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Brandenburg Brandenburgs Ärzte sprechen sich gegen Homöopathie aus
Brandenburg Brandenburgs Ärzte sprechen sich gegen Homöopathie aus
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11:53 24.07.2019
Das Geschäft mit homöopathischen Arzneimitteln läuft gut. Doch es gibt Widerstand. Quelle: dpa
Potsdam

Streit um Globuli: Die Landesärztekammer Brandenburg hat sich gegen eine Erstattung homöopathischer Arzneimittel durch die Krankenkassen ausgesprochen. Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit, teilte die Kammer auf MAZ-Anfrage mit. „Grundsätzlich sollten keine Kosten für Alternativmedizin als Kassenleistung gelten, solange der Nutzen nicht nachgewiesen wurde“, sagte die Referentin des Präsidiums, Simone Groß.

Nachdem Frankreich beschlossen hat, ab 2021 keine Homöopathischen Leistungen mehr über die Krankenkassen zu erstatten, ist auch in Deutschland eine Debatte über den Sinn und die Kosten der alternativen Medizin ausgebrochen. Noch werden die ab dem Jahr 1810 vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann entwickelten Behandlungsmethoden in Deutschland von vielen Krankenkassen als freiwillige Leistung angeboten.

Krankenkasse: „Nehmen Kundenwünsche ernst“

Dass die Kassen trotz eines fehlenden Nachweises der Wirksamkeit der Homöopathie über den – übrigens nicht zu unterschätzenden – Placebo-Effekt hinaus diese dennoch bezahlen, hat einen einfachen Grund: „Wir wissen aus Kundenbefragungen, dass Versicherte sich sogenannte komplementärmedizinische Angebote wünschen“, sagt der Sprecher der Techniker Krankenkasse Berlin-Brandenburg, Lennart Paul. „Wir nehmen diese Kundenwünsche ernst.“

Die Krankenkassen können sich das Entgegenkommen leisten, weil die Kosten für die Globuli genannten Kügelchen selbst im homöopathischen Bereich liegen. „Wir geben bundesweit rund ein Promille unserer Leistungsausgaben für Homöopathie-Leistungen aus“, sagt Paul. Dies umfasse die homöopathischen Mittel sowie die ärztlichen Leistungen. „Wobei das Gros der Ausgaben bei den Kosten für die Anamnese liegt und nicht bei den Arzneimitteln.“

Kosten für Globuli sind „nur Peanuts“

Auch deswegen hat der gesundheitspolitische Sprecher der oppositionellen CDU im brandenburgischen Landtag, Raik Nowka, ein pragmatisches Verhältnis zu den kleinen Kügelchen. „Wenn ich es rein rechtlich beurteilen müsste, würde ich sagen: Raus aus dem Leistungskatalog.“ Da homöopathische Mittel in der Krankenkassenbilanz aber nur Peanuts darstellten, plädiert Nowka für den Erhalt des Status quo.

„Das, was den Menschen hilft, sollte auch bei den Menschen ankommen und nicht vom Geldbeutel abhängig sein“, sagt Nowka. Wenn Globuli Linderung verschafften, sollten die Krankenkassen sie eben weiterhin bezahlen, selbst wenn es sich nur um einen Placebo-Effekt handele.

Warnung vor alternativer Medizin

Keinen Spaß versteht dagegen die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Bettina Fortunato: „Frankreich hat mit seiner Entscheidung einen Riesenschritt nach vorne getan“, sagt sie der MAZ. „Die Bundesregierung sollte sich überlegen, ob sie nicht auch einen Schritt nach vorne gehen sollte.“ Nicht nur könnten mit dem gesparten Geld wirksame Leistungen und Therapien finanziert werden, es könnte auch verhindert werden, dass Patienten die Homöopathie als gleichwertig mit regulärer Medizin ansehen.

Fortunato fürchtet, dass die sogenannte alternative Medizin Menschen dazu verleiten könnte, sich von nützlichen und manchmal sogar notwendigen Maßnahmen wie Impfungen abzuwenden und sich dadurch Schaden zuzufügen. Die Krankenkassen, die Homöopathie als freiwillige Leistung bezahlten, täten das ja nicht, weil sie an deren Wirksamkeit glaubten, sondern weil sie keine Patienten an Privatkassen verlieren wollten.

Homöophaten: „Wirkungsvolle, sichere und beliebte Therapie“

Die erste Vorsitzende des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte (BVhÄ), Ursel Dohms, sieht das naturgemäß anders. Die frühere Leiterin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Paulinenkrankenhaus Charlottenburg fordert, dass Homöopathie „auf jeden Fall“ weiter von den Krankenkassen finanziert wird. „Sie ist eine wirkungsvolle, sichere und nebenwirkungsarme und daher auch sehr beliebte Therapiemethode“, sagt Dohms.

Homöopathie erweitere das therapeutische Spektrum. Vor allem bei chronischen und wiederkehrenden Krankheiten sei sie eine gute Option. „Sie sollte im Sinne des Therapiepluralismus und der Therapiefreiheit allen Patienten, aber auch allen Ärzten, offenstehen“, so Dohms. Die Diagnostik für eine homöopathische Behandlung sei sehr zeitaufwendig – und genau deswegen von Vorteil. „Wir erfahren in diesem Gespräch sehr viel über den Patienten und können ihn sehr gezielt behandeln.“ Generell sei es erstrebenswert, wenn die Krankenkassen die Zeit, die ein Arzt mit dem Patient verbringe, besser vergüten würden.

135 homöopathische Ärzte in Brandenburg

Laut den Schätzungen des Vereins homöopathischer Ärzte bezahlen rund 90 Prozent der Patienten die homöopathischen Mittel ohnehin selbst. Erstattet werden Mittel für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr, wenn sie vom Arzt verschrieben wurden. Weiterhin gibt es 50 Krankenkassen, die homöopathische Mittel auf freiwilliger Basis bezahlen. Laut dem BVhÄ macht das nur 0,03 Prozent der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen aus. In Berlin gibt es rund 400 Ärzte mit homöopathischer Weiterbildung, in Brandenburg sind es derzeit 135. Laut der Hufelandgesellschaft haben sich deutschlandweit rund 60.000 Mediziner in einer alternativen medizinischen Methode weitergebildet, allerdings nicht nur in Homöopathie, sondern auch in Akupunktur und Naturheilverfahren.

Von Rüdiger Braun

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