Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Märkische Lehrer helfen bei Schulfahndung
Brandenburg Märkische Lehrer helfen bei Schulfahndung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 25.06.2018
Bei der Suche nach Opfern schweren sexuellen Missbrauchs können Polizisten künftig gezielt in Brandenburger Schulen nachforschen. Foto: dpa
Bei der Suche nach Opfern schweren sexuellen Missbrauchs können Polizisten künftig gezielt in Brandenburger Schulen nachforschen. Foto: dpa
Anzeige
Potsdam

Im Kampf gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch weitet die Brandenburger Polizei ihre Ermittlungen an Schulen aus. Künftig sind die Lehrer aller Schulen verpflichtet, in regelmäßigen Abständen mögliche Missbrauchsopfer zu identifizieren, wenn deutschlandweit eine Schulfahndung läuft. Die Vereinbarung ist Teil eines ergänzten Runderlasses zur Zusammenarbeit von Polizei und Schulen, den Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) am Montag in Potsdam unterzeichneten.

Bei der sogenannten Schulfahndung werden Lehrern unverfängliche Bilder von missbrauchten Kindern vorgelegt, die sie dann gegebenenfalls identifizieren. Auf diese Weise können unter Umständen die Täter ermittelt werden. „Mit der Schulfahndung wollen wir die Aufklärungsquote vergrößern und gleichzeitig sicherstellen, dass die Persönlichkeitsrechte der Opfer nicht verletzt werden“, so Schröter.

Länderübergreifende Aktion

Die Schulfahndung gilt als letztes Mittel, wenn Bundeskriminalamt (BKA) und Landeskriminalamt (LKA) mit ihren vorherigen Ermittlungen nicht erfolgreich waren. Bundesweit läuft diese Form der Fahndung bereits seit 2012, in Brandenburg wird sie seit 2015 praktiziert. In unregelmäßigen Abständen bündeln die Ermittler ungeklärte Missbrauchsfälle und starten eine länderübergreifende Aktion.

Zweimal in vier Jahren hat auch Christina Schneider, Leiterin der Grundschule „Am Pekenberg“ in Zülichendorf (Teltow-Fläming) derartige Schulfahndungen erlebt. „Wir sollten versuchen, ob wir Kinder auf den Fotos wiedererkennen“, erklärt Schneider. Dazu holte sie Lehrer zu sich ins Direktorenzimmer, wo sie die Fotos von den Gesichtern der Kinder betrachten sollten. Dies sei belastend, räumte die Schulleiterin ein, aber „notwendig“, um die Arbeit der Polizei zu unterstützen.

„Lehrer sind keine Hilfssheriffs“

Auch der Innenminister ist überzeugt davon, dass die Schulfahndung der richtige Weg ist, missbrauchten Kindern zu helfen. Anders als bei der klassischen Öffentlichkeitsfahndung über die Medien handele es sich bei Bildern, die nur den Lehrern gezeigt würden, um eine vertraulichere Methode und Opfer würden weniger beeinträchtigt. Schröter wies Vorwürfe zurück, dass Lehrer zwangläufig in die Rolle eines Hilfssheriffs schlüpfen würden, wenn sie Bilder von missbrauchten Kindern sichten müssten. „Wenn ein Kind auf den Bildern erkannt wird, fahndet die Polizei.“

In Brandenburg übergeben die Ermittler den Schulen die Mappen mit den Fotos von Missbrauchsopfern persönlich. Da es sich dabei um hochsensible Daten handelt, sind die Lehrer zur Verschwiegenheit verpflichtet. Erschwert wird diese Art der Fahndung jedoch dadurch, dass es sich meist um ältere Bilder handelt. Denn die von Beamten im Internet entdeckten Filme und Fotos seien oft schon vor Jahren aufgenommen worden. Die Fahndung nach Opfern von sexueller Gewalt ist ebenso wie die Initiative „Schulen gegen sexuelle Gewalt“ in dem regelmäßig fortgeschriebenen Runderlass zur „Partnerschaft Polizei und Schule“ neu festgesetzt worden. Dieser regelt seit 2002 die vorbeugende Arbeit der Polizei in den Schulen zu den Themen Verkehrserziehung und Kriminalität.

Cyber-Polizisten sind schwer zu finden

425 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern wurden im Jahr 2017 in Brandenburg angezeigt. Die Kriminalstatistik erfasst jedoch nur das Hellfeld, also die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten. In diesem Deliktbereich wird aber von einem sehr großen Dunkelfeld ausgegangen. Ähnlich sieht es bei der Online-Kriminalität aus. Im vergangenen Jahr gab es in Brandenburg 61 aktenkundige Fälle von Kindesmissbrauch, bei denen die Opfer über das Internet angesprochen wurden. Auch hier ist die Dunkelziffer groß.

In Brandenburg soll eine Spezialeinheit Straftaten im Internet und Darknet aufklären. Das Problem: Die Einheit „Cyber-Competence-Center“ ist noch immer nicht voll besetzt. Dass Cyber-Polizisten schwer zu finden sind, weiß auch der Innenminister. Beamte würden unter Kinderporno-Ermittlungen leiden und müssten regelmäßig ausgetauscht werden, so Schröter.

Von Diana Bade