Brandenburger Betriebsärzte haben nicht genug Corona-Impfstoff
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Betriebsärzte haben nicht genug Corona-Impfstoff
Brandenburg

Brandenburger Betriebsärzte haben nicht genug Corona-Impfstoff

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:08 08.06.2021
Desinfektionsmittelspender in einer Industriehalle.
Desinfektionsmittelspender in einer Industriehalle. Quelle: Peter Kneffel/dpa
Anzeige
Potsdam

Die Einbindung der Betriebsärzte in die Covid-19-Impfkampagne kommt schwer in Gang. Seit Montag können die Mediziner Biontech/Pfizer an Belegschaften verabreichen. Allerdings klagen märkische Betriebe über Impfstoffmangel und mangelnde Planungssicherheit. „Das Impfen in den Betrieben läuft sehr schleppend an“, kritisiert Detlef Gottschling, Sprecher der Potsdamer Industrie- und Handelskammer. „Das Interesse in den Belegschaften ist groß, aber die Betriebsärzte können nur wenig Impfstoff mitbringen.“ Eine Initiative der IHK Potsdam aus dem Mai, wonach Betriebsärzte nicht nur die Mitarbeiter selbst, sondern auch deren Angehörige impfen sollten, ist laut IHK nicht weitergeführt worden, weil die Impfmittel nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung standen. „Wir wollten schon im Mai Gas geben“, so Gottschling. „Man hätte ein paar Wochen gewinnen können.“

Die Hausärzte sind oft schneller

Die IHK Cottbus weist darauf hin, dass für kleinere Unternehmen „das Prozedere doch organisatorisch ein größeres Unterfangen ist“, so Sprecherin Janine Mahler. Einige hätten gemeldet, „dass ihre Mitarbeiter nun auch schon über die Hausärzte erfolgreich abgewickelt wurden“.

Die Unternehmen fahren auf Sicht. Bei Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg/Havel, wo etwa 400 Menschen arbeiten, sollen alle Impfwilligen in der kommenden Woche geimpft werden. „Wir haben keine Zusagen“, sagt Personal-Leiter Sven Graumnitz. „Frühestens eine Woche vor Lieferung wird uns genannt, wie viele Dosen wir erhalten sollen.“ Man bleibe „aktuell noch optimistisch“, so Graumnitz. Der Betrieb habe sich darauf eingestellt, im Falle einer umfangreichen Lieferung alle Willigen an einem Tag zu impfen.

Zahl der Impfdosen sinkt im Juni

Beim Zeesener Unternehmen Schelchen (Dahme-Spreewald), Hersteller orthopädischer Schuheinlagen, hat die Geschäftsführung in Eigenregie Impftermine für einen Teil der Belegschaft beim Hausarzt eines Geschäftsführers organisiert. „Wir wollten unseren Mitarbeitern wenigstens etwas anbieten“, so Prokuristin Sabine Timm.

Zwar haben Betriebsärzte deutschlandweit insgesamt 702.000 Dosen für die laufende Woche bekommen. In der Woche vom 14. bis 18. Juni sollen laut Bundesgesundheitsministerium aber 100.000 Dosen weniger ausgeliefert werden. Grund seien geringere Zusagen des Herstellers Biontech/Pfizer. Zahlen für Brandenburg liegen nicht vor. Jeder Betriebsarzt soll mindestens 84 Dosen (14 Fläschchen) erhalten, sofern er nicht weniger als diese Menge bestellt hat.

„Wir könnten mehr leisten“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter zu den begrenzten Impfstoffmengen. Mit Bezug auf die 6266 teilnehmenden Betriebsärzte sagte der Verbandsvorsitzende: „Da ist eine Menge Power da.“ 

Andrang in Praxen nach Freigabe der Priorisierung

Gleichzeitig spüren Brandenburger Ärzte nach der allgemeinen Freigabe der Impfpriorisierung am Montag einen stärkeren Andrang in ihren Praxen. Noch könne man keine endgültige Einschätzung treffen, sagte Elmar Esser, Sprecher der Landesärztekammer Brandenburg. Seit dieser Woche darf sich jeder in Brandenburg gegen das Coronavirus impfen lassen. Für diese Woche konnten laut Kassenärztlicher Vereinigung des Landes (KVBB) pro Arzt nur maximal 18 Dosen des Mittels von Biontech/Pfizer bestellt werden. In Brandenburg ist in der vergangenen Woche mit 160.000 ein neuer Höchstwert bei den Impfungen erreicht worden.

Von Ulrich Wangemann