden
Brandenburg Brandenburgs Ärzte wollen keine Ausweitung von Sprechstunden
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00:20 06.10.2018
Viele Patienten beklagen sich darüber, dass sie lange auf einen Termin beim Arzt warten müssen. Quelle: Bernd Weissbrod/dpa (Symbolfoto)
Potsdam

Gesetzlich Versicherte sollen nach den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schneller Arzttermine und neue Vermittlungsangebote bekommen. Während Verbraucherinitiativen Spahns Bemühungen begrüßen, lehnen Ärztevertreter den Vorstoß ab. In einem offenen Brief an den Bundesgesundheitsminister kritisiert der Brandenburger Hausärzteverband das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSGV) als „Eingriff in die Freiheit der ärztlichen Berufsausübung“.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Kassenärzte 25 statt 20 Stunden in der Woche für gesetzlich Versicherte da sein sollen – in der Praxis und bei Hausbesuchen. Bestimmte Facharztgruppen wie Gynäkologen oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte müssen künftig mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten.

Für Ärzte soll es zudem mehrere neue Zuschläge als Anreize geben: für die Vermittlungen dringender Termine bei einem Facharzt, für neue Patienten in ihrer Praxis oder für Leistungen in offenen Sprechstunden. Zusätzlich sollen die bisher landesweit unterschiedlichen Telefon-Servicestellen bundesweit mit Rund-um-die Uhr-Angeboten ausgebaut werden. Das Gesetz soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 in Kraft treten.

„Die beste Terminservicestelle ist der Hausarzt“

Die Brandenburger Ärzteschaft ist von dem Vorhaben wenig begeistert. Die Hausärzte kritisieren in ihrem Brandbrief an den Minister, dass sie schon jetzt mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten würden. „Wir haben viele Rückmeldungen besonders von älteren Ärzten bekommen, die dermaßen verärgert über diesen Vorstoß sind, dass sie mit dem Gedanken der Beendigung ihrer Tätigkeit spielen, teilweise sogar vorzeitig“, schreibt die Verbandsvorsitzende Karin Harre. Dies sei besonders besorgniserregend, weil in den kommenden Jahren viele Haus- und Fachärzte in Ruhestand gehen werden.

Kritik übt der Hausärzteverband auch am Ausbau der sogenannten Terminservicestellen. Sie sollen künftig nicht nur Termine bei Fachärzten vermitteln, sondern ebenso für Haus- und Kinderärzte. „Die beste Terminservicestelle ist immer noch der Hausarzt, weil er einschätzen kann, ob und in welchem Umfang Behandlungsbedarf besteht und ob eine Behandlung durch einen Spezialisten Sinn macht“, sagt Harre. Politik und Krankenkassen müssten deshalb dafür sorgen, dass jeder Patient einen Hausarzt hat und dass eine Behandlung jenseits von Notfällen stets dort beginnt.

„Keine Arzttermine auf Knopfdruck“

Frank-Ullrich Schulz, Präsident der Landesärztekammer Brandenburg, bemängelt zudem, dass das Sprechstunden-Gesetz die „eigentlichen Probleme des Gesundheitssystems“ ignorieren würde. Statt in etablierte Praxisabläufe einzugreifen, solle sich die Bundesregierung lieber der Kernproblematik ärztlicher Versorgungsengpässe stellen. „Ohne ein systematisches Angehen der Nachwuchsgewinnung helfen keine bürokratischen Umverteilungen der knappen Ressource Arzt.“

Auch bei den Kassenärzten stoßen die Pläne auf wenig Begeisterung. Schon jetzt würden die allermeisten märkischen Ärzte mit durchschnittlich 4000 Behandlungsfällen im Jahr in dem künftig verpflichtenden Umfang Sprechstunden anbieten. „Wir lehnen Mindestsprechstundenzeiten von 25 Stunden auch deshalb ab, weil wir nicht wollen, dass Mitglieder ihren Tätigkeitsumfang auf diese gesetzlich Mindestsprechzeit reduzieren“, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Christian Wehry.

Die KVBB kritisiert auch, dass knappe ärztliche Ressourcen durch eine neu geschaffene Terminservicestelle „missbraucht“ würden. Zwar hätten sich die Ansprüche der Patienten an eine Terminvergabe verändert. Auch hätte die KVBB im vergangenen Jahr 1.913 Termine an Kassenpatienten vermittelt. „Aber auch in Zukunft können wir keine Arzttermine auf Knopfdruck anbieten“, so Wehry.

Patienten beklagen lange Wartezeiten

Glaubt man einer aktuellen Umfrage im Auftrag der KVBB, spüren die meisten Menschen im Alltag wenig von Terminproblemen. So antworteten nur 26 Prozent der Befragten, dass es ihnen „zu lange“ gedauert habe, bis sie für ihren letzten Arztbesuch einen Termin bekommen hatten. Ein Drittel der Befragten hatte „sofort“ einen Termin beim Arzt bekommen.

Eine bundesweite Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung offenbart jedoch ein Ungleichgewicht zulasten von Kassenpatienten. Auf Facharzttermine musste fast ein Drittel der Befragten nach eigener Auskunft zuletzt mehr als drei Wochen warten. Dagegen kam beim Hausarzt gut jeder Zweite binnen drei Tagen dran. Kassen-Unterschiede gibt es vor allem beim Facharzt: Da mussten sich 34 Prozent der Kassenpatienten mehr als drei Wochen gedulden, aber nur 18 Prozent der Privatpatienten.

Von Diana Bade

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