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Brandenburg Brandenburger AfD-Politiker konvertiert zum Islam
Brandenburg Brandenburger AfD-Politiker konvertiert zum Islam
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20:12 23.01.2018
Arthur Wagner von der AfD ist zum Islam konvertiert.   Quelle: AfD
Potsdam

 „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, steht auf Plakaten der Alternative für Deutschland. Auch der Landesverband der Partei steht dazu und ergänzt die Aussage um ein Bekenntnis zur „deutschen Leitkultur“. Nun ist ein langjähriges AfD-Mitglied zum Islam konvertiert: Arthur Wagner. Das bestätigte Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz. Gleichzeitig sei er aus „privaten Gründen“ bereits am 11. Januar von seinem Posten als Beisitzer im Landesvorstand zurückgetreten. Zu diesem Zeitpunkt habe Kalbitz noch nichts von der Konvertierung gewusst.

Der Russlanddeutsche gehörte der AfD-Landesspitze in Brandenburg bereits seit 2015 an. Wagner war Beisitzer des Landesvorstands und dort zuständig für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Außerdem ist er Vize-Kreischef der AfD im Havelland. „Ich bin völlig überrascht von dieser Situation“, sagte der AfD-Kreisvorsitzende des Havellandes, Kai Berger. Zwar habe die Gerüchteküche schon gebrodelt, allerdings habe ihn Wagner bis zum heutigen Tag nicht über den Wechsel seiner Religion informiert. „Er hat uns lediglich mitgeteilt, dass er aus persönlichen Gründen zeitlich etwas kürzer tritt. Allerdings hat er bekräftigt, dass er trotzdem weiterhin voll hinter der Partei steht“, so Berger.

Parteikollegen halten Konvertierung für Zeitungsente

Wagner, der bis 2012 CDU-Mitglied war, aus Falkensee stammt und sich dort trotz seiner Parteikarriere in einer Flüchtlingswillkommensinitiative engagierte, möchte über seine Konvertierung zum Islam nicht sprechen. „Das ist meine Privatsache“, sagte er dem Tagesspiegel, der zuerst darüber berichtet hatte. Allerdings gebe es keine Versuche seitens des AfD-Landesvorstandes, ihn zurückzudrängen oder zu einem Rückzug zu bewegen. „Es hat sich nichts geändert“, sagte er.

AfD-Kreischef Kai Berger beschreibt den Falkenseer als offenen, fleißigen und vor allem aufrichtigen Mann, der von den Parteikollegen geschätzt werde. „Als in den Medien über die Konvertierung berichtet wurde, haben wir geglaubt, das sei eine Zeitungsente“, sagt er. Schließlich sei Wagner stets ein überzeugter Christ gewesen. Überhaupt spricht Berger nur im Konjunktiv, wenn es um den Wechsel zum Islam geht – „solange, bis er uns das offiziell mitteilt.“ Sollte Wagner Muslim sein, so Berger, sehe er das „ganz entspannt“, denn ihm sei weder etwas vorzuwerfen, noch gäbe es Regelungen, die untersagten, dass Muslime nicht Mitglied der AfD sein dürfen.

„Das scheint von außen befremdlich“

Dass ein AfD-Mitglied zum Islam konvertiert, ist bundesweit ein Novum. Insbesondere, da die Alternative für Deutschland einen islamkritischen Kurs fährt. „Das scheint von außen befremdlich, ist es aber nicht, denn Religion ist Privatsache“, sagte Andreas Kalbitz. Außerdem wahre die Partei die Religionsfreiheit entsprechend deutscher Gesetze. Der Islam gehöre für ihn jedoch nicht zu Deutschland, betonte der AfD-Brandenburg-Vorsitzende. Kalbitz und seine Partei seien nicht bereit, Frauenrechte oder Freiheit aufzugeben. Nichtsdestotrotz gäbe es auch gut integrierte Muslime. Ist es für Brandenburgs AfD-Chef nachvollziehbar? „Schwer“, sagt er. Allerdings gehe es um den Glauben – und sein persönliches Menschenbild sei eben ein anderes.

Der stellvertretende Bundessprecher und Vorsitzende der AfD-Programmkommision, Albrecht Glaser, sah das im April 2017 offenbar noch anders. In einer Rede hatte er gefordert, dem Islam das Grundrecht aus Religionsfreiheit zu entziehen und wich damit vom Parteiprogramm ab. „Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und diese nicht respektiert. Und da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen“, sagte er.

Gauland sieht im Islam keine „normale Religion“

Alexander Gauland, Bundesparteivorsitzender der Partei und ehemaliger Vorsitzender der AfD in Brandenburg, sieht im Islam ebenfalls eine potenzielle Bedrohung. Das hatte er im Wahlkampf immer wieder deutlich gemacht. Die Religion sei keine normale, da sie zugleich Staatsordnung sei und Vorschriften für die Zivilgesellschaften mache. „Er ist sozusagen ein umfassendes ideologisches Gebäude, das weit über die Glaubensfrage eines privaten Menschen hinausgeht“, sagte er in einem Interview im vergangenen Jahr.

Sollte Arthur Wagner seinen Religionswechsel offiziell innerhalb der Partei bekannt machen, „muss man sehen, wie andere mit der Situation umgehen“, erklärt der AfD-Politiker Kai Berger. Änderungen sieht er bisher in der Spitze des Kreisverbandes nicht vor.

Von Christin Iffert

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