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Brandenburg Brandenburger Sparkassen kündigen tausende Verträge
Brandenburg Brandenburger Sparkassen kündigen tausende Verträge
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19:42 30.09.2019
Filiale einer Sparkasse. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Potsdam

Unter dem Druck der europäischen Niedrigzinspolitik hat eine weitere Brandenburger Sparkasse jetzt mehrere Tausend gut verzinster Prämiensparverträge gekündigt. Das bestätigte die Sparkasse Oder-Spree. Vor ihr hatten bereits die Sparkasse Märkisch-Oderland im Jahr 2018 etwa 3500 und Spree-Neiße 5000 jener Sparverträge einseitig beendet, die für regelmäßige Einzahlungen seitens der Bankkunden neben Zinsen ansteigende Prämienzahlungen vorsehen.

Damit folgen jetzt der drei der elf märkischen Sparkassen dem Beispiel großer Sparkassen wie der aus Nürnberg (21.000 Verträge), München (28.000 Verträge).

Die Zinsspanne ist geschrumpft

„Der Kostendruck auf die Sparkassen infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist enorm hoch“, sagt Cosima Ningelgen, Sprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Hintergrund: Die Kredithäuser leben unter anderem von der Zinsspanne zwischen niedrigeren Einlagezinsen und höheren Kreditzinsen. Wegen der Nullzinspolitik schrumpft diese Spanne immer weiter. Das belastet die Bilanzen. Wegen der hohen und verlässlichen Erträge galt Prämiensparen andererseits bei vielen Sparern als gute Geldanlage und teilweise als sichere Altersvorsorge.

50.000 Verträge könnten betroffen sein

Im Land Brandenburg sind nach einer Hochrechnung der Verbraucherzentrale in Potsdam etwa 50.000 solcher Verträge abgeschlossen worden. Viele der noch nicht in die Offensive gegangenen Institute erwägen einen Stopp der Anlageform. „Auch uns tut dieses Produkt weh“, sagt Petra Beister von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, die 5800 Prämiensparverträge in ihren Büchern hat. Zwar gebe es vonseiten des Vorstands „keine finale Entscheidung“, jedoch könne man eine massenhafte Kündigung „nicht ausschließen“. Die Bankberater sprächen derzeit intensiv mit Kunden, um sie von anderen Anlageformen zu überzeugen.

Wegweisendes Urteil

Im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geurteilt, dass langjährige Prämiensparer in Stendal (Sachsen-Anhalt) die Kündigung ihrer Altverträge durch die Sparkassen hinnehmen müssen, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben. Seither sehen sich die Kreditinstitute gestärkt, eine Kündigungswelle rollt. Bei der Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) in Potsdam gibt es laut Sprecher Robert Heiduck „keine konkreten Überlegungen“ zur Kündigung der oft sehr alten Verträge. Jedoch „beobachten wir den Markt vor dem Hintergrund des außergewöhnlichen Zinsumfelds“, so Heiduck. Auch die Sparkasse Prignitz habe bislang von Kündigungen abgesehen, so Sprecher Helge Reiter, aber: „Die Option ist da“, so Reiter.

Verbraucherzentrale rät zu Widerspruch

Betroffenen Sparern rät die Verbraucherzentrale (VZB) zum Widerspruch. Der ist laut dem Finanzexperten Erk Haarschmidt auch aus anderem Grund zu empfehlen. Die Sparkassen hätten über Jahre den Prämiensparern aufgrund eines ziemlich komplizierten Berechnungsverfahrens zu niedrige Zinsen bezahlt. Die Differenz könnten Kunden zurückverlangen, die VZB rechne die Summe aus. Pro Sparer kämen erfahrungsgemäß Nachforderungen von 500 bis 15.000 Euro zusammen.

Dem halten etwa MBS-Sprecher Heiduck und sein Kollege Reiter aus der Prignitz entgegen: „Wir haben die Zinsen korrekt ausgerechnet.“

Von Ulrich Wangemann

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